"Es wäre an 1860, die Dinge klarzustellen…"

Karl-Heinz Rummenigge ist nicht glücklich über die neue Arena-Diskussion.
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Karl-Heinz Rummenigge ist nicht glücklich über die neue Arena-Diskussion.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, nimmt im tz-Interview Stellung zu Personalfragen und zum Thema Allianz Arena.

Herr Rummenigge. Lassen Sie uns in die Zukunft blicken. Wo steht der FC Bayern am Ende der Saison?

Rummenigge: Wir wollen den Titel verteidigen und in den anderen Wettbewerben gut aussehen. Speziell in der Champions-League wollen wir die eine oder andere Runde überstehen.

Keinen besonderen Wunsch?

Rummenigge: Die Deutsche Meisterschaft, denn da gibt’s kein Glück und Pech, während bei den Pokalwettbewerben ein schlechter Tag das Aus bedeuten kann.

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Bei der letzten Meisterfeier gab es mit OB Ude einen Disput. Wünschen Sie sich ein besseres Verhältnis?

Rummenigge: Es ist Fakt, dass wir nicht der präferierte Verein des Oberbürgermeisters sind – und das spürt man. Dabei möchte ich es belassen. Ich befinde mich im vorweihnachtlichen Frieden. Es hat seitdem keinen Kontakt gegeben.

Nur weil Ude für den falschen Verein ist?

Rummenigge: Grundsätzlich finde ich es nicht glücklich, wenn ein Oberbürgermeister Partei für einen Verein ergreift.

Was wünschen Sie sich im Verhältnis zu 1860?

Rummenigge: Wir haben ein ordentliches Verhältnis zu den Löwen. Das Einzige, was mich im Moment amüsiert, ist das Verhalten der Fans in Sachen Allianz Arena. Ich meine, es wäre an 1860, die Dinge klarzustellen.

Inwiefern?

Rummenigge: Wir haben einem wesentlich verbesserten Mietvertrag zugestimmt, ohne den der Klub vor zweieinhalb Jahren in die Insolvenz gegangen wäre. Man kann nicht vom FC Bayern verlangen, dass wir immer mehr machen und immer mehr belastet werden. Welche Alternative haben sie denn? Es gibt keinen Umbau des Grünwalder Stadions. Dann bleibt noch das Olympia-Stadion. Wenn man ausziehen will, muss man diese Kosten zur Verfügung haben. Ich lese nur, dass sie alles haben, nur kein Geld. Logen, Caterer, Allianz Arena Namensrecht – dort haben sie überall Verpflichtungen. Da kann man nicht sagen, wir ziehen aus – und Bayern soll noch den roten Teppich auslegen. Das ist blauäugig. Die Geschäftsführung und das Präsidium sollten den Fans erklären, dass das überhaupt keine Chance hat.Die Sechziger haben kein Geld – auch die Weltwirtschaft leidet unter der Finanzkrise.

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Machen Sie sich Sorgen?

Rummenigge: Wir brauchen Regularien im Fußball, weil der gesamte Bereich zu viel Geld ausgibt. Vor allem für Gehälter. Mein Vorschlag, der in der Uefa diskutiert wird, ist der, nur noch maximal 50 Prozent in Gehälter zu investieren. So würden wir rationaler wirtschaften und die Wettbewerbsgleichheit wäre wieder gegeben.

Ist denn die Ergebniskrise Ihrer Bayern endgültig vorbei?

Rummenigge: Wir haben gute Chancen, unsere Ziele zu erreichen. Entscheidend ist, dass das Konzept und der Plan von Jürgen immer besser greifen. Wir werden eine gute und erfolgreiche Rückrunde spielen.

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Und Hoffenheim?

Rummenigge: Ich habe Respekt vor ihren Leistungen, die sie jetzt bestätigen müssen.

Ist Hoffenheim Ihr neues Feindbild?

Rummenigge: Wir haben nie ein solches gehabt. Wann immer wir Auseinandersetzungen hatten, in den Siebzigern mit Gladbach, dann mit Hamburg, Dortmund, Bremen – es war immer ein vernünftiges Verhältnis. Heute ist man sofort beleidigt und dann schicken sie ihre Wadlbeißer.

TSG-Präsident Hopp war der Meinung, der Psychokrieg hätte Spuren hinterlassen.

Rummenigge: Das hat man in 90 Minuten gegen Schalke gesehen. Die haben es nicht geschafft, gegen neun Mann zu gewinnen. Aber wir brauchen keinen Psychokrieg.

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Reden wir über Personalien. Wieso sind Sie bei Schweinsteiger an die finanzielle Grenze gegangen?

Rummenigge: Es gibt keinen Grund, einen Spieler, der bei uns groß geworden ist und aus der Nachbarschaft stammt, nicht zu behalten. Wir sind froh und glücklich, dass er bleibt. Außerdem waren Bastian und sein Berater Robert Schneider sehr fair in den Verhandlungen.

Hat ihn wirklich halb Europa gejagt?

Rummenigge: Zwei Vereine aus Italien waren extrem an ihm interessiert. Ein Spieler, der mit 24 Jahren 62 Länderspiele und dazu noch den genialen Namen Schweinsteiger hat, der hat absolut im Ausland einen großen Markt.

Was wird aus van Bommel? Ein Einjahres-Vertrag ist nicht gerade der größte Vertrauensbeweis.

Rummenigge: Dass es sich um ein Jahr handelt, kann ich so nicht bestätigen.

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Die nächste Personalie: der von Franz Beckenbauer als Amateur kritisierte Michael Rensing. War die Kritik angemessen?

Rummenigge: Der Franz meint das nicht böse. Manchmal wäre es aber wünschenswert, er wäre etwas diplomatischer. Aber das ist eben unser Franz wie wir ihn kennen, schätzen und mögen. Wir sollten nicht päpstlicher sein als der Papst. Auch Michael Rensing wäre gut beraten gewesen, nichts dazu zu sagen. Zumal er eine sehr gute Entwicklung genommen hat. Er ist stabil, präsent und gibt Grund zur Hoffnung, dass er der richtige Nachfolger für Oliver Kahn ist. Er zahlt alles zurück. Wir haben Vertrauen und Geduld in seine Fähigkeiten.

Wieso haben Sie Interesse an Alexander Baumjohann von Gladbach.

Rummenigge: Das ist ein junger Spieler mit guter Entwicklung und dazu ablösefrei. Wir setzen uns damit auseinander.

Besonders am Herzen liegt Ihnen das Wohl von Franck Ribéry. Lernen Sie für ihn Französisch?

Rummenigge: Nein. Ich habe mal in Genf gespielt, da habe ich es ein wenig mitbekommen. Außerdem spricht er ordentlich deutsch.

Haben Sie Angst, dass er nächstes Jahr Spanisch oder Englisch lernt?

Rummenigge: Nein. Wir denken nicht eine Sekunde daran, ihn vor dem 30.6.2011 abzugeben. Nächstes Jahr wollen wir, wenn möglich, verlängern. Die letzte Personalie – der Managerposten.

Verraten Sie uns den Hoeneß-Nachfolger?

Rummenigge: Es wird schwierig bis unmöglich, den Uli zu 100 Prozent zu ersetzen. Aber er ist ja nicht aus dem Verein. Er geht nur eine Tür weiter und wird intensiv weiter dabei sein. Der Kreis der Kandidaten ist natürlich sehr limitiert. Ganz wichtig, ist der sportliche Part. Da ist er sehr nah am Trainer und an der Mannschaft. Das ist die wichtigste Komponente, die der Nachfolger mitbringen muss.

Soll es jemand sein, der bereits ein Bayern-Herz hat?

Rummenigge: Im Prinzip braucht man einen mit einer gewissen Erfahrung.

Also keinen Kahn?

Rummenigge: Ich möchte dem Ganzen keinen Vorschub leisten. Im Januar werden wir konkret mit dem Aufsichtsrat diskutieren.

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Quelle: tz

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