Sky-Experte Aogo im Interview

Ex-Nationalspieler: So verändert einen der FC Bayern - auch charakterlich

Dennis Aogo bei einem Bundesligaspiel im Trikot von Schalke 04. Zur neuen Saison wird der zweifache Vater Sky-Experte
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Dennis Aogo bei einem Bundesligaspiel im Trikot von Schalke 04. Zur neuen Saison wird der zweifache Vater Sky-Experte.

Zum Auftakt der Bundesliga haben wir uns mit dem neuen Sky-Experten Dennis Aogo über die Lage der Liga unterhalten. Der Ex-Profi spricht über den Krösus FC Bayern - und Corona.

  • Ex-Bundesliga- und Nationalspieler Dennis Aogo wird künftig bei Pay-TV-Sender Sky als Experte fungieren.
  • Dort wird er als einer von drei neuen Experten allwöchentlich die Partien der Bundesliga analysieren.
  • Wir haben uns mit dem 33-Jährigen ausführlich über seine neue Tätigkeit unterhalten - und die Lage der Liga.

München – Lothar Matthäus und Didi Hamann sind die neuen Vorbilder von Dennis Aogo. Denn der ehemalige deutsche Nationalspieler steht ab sofort nicht mehr auf dem Platz, sondern im TV-Studio. Als einer von drei neuen „Sky“-Experten wird der 33-Jährige Woche für Woche die Bundesligaspiele analysieren. Bevor er loslegt, beleuchtet er im Interview die Saison. Meisterkampf, Keller-Kinder, Krisen-Clubs aus seiner Sicht, also: aus der eines Experten.

Neuer TV-Experte Dennis Aogo will klotzen: „Nehme eine leichte Aufregung wahr“

Herr Aogo, wie bereitet man sich als TV-Experte auf eine Saison vor?
Dennis Aogo: Man versucht, up to date zu sein. Ich habe sogar einige meiner früheren Auftritte analysieren und mir ein paar Ratschläge geben lassen, um zu sehen, was ich besser machen kann. Früher war die Vorbereitung schuften auf dem Platz, heute ist es klotzen neben dem Platz (lacht). Wenn man einmal Leistungssportler war, will man alles, was man angeht, richtig gut machen.
Sind Sie vor dem ersten Einsatz nervös – obwohl sie viele Interviews in Ihrer Karriere gegeben haben?
Aogo: Ich nehme eine leichte Aufregung wahr, bevor ich im Sky Studio live auf Sendung gehen werde. Das ist aber doch das Gefühl, dass man nach der Karriere vermisst: diesen Nervenkitzel. Den habe ich jetzt in anderer Rolle.

Aogo vor Debüt bei Pay-TV-Sender „Ich kann mich in viele Rollen reinversetzen“

Sie haben zahlreiche Vereine durchlaufen, waren Nationalspieler. Sind Sie der perfekte Experte?
Aogo: Ich hoffe es. Zumindest habe ich genug Erfahrung. Ich bin zudem sehr krisenerprobt. Wenn ich privat einen Ratschlag haben will, gehe ich ja auch zu jemandem, der viel erlebt hat. Meine Karriere hatte viele Höhen und Tiefen, ich kann mich in viele Rollen reinversetzen. Ich will dem Zuschauer vermitteln: So ticken die, so ist das auf dem Rasen wirklich. Mein Plus ist, dass ich noch nicht lange raus bin. Ich will da meinen eigenen Stil finden.
Dann legen wir mal los: Was erwarten Sie für eine Bundesliga-Saison?
Aogo: Ich hoffe – wie alle anderen auch –, dass wir nach und nach wieder ein Stück weit in die Normalität kommen. Die Entscheidung, Fans ins Stadion zu lassen, wird die Saison positiv beeinflussen. Unser Sport lebt von Emotionalität, die Fans haben gefehlt. Und ich würde mir wünschen – obwohl ich wenig Hoffnung habe –, dass der Meisterkampf bis zum Ende eng bleibt. Ich glaube an mehr Spannung in der unteren Region und im Kampf um die europäischen Plätze.
Dortmund hat den eigenen Anspruch, die Bayern zu ärgern.
Aogo: Zu Recht! Borussia Dortmund hat eine Riesenqualität, sie sind vom Kader her die einzige Mannschaft, die an den FC Bayern rankommt. Aber die Konstanz können sie aufgrund der Zusammenstellung des Kaders nicht liefern. Ich würde mich freuen, aber ich glaube nicht dran. Der BVB holt talentierte Spieler, die sie wieder abgeben müssen. Der FC Bayern transferiert, um Titel zu gewinnen.

FC Bayern: Der Vorteil gegenüber Dortmund? „Verinnerlichen dieses extreme Gewinner-Gefühl“

Wird es für Lucien Favre dann wieder eine turbulente Saison, was seine eigene Person betrifft?
Aogo: Es scheint sich ja ein kleiner Strategiewechsel anzudeuten. Favre hat zum ersten Mal gesagt, er wolle den DFB-Pokal gewinnen. Das zeigt, dass der BVB alles versucht, andere Wege zu gehen. Sie haben gemerkt, dass sie die Spieler von Anfang an auf Titel sensibilisieren müssen. Das ist der bessere Weg, als die Verantwortung wegzuschieben. Favre geht in seine dritte Saison, er weiß, dass es an der Zeit ist, und dass er auch an Titeln gemessen wird.
Hummels, Can, Reus – die Achse wäre doch da.
Aogo: Theoretisch ja. Aber der FC Bayern hat eine ganz andere Atmosphäre geschaffen. Jeder Spieler, der zum FC Bayern kommt, weiß, dass es ab dem Moment nur noch darum geht, Titel zu gewinnen. Oder er entwickelt dieses Bewusstsein. Ich habe einige meiner Kollegen erlebt, die sich innerhalb kürzester Zeit nach ihrem Wechsel zum FC Bayern auch charakterlich wahnsinnig verändert haben.
Zum Guten oder zum Schlechten?
Aogo: Sportlich gesehen zum absolut Guten. Die verinnerlichen dieses extreme Gewinner-Gefühl, das sie vorher nicht hatten. Bei anderen Clubs gewinnt man mal, dann verliert man mal – das ist Teil des Geschäfts. Beim FC Bayern ist das wie eine eigene Kultur. Das unterscheidet sie von allen anderen, auch vom BVB. Da muss Dortmund wieder hinkommen, wie unter Jürgen Klopp. Nícht schon feiern, wenn man in den ersten sechs Spielen vier Tore macht. Das hilft alles nichts, wenn man in den entscheidenden Phasen nicht da ist.

Torjäger der Bundesliga: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lewandowski und Haaland?

Auf Spieler wie Sancho, Haaland, Bellingham freut man sich aber doch als Fan.
Aogo: Total! Ich finde sogar, dass es attraktiver ist, dem BVB zuzugucken als dem FC Bayern. Dortmund hat Spieler in den eigenen Reihen, die für Spektakel stehen. Bayern München spielt auch attraktiv, aber doch sehr ergebnisorientiert.
Apropos Spektakel: Haaland oder Lewandowski?
Aogo: Eher Robert Lewandowski. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird. Das wäre ja nur schön.
Was trauen Sie Leipzig ohne Werner zu? Leverkusen ohne Havertz?
Aogo: Das sind die Kandidaten für die Champions-League-Plätze. Leipzig wird den Werner-Abgang kompensieren. Ich bin ein großer Freund von Julian Nagelsmann, er wird eine sehr gute Mannschaft auf den Platz zaubern, die – wie er – extrem hungrig ist. In Leverkusen müssen andere in die Verantwortung rutschen, Karim Demirbay hat da eine große Chance, aus dem Schatten rauszukommen.
Wird Berlin schon ein „Big City Club“?
Aogo: Ich glaube nicht. Ich wohne in Berlin, habe einen guten Draht zu Bruno Labbadia. Mir fehlen da die Typen, die mitreißen können, auch Bruno sagt ja, ihm fehlt noch die Achse. Ich sehe sie im gesicherten Mittelfeld, mehr nicht.

FC Bayern: Dennis Aogo über Leroy Sané - „Rucksack ist nach dem Triple etwas leichter“

Maß aller Dinge wird der FC Bayern bleiben. Wie groß ist dieser Hunger nach einem Triple noch?
Aogo: Die Bayern haben einen Riesenvorteil: Sie haben einige Spieler, die das schon mal erlebt haben. Das ist ja eigentlich Wahnsinn. Und wenn ich mir die jungen Spieler anschaue, die jetzt das Triple gewonnen haben, dann sind das nicht die Typen, die sagen: Wir lassen jetzt mal locker. Im Gegenteil! Die wollen es sich selber beweisen. Bei einer anderen Mannschaft würde ich die Gefahr sehen – bei Bayern 0,0.
Dazu kommt nun noch Leroy Sané.
Aogo: Und der will natürlich zeigen, dass er die Mannschaft noch besser machen kann. Er hat das Triple nicht gewonnen, er wird noch mehr Hunger reinbringen. Der FC Bayern hat ziemlich viel richtig gemacht im letzten Jahr.
Sie sagten zuletzt, der Rucksack für Sané könne auch schwer werden.
Aogo: Dabei bleibe ich. Die Situation hat sich insofern ein wenig geändert, als dass die Ablöse nicht so hoch war, wie vor einem Jahr angedacht. Trotzdem bin ich gespannt, wie er das machen wird. Der Rucksack ist nach dem Triple etwas leichter geworden. Er kommt in ein wirklich funktionierendes Team rein. Wenn der FC Bayern eine schlechte Saison gehabt hätte, wäre er der Heilsbringer gewesen. Jetzt hat er einen einfacheren Einstieg. Trotzdem will er zeigen, dass er in die Mannschaft gehört – und dass er das Geld wert ist.

Leroy Sané beim FC Bayern: „Ich bin gespannt, wie schnell er die Kultur annimmt“

Erzählen Sie vom Mitspieler Sané!
Aogo: Ich habe ja mit ihm gespielt, als er noch viel jünger war. Er war immer ein respektvoller, höflicher Junge, sehr fleißig, auch schon zu Schalker Zeiten. Man denkt ja bei ihm immer, er hat eine Attitude. Sein Gang, sein Auftritt (lacht). Er ist aber ein netter, liebenswerter, guter Mann. Er ist umgänglich, gliedert sich in jede Mannschaft ein, macht keinen Ärger, ist witzig, immer gut drauf. Und in den letzten Jahren hat sich ja auch noch mal richtig was getan, er ist zweifacher Familienvater. Er ist extrem gereift. Sportlich ist er ja sowieso besonders. Ich bin gespannt, wie schnell er die Kultur des FC Bayern annimmt.
Sie haben auch unter Hansi Flick gearbeitet, der in München noch keine Krise zu bewältigen hatte. Wird das seine erste große Herausforderung, wenn doch mal ein, zwei, drei Spiele verloren gehen?
Aogo: Wenn man in der ersten Saison so viel gewinnt, alles richtig macht, lässt sich auch eine Krise einfacher verkraften. Da wird weder er noch der FC Bayern nervös werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krise kommen wird, ist sehr hoch. Und auch die Fallhöhe ist extrem hoch. Hansi ist aber auch einfach ein Typ, der über seine Menschlichkeit kommt, er ist sehr nahbar. Man kann mit ihm über alles reden. Genau das schien dem Kader und der Mannschaft gefehlt zu haben.

Bayern Münchens Auftaktgegner: „Sehe sie nicht als Krisen-Club und Abstiegskandidat“

Was schwingt in dieser Saison generell am meisten mit: Corona, die EM oder die harte Belastung?
Aogo: Die Belastung wird enorm. Man muss schon gucken, dass man die Spieler schützt, sie im richtigen Moment rausnimmt. Gerade beim FC Bayern. Wir müssen trotzdem alle froh sein, dass wir unsere Sportart weiter ausleben können. Da ist auch ein Stück weit Demut angesagt – denn es gibt Branchen, in denen Polen offen ist. Und ich hoffe, dass mit der EM das Thema Corona eines ist, von dem man sagt: „Weißt Du noch? Das war richtig scheiße.“ Aber das ist leider noch nicht absehbar.
Auf wen oder was freuen Sie sich am meisten?
Aogo: Ich freue mich auf Paul Nebel von Mainz 05, auch wenn der noch nicht allzu vielen etwas sagt. Ich bin gespannt, ob Youssoufa Moukoko beim BVB sein Debüt haben wird. Und ansonsten bin ich sehr gespannt auf meinen Ex-Verein Schalke 04. Ich bin überzeugt davon, dass sie einen schwierigen Start haben werden. Aber ich glaube, dass sie am Ende besser stehen, als viele prognostizieren. Sie können ein „Wir-gegen-Euch“-Gefühl entwickeln. Ich sehe sie nicht als Krisen-Club und Abstiegskandidat.
Sondern wen?
Aogo: Die Aufsteiger Stuttgart und Bielefeld. Und Union, Freiburg oder Köln zum Beispiel.

Vor wenigen Monaten war Dennis Aogo bei „Markus Lanz“ zu Gast. Dort sprach der Ex-Hamburger u. a. über seine Erfahrungen mit Rassismus:

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