Kampf auf dem Flügel

Costa hat Ribéry verdrängt - warum eigentlich?

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Bereitete in Freiburg das 1:1 vor: Douglas Costa (M.).

München – Douglas Costa hat Franck Ribéry nicht nur beim Start des FC Bayern in Freiburg den Rang abgelaufen. Viele fragen sich: Warum nur?

Man hat zwei Szenen noch gut vor Augen, sie datieren vom Trainingslager des FC Bayern neulich in Katar. Als Franck Ribéry in einem Trainingsspiel mal drei Mann sagenhaft in Serie austanzte, gab es Szenenapplaus, während Philipp Lahm den Abschluss des Franzosen gerade noch irgendwie von der Linie grätschte. Und ein anderes Mal blaffte Ribéry einen Mitspieler wortreich an, weil der in aussichtsreicher Position aufs Tor schoss statt abzuspielen. Dass es unter Kollegen mal einen Anpfiff setzt, ist nicht ungewöhnlich. Die Szene blieb dennoch in Erinnerung. Der Adressat von Ribérys Rüffel war Douglas Costa.

Costa macht Ribéry den linken Flügel streitig

Das Duo steht unter besonderer Beobachtung, denn ihre Beziehung war schon immer von ambivalenten Gefühlen geprägt. Als Costa in Diensten von Schachtjor Donezk einst im Champions League-Duell mit den Bayern Ribéry auffallend oft in die Beine sprang, dachte man sich noch nichts, denn sein Transfer einige Monate später kam eher überraschend. Doch seitdem er da ist, macht er intern weiter, was ja auch seine Aufgabe ist: Ribéry permanent zu attackieren. Wie ein Erbe, der zu früh aufbegehrt. Und ein König, der noch nicht ans Abdanken denkt, hält von so einem Erben herzlich wenig.

Ribéry ist es gewohnt, die Überholspur zu nehmen. Und bisher war er in München auf der linken Flanke gänzlich frei von nennenswerter Konkurrenz. Zé Roberto spielte lieber in der Zentrale, als den Zweikampf mit ihm zu suchen, Talente oder vermeintliche Talente wie Jan Schlaudraff, Alexander Baumjohann, Marcell Jansen und Julio dos Santos schlug er reihenweise in die Flucht – doch die Münchner investierten ja nicht umsonst rund 30 Millionen in Costa. Seit eineinhalb Jahren herrscht nun Gedrängel auf der Überholspur. Seit einiger Zeit hat der Brasilianer die Nase vorn. Allerdings fragen sich viele: Warum nur?

Schont Ancelotti Ribéry für die großen Spiele?

Beim Start in das Pflichtspieljahr 2017 stand Costa in der Startelf, und er setzte damit den Trend von 2016 fort. Auch gegen Darmstadt und Leipzig bekam er den Vorzug, Ribéry saß nur auf der Bank. Welchen Narren Carlo Ancelotti an dem 26-Jährigen gefressen hat, ist schwer zu erklären; statistisch sind seine Werte schlechter als die von Ribéry , der insgesamt wesentlich präziser agiert. Bei Douglas Costa fehle ihm immer irgendetwas, hatte Mehmet Scholl in seiner Funktion als ARD-Experte neulich gesagt. Er war Ribérys Vorgänger auf Bayerns linkem Flügel – und steht mit seiner Meinung nicht alleine in der Branche.

Auch das Spiel am Freitag in Freiburg sagt viel aus über den Konkurrenzkampf der beiden. Costa bereitete das 1:1 vor, Ribéry das 2:1 – zwischen den Rivalen stand es also rein nüchtern betrachtet Unentschieden. Die Wahrheit aber ist nicht statistisch festzuhalten. Costas Vorlage war ein Eckball. Ribérys Flanke fiel aus dem Spiel, und er hatte sich in der Vorbereitung entschlossen durchgesetzt. Er hatte den besseren Auftritt, zumal er nach seiner Einwechslung weniger Zeit hatte, um zu glänzen. Ähnlich fällt die Bewertung beim 1:0-Sieg in Darmstadt aus. Das Tor des Tages hatte der Brasilianer zwar in letzter Minute mit fulminantem Distanzschuss besorgt, davor aber war seine Darbietung jämmerlich, was aber da freilich auf alle zutraf.

Es ist die Frage, ob Ancelotti auf Costa vertraut, weil er in ihm die Zukunft sieht – oder weil der „Meister des Haushaltens“ (Ottmar Hitzfeld über den Italiener) Ribéry für die großen Aufgaben in der Rückrunde schont. Er werde im April 34 und habe schon alles gewonnen, sagte der Franzose in Katar, „aber ich bin noch hungrig“. Bissig gegenüber seinem Konkurrenten Costa zeigte er sich nachweislich. Und auch die Bayern wissen, dass sie ohne ihn oft recht zahnlos wirken.

Im Sport1-Video: Bald kommt auch Thiago wieder zurück ins Team

snacktv

Quelle: tz

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