"Das Internet ist ein Geschenk für uns!"

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Bayern Münchens Online-Chef Stefan Mennerich.

München - Das Internet wird jetzt rot und weiß! In ein paar Wochen soll es eine interaktive Verbindung zwischen dem FC Bayern und seinen Fans geben. FCB-Online-Chef Stefan Mennerich erklärt, worum es gehen soll.

Das Internet wird jetzt rot und weiß! Der FC Bayern stößt dieses Jahr in die nächste Dimension vor, in ein paar Wochen soll es eine interaktive Verbindung zwischen dem Klub und seinen Fans geben. Wo sich die Anhänger bislang über (das blau gestaltete…) Facebook austauschten, gibt es bald die knallrote FCB-Plattform. Der Rekordmeister wird damit mal wieder Vorreiter und verbessert seine Ausnahmestellung im Online-Bereich.

Wie diese bislang aussieht, und wie der neue Auftritt im Detail funktioniert, erklärt Bayerns Online-Chef Stefan Mennerich im Interview mit der tz.

Herr Mennerich, sprechen wir über Bayern-Book – oder wie nennen Sie Ihr neuestes Online-Projekt?

Mennerich: Im Moment heißt es noch MyFCB. Es kann sein, dass es dabei bleibt, sicher ist es aber nicht. Dahinter steckt, dass wir damit die gelebte Gegenwart abbilden, das Web 2.0. Eine Plattform, eine Community für die Fans des FC Bayern.

Dann erklären Sie mal, ich denke spontan nur an Facebook.

Mennerich: Auch zu Recht, es hat viele Funktionaliäten, die Facebook ähnlich sind. Geplant ist, dass die Leute miteinander chatten können, in Einzelräumen, aber auch in Gruppen. Drei, vier, sechs, sieben Leute – eben so viele, wie sich gegenseitig einladen. Dann ist es möglich, seine eigene Freundesliste zu erstellen, sodass gewisse Nachrichten nur die Leute sehen, die eingestellt sind. Man soll seine Mitteilungen teilen können, Gruppen bilden, eben alles, was man von Social-Media-Plattformen kennt.

Wie ist denn der Grundaufbau? Hat man als Fan seine eigene Seite?

Hier finden Sie unsere FC-Bayern-News bei Facebook

Mennerich: Genau, das ist ein wichtiger Aspekt. Denn es ist einer der Vorteile für die Bayern-Fans, dass sie ihre eigene Startseite konfigurieren können. Wenn sich zum Beispiel jemand mehr für FCB-TV interessiert, wird er ständig das FCB-TV-Video auf seiner Startseite haben, er wird dort seine Freundesliste haben, wenn er Lust hat, und vielleicht unsere Topartikel angezeigt bekommen. Alles ganz wie er möchte. Ein anderer hat dafür vielleicht das tägliche Merchandising-Angebot, den Spielbericht vom letzten Spieltag oder etwas anderes. Jeder wie er möchte – daher MyFCB.

Man kann also sagen, die Online-Angebote des FC Bayern laufen auf einer Seite zusammen, je nach eigener Gewichtung. Wird diese Seite etwas kosten?

Mennerich: Nein. Es gibt Zusatzdienste, die wird es beim Start aber noch nicht geben.

Was versprechen Sie sich in der Online-Abteilung des FC Bayern von dieser Plattform?

Mennerich: Ziel ist es, die Bayern-Fans aus der Anonymität herauszuholen. Denn die Anonymität im Netz führt auch zu Problemen! Viele posten Dinge, die sie so nicht posten würden, wenn sie dabei ihre Identität preisgeben. Diese Beleidigungen usw. wollen wir vermeiden.

Und weiter?

Mennerich: Außerdem wollen wir mehr über unsere Fans erfahren. Wenn Sie sich auf unserer Plattform austauschen, dann merken wir auch schneller, was sie denken, was sie sich wünschen, wo der Schuh drückt. Wir wollen damit den Nutzen für die Fans erhöhen.

Ein Beobachten der Szene und gleichzeitiges Moderieren?

Mennerich: Absolut. Wir werden dabei Leute haben, die ständig antworten und interagieren. Wann immer etwas unter der Gürtellinie passiert, rassistisch, sexistisch, beleidigend ist, wird es gelöscht!

Aber Kritik muss noch möglich sein, oder?

Mennerich: Ja, das zeigt ja auch schon, wie wir auf unserer Facebook-Seite agieren. Wenn jemand nach einem Spiel schreibt: Das war schlecht, das war großer Mist, oder das war sch… – das löschen wir nicht. Damit müssen wir leben. Auch wenn die Fans hier irgendwelche Protagonisten kritisieren, dann ist das so. Aber beleidigen oder Gewalt verherrlichen – dann greifen wir ein.

Was macht die bestehende Facebook-Community?

Mennerich: Sie wird in der neuen aufgehen. Wir nehmen den Usern aber nichts weg, die bisherigen Foren werden herübertransportiert.

Es heißt, so etwas gibt es bislang in Deutschland nicht.

Mennerich: Das wird eine absolute Neuheit, ja.

Wann ist der Startpunkt?

Mennerich: Spätestens Anfang März.

Wie viel Manpower investieren Sie in dieses Projekt?

Mennerich: Wir haben ein Team von acht Moderatoren, das sich aus Fankreisen rekrutiert. Von denen ist immer einer online, überwacht die Diskussionen von zu Hause aus. Bei uns intern gibt es zudem ein Team von vier Leuten, und die Agentur apareo baut die Plattform.

Von Apareo kommt man schnell auf App. Wird es MyFCB auch für unterwegs auf dem Smartphone geben?

Mennerich: Ja, das ist geplant.

Das klingt alles nach viel Arbeit. Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, sich als Bundesligaverein ansprechend im Internet zu präsentieren?

Mennerich: Ich sage, dass es überhaupt keine Alternative mehr dazu gibt. Alle Fußballklubs, einschließlich Real Madrid, Manchester United und auch der FC Bayern, sind Mittelständler, die lokal agieren. Sie alle haben aber landesweit, sogar weltweit eine Fanbasis. Und diese Lücke zwischen aktivem Umfeld und weltweiter Bekanntheit gilt es zu schließen. Das ist entscheidend, und das Internet ist das Medium, das uns dazu geschenkt wurde.

Wie viele Menschen erreichen Sie damit denn?

Mennerich: Weltweit? Pro Monat etwa fünf Millionen verschiedene Menschen. Wir machen die Hälfte unserer Endverbraucherumsätze im Merchandising über unseren Onlineshop. Pro Monat sind es mehr als 1,5 Millionen Euro Umsatz online, das ist nur möglich, wenn die Website groß ist. Unser FCB.TV transportiert den FC Bayern in die ganze Welt, auch unser Ticketing läuft über das Internet sehr gut.

Was kann dann noch die neue Plattform leisten?

Mennerich: Sie kann uns Wissen bringen über unsere Fans. Wer hat welche Interessen? Unsere Newsletter werden segmentiert, nach Mann, Frau, jung, alt, Südkurve, Business-Seat usw.

Klingt nach Ausspionieren. Glauben Sie nicht, dass das abschrecken kann?

Mennerich: Es darf natürlich eines nicht passieren: Wir dürfen die Menschen nicht nerven, auf keinen Fall! Wir müssen supersensibel mit den Informationen umgehen.

Heißt: Es werden definitiv Informationen gesammelt.

Mennerich: Natürlich. Aber es ist viel, viel besser, dass sie von uns gesammelt werden als von Facebook. Darum geht es. Denn wir wissen, wie wir mit dem Datenschutz umzugehen haben. Wir unterliegen in Deutschland strengen Regeln. Und der FC Bayern kann es sich definitiv nicht leisten, nur ein einziges Mal Probleme mit dem Datenschutz zu kriegen. Die Schlagzeilen könnte ich mir bei euch oder der Bild-Zeitung schon vorstellen: „Bayern spioniert den Zwölfjährigen aus!“ Das wird nie passieren.

Steht man, was die Internetpräsenz angeht, in Konkurrenz zu anderen Klubs in Deutschland?

Mennerich: Ich finde nicht. Wir haben in dieser Hinsicht auch ein gutes Auskommen mit anderen Vereinen. Erst vor Kurzem haben wir bei der DFL eine Arbeitsgruppe gegründet, die ClubMedia. Das habe ich mitinitiiert, weil ich der Meinung bin: Kein Dortmundfan wird Bayernfan, nur weil Bayern unter Umständen die bessere Website hat – oder umgekehrt.

Wie oft wird Ihre Seite denn pro Tag angeglickt?

Mennerich: Im Monat haben wir 120 Millionen Hits, also Seitenabrufe.

Wo steht der FC Bayern mit diesen Zahlen?

Mennerich: Wir sind mit diesen 120 Millionen Hits die größte Klub-Website der Welt. Bei Facebook sind wir kleiner als Barcelona und Manchester, und zwar deutlich. aber von der Homepage her sind wir die Nummer eins.

Kann man sagen, von wo die Menschen fcb.de anklicken?

Mennerich: Absolut. Ich sage Ihnen was: Auf Facebook ist die Stadt mit den zweitmeisten Besuchern hinter München Jakarta. Indonesien ist auch das zweitstärkste Land hinter Deutschland. Das sind Sachen, auf die wären wir natürlich so nie gekommen. Wir betreiben also auch Marktforschung mit unserem Internetauftritt.

Also spielt hier bald ein indonesischer Spieler…

Mennerich: So weit haben wir noch nicht gesprochen (lacht). Aber es ist interessant zu wissen, dass da ein Markt ist. Das war uns nicht klar.

Interview: Michael Knippenkötter

Quelle: tz

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