Wie lang hält der Aufsichtsrat noch zum ihm?

Hoeneß: Jetzt wird's eng

+
Uli Hoeneß

München - Für Uli Hoeneß wird es wohl eng. Auf den Bayern-Präsidenten kommt ein unangenehmer Termin beim Aufsichtsrat zu. Wie lange hält dieser noch zu ihm?

Die Bayern-Stars saßen in ihrer Umkleidekabine in der Allianz Arena nach dem 1:0-Sieg gegen Freiburg. Plötzlich öffnete sich die Türe und Uli Hoeneß kam herein. Es war das erste Mal, dass der Bayern-Präsident nach Bekanntwerden seiner Steueraffäre vor die Mannschaft trat.

Nach Hannover war er gar nicht erst mitgekommen, gegen Barcelona hatte er auf einen Kabinenbesuch verzichtet, nach dem Freiburg-Spiel wollte er wieder den Anschein der Normalität wahren. Und so sprach Hoeneß auch nicht über die Steueraffäre, sondern gratulierte der Mannschaft zum Freiburg-Sieg und wünschte Glück für das große Spiel gegen Barça am Mittwoch. Für Hoeneß selbst wird auch der kommende Montag entscheidend sein. Am 6. Mai findet die nächste Aufsichtsratssitzung des FC Bayern statt. Dann soll über Hoeneß’ Zukunft als Bayern-Präsident und Vorsitzendem des Aufsichtsrats beraten werden. Zunächst war spekuliert worden, die Sitzung fände bereits an diesem Montag statt.  „Das ist totaler Blödsinn. Die nächste Aufsichtsratssitzung findet wie geplant am 6. Mai statt, das steht schon seit vorigem November fest - und bis dahin passiert überhaupt nichts“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ den Präsidenten.

Nach tz-Informationen will das neunköpfige Gremium Hoeneß dazu bringen, seine Ämter bis zur endgültigen Klärung der Affäre ruhen zu lassen. Es wäre ein Kompromiss, so käme Hoeneß zunächst um einen endgültigen Rücktritt herum.

Auch Audi-Boss Rupert Stadler, Hoeneß’ Stellvertreter im Aufsichtsrat, hält sich mit Unterstützung für den Bayern-Präsidenten derzeit auffällig zurück. Der BamS sagte ein Sprecher des Audi-Chefs: „Audi ist der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden kann, wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag.“ Nach einem eindeutigen Bekenntnis zu Hoeneß hört sich das nicht an. Auch die anderen Aufsichtsräte halten sich mit Äußerungen pro Hoeneß zurück. Laut BamS antwortete keiner der acht befragten Aufsichtsräte auf die Frage, ob Hoeneß Vorsitzender bleiben könne, mit einem klaren „Ja!“

Ein Aufsichtsrat sagte gar: „Bei jedem anderen Konzern wäre jemand, der Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hat, längst geflogen!“ Und die FAS zitiert anonym Aufsichtsratskreise: „Auch der Papst ist zurückgetreten und die ¬Katholische Kirche hat es verkraftet.“ Klar ist: Die Hoeneß-Affäre zieht immer weitere Kreise, bis hinein in die Politik. So will der Focus herausgefunden haben, dass die bayerische Justiz bereits im Sommer 2012 von einem verdächtigen Konto von Uli Hoeneß in der Schweiz gewusst habe. Demnach soll der Name des Bayern-Präsidenten auf einer Steuer-CD gewesen sein, die das Land NRW im August erworben hatte.

Laut Focus leitete die Staatsanwaltschaft Bochum die Daten dann an ihre Kollegen in München weiter. Ein Ermittlungsverfahren eröffneten diese jedoch erst fast ein halbes Jahr später, nach der Selbstanzeige von Hoeneß im Januar 2013. Die Staatsanwaltschaft Bochum dementierte prompt: „Das trifft nicht zu. Auf der Steuer-CD, die die Staatsanwaltschaft Bochum bearbeitet, findet sich der Name Hoeneß nicht.“

Auch die Staatsanwaltschaft München II wies den Vorgang zurück: „Es trifft nicht zu, dass die Staatsanwaltschaften in München im Sommer 2012 eine Steuer-CD mit den Daten von Herrn Hoeneß erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft München II wurde erst im Januar 2013 von der Selbstanzeige Hoeneß’ unterrichtet.“ Das Ermittlungsverfahren gegen Hoeneß habe man „aufgrund der Selbstanzeige 2013 eingeleitet“, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. Laut Spiegel und Schweiz am Sonntag soll die Initiative hierzu von der Bank Vontobel ausgegangen sein, die sich telefonisch bei Hoeneß meldete. In dem Telefonat wies man den FCB-Präsidenten angeblich daraufhin, dass der Stern nach einem Prominenten aus dem Sportbereich recherchiere. Es sei gegenüber Hoeneß die Rede davon gewesen, dass jemand „blöde Fragen“ stelle. Man habe Hoeneß dazu gedrängt sein Konto zu „regularisieren“.

Nach Informationen des Spiegel hat die Staatsanwaltschaft die Steuerschuld auf 3,2 Millionen Euro berechnet. Es stellt sich die Frage, wie sehr auch der FC Bayern in den Steuer-Strudel gerissen wird. Laut Focus soll die Staatsanwaltschaft bei der Hausdurchsuchung am 20. März in Hoeneß’ Anwesen am Tegernsee auch dessen Privatsafe geknackt haben, da Hoeneß angab, den Schlüssel nicht zu finden. Zudem soll am selben Tag auch sein Büro in der Bayern-Zentrale drei Stunden lang durchsucht worden sein. Dabei wollten die Beamten auch mit Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen sprechen. Und: Im Rahmen der Ermittlungen sollen Hoeneß’ Telefone abgehört worden sein. Die Frage ist: Wie lange kann Hoeneß dem Druck noch standhalten?

Weitere Artikel zum Steuerfall Uli Hoeneß finden Sie hier.

jj

Die Mitglieder des neunköpfigen Aufsichtsrats der FC Bayern AG

Uli Hoeneß: Vorsitzender

Herbert Hainer: Stellvertretender Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Adidas AG

Rupert Stadler: Stellvertretender Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Audi AG

Timotheus Höttges: Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Telekom AG

Karl Hopfner: 1. Vizepräsident des FC Bayern München

Helmut Markwort: Vorstandsmitglied bei Hubert Burda Media, Herausgeber des Nachrichtenmagazins „Focus“

Dieter Rampl: Verwaltungsratsvorsitzender der UniCredit Group, Aufsichtsratsvorsitzender der Börse München

Edmund Stoiber: früherer bayerischer Ministerpräsident, Ehrenvorsitzender der CSU

Martin Winterkorn: Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und der Porsche Automobil Holding SE

Quelle: tz

Auch interessant:

Meistgelesen

FC Bayern: Sechs Stars im neuen Mannschaftsrat - Kimmich mit großer Verantwortung
FC Bayern: Sechs Stars im neuen Mannschaftsrat - Kimmich mit großer Verantwortung
Jerome Boateng: Kehrt er zu einem Ex-Klub zurück? Neue Aussagen sorgen für Wirbel
Jerome Boateng: Kehrt er zu einem Ex-Klub zurück? Neue Aussagen sorgen für Wirbel
Lewandowski erklärt Elfmeter-Geschenk an Coutinho: „Für Philippe war es ...“
Lewandowski erklärt Elfmeter-Geschenk an Coutinho: „Für Philippe war es ...“
Torhüter-Streit beim DFB? Neuer reagiert mit deutlichen Worten auf ter Stegens Ansagen
Torhüter-Streit beim DFB? Neuer reagiert mit deutlichen Worten auf ter Stegens Ansagen

Kommentare