Erfolgsgarant statt Ersatzmann

Hoeneß will verlängern: Das sagt Bayerns „Mann des Jahres“

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Vorübergehend Feldspieler: Sven Ulreich will ab Freitag wieder Torwarttraining absolvieren.

Sven Ulreich hat Stammkeeper Manuel Neuer in der Hinrunde glänzend vertreten. FCB-Präsident Uli Hoeneß möchte den Vertrag mit dem Erfolgsgarant schnellstens verlängern. Kann sich der Umworbene einen Verbleib vorstellen?

Doha – Der Finger von Sven Ulreich ist bandagiert und vor allem: Kreativ gekühlt. Als der Torhüter des FC Bayern gestern vom Trainingsplatz der Aspire Academy spazierte, trug er einen Colabecher bei sich. Wenn ein Mittelfinger mal verstaucht ist, kann er Kälte jederzeit gebrauchen. Also hatte sich Schlussmann Ulreich halt sein eigenes kleines Kühlbecken gebastelt.

Auch der 29-Jährige selbst musste ein wenig grinsen, als er auf seine Eigenkreation hinunterblickte. Er versicherte aber zeitgleich, dass es dem lädierten Fingerglied schon wieder „richtig gut“ gehe. „Am Anfang“, also in der Vormittagseinheit vom Mittwoch, habe das alles „nicht so schön ausgesehen“. Es sei aber „nichts kaputt, das ist das Wichtigste“. An diesem Freitag will Ulreich, der am Donnerstag schon wieder mitkickte und ohne Handschuhe ein paar Bälle fing, wieder voll dabei sein. „Mit allem drum und dran“, sagt er. Außerdem gehöre es dazu, „dass ich in Katar immer ausfalle“.

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Nicht mehr jeder erinnert sich genau daran, dass der eigentlich als Ersatzmann von Manuel Neuer verpflichtete Ex-Stuttgarter auch in den vergangenen beiden Jahren in Doha kürzertreten musste. 2015 zerrte er sich das Syndesmoseband, 2016 bremsten ihn Adduktorenprobleme aus. Aber damals war er beim FCB auch nichts anderes als ein Mann aus der zweiten Reihe. Neuer erfreute sich bester Gesundheit, der Platz im Tor der Bayern war klar vergeben. Im Schatten des Welttorhüters konnte Ulreich wieder fit werden und seinen Bankplatz einnehmen. Alles geräuschlos, ohne große Ansprüche.

Uli Hoeneß adelt Ersatztorwart Sven Ulreich aus der Ferne

Wenn man die Reaktionen im Anschluss an die Schrecksekunde am Mittwoch beobachtet hat, kann man mit großer Gewissheit sagen: Heute ist das anders. Ein längerer Ausfall von Sven Ulreich hätte – mit Blick auf die derzeitigen Vertreter Tom Starke (36) und Ron-Thorben Hoffmann (18) – schwer gewogen, womöglich hätten die Bayern doch noch mal auf den Transfermarkt schauen müssen. Mit einer auf unbestimmte Zeit fehlenden Nummer eins (Neuer) und einem noch dazu verletzten dritten Mann (Christian Früchtl) in der zweiten Saisonhälfte in drei Wettbewerbe zu gehen, wäre heikel gewesen. Umso erleichterter war man über Ulreichs Worte: „Der Finger ist da doch die harmloseste Verletzung.“

Auch in München hat man aufgeatmet, als die absolut harmlose Diagnose aus dem Krankenhaus kam. Denn die Wertschätzung für den gebürtigen Schorndorfer ließ Uli Hoeneß gestern sogar aus mehr als 4.000 Kilometern Entfernung übermitteln. Für ihn, sagte der Präsident dem „kicker“, sei Ulreich „der Mann des Jahres“, er habe „dem FC Bayern unheimlich geholfen, damit diese Wende klappte“. Die Empfehlung des Klubobersten: „Er muss seinen Vertrag unbedingt verlängern.“

Wenn ein Mittelfinger mal verstaucht ist, kann er Kälte jederzeit gebrauchen. Also hat sich Sven Ulreich sein eigenes kleines Kühlbecken gebastelt.

Darüber, wie unbedingt er das will, denkt Sven Ulreich im Moment nach. Unserer Zeitung sagt er, gerne „in den nächsten Monaten Klarheit“ haben zu wollen, denn es sei „immer wichtig für einen persönlich, dass man weiß, wo es lang geht“. Stress wolle er sich dennoch nicht machen, Gespräche finden „in der Vorbereitung nicht statt. Wir lassen die Rückrunde angehen und werden dann mal schauen.“ Bei den FC-Bayern-Bossen hat die Verlängerung von Ulreichs im Sommer auslaufenden Dreijahresvertrag aktuell höhere Priorität als jene von Franck Ribery und Arjen Robben.

Natürlich ist Ulreich hin- und hergerissen. Wer in der Hinrunde nahezu durchgespielt hat, hat „Blut geleckt, man freut sich, wenn man weiterspielen darf“. Da aber Manuel Neuer „in den nächsten Wochen zurückkommen wird“ und Ulreich – 29 Jahre alt – auch davon spricht, bei diesem „wichtigen Vertrag alles richtig machen“ zu wollen, wird er sich die Sache „gut überlegen“. Im Moment, sagt der Torhüter, „tendiere ich in keine Richtung, alles ist möglich“. Er zog seinen Finger noch mal aus dem Eiswasser heraus. Als könne der bei der Entscheidung helfen.

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