Beckenbauer: "Klopp kann ich mir sehr gut vorstellen"

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Ein Trainer nach Geschmack des Kaisers: Franz Beckenbauer hat mit Jürgen Klopp einst gemeinsam bei Johannes B. Kerner gespeist

München - Im tz-Interview spricht Franz Beckenbauer über die Abhängigkeit des FC Bayern von Arjen Robben und Franck Ribéry, über Uli Hoeneß und über Jürgen Klopp.

Wird bei den Bayern jetzt doch noch alles gut? Mit der Rückkehr des Duos Robbéry begeistert die Mannschaft von Louis van Gaal wieder. In der tz spricht sky-Experte Franz Beckenbauer über die herausragenden Einzelkönner, die Abhängigkeit der Bayern von Robben und Ribéry sowie über die Rolle von Uli Hoeneß – und Dortmunds Jürgen Klopp…

Wie sehr freut sich Franz Beckenbauer, einer, der alles im Fußball erlebt hat, über die Robben-Rückkehr?

Franz ­Beckenbauer: Wir sind alle froh, wir haben auf Arjen Robben sehnlich gewartet. Ribéry und Robben, das sind einfach die beiden, die den Unterschied ausmachen. Davor braucht man die Augen nicht zu verschließen.

Ist es Ihnen zu viel Robbéry beim FC Bayern?

Beckenbauer: Nein, ich sehe die beiden ja gerne. Und am liebsten, wenn sie beide auf dem Feld sind. Wenn nur einer spielt, kann sich der Gegner oft gut auf ihn einstellen. Wenn du zwei solche Waffen hast, wird es schon schwieriger. Dann ist Bayern unberechenbar.

Sind die Bayern nicht zu sehr abhängig von den beiden Einzelkönnern?

Beckenbauer: Wenn du eine bestimmte Klasse erreichen willst, dann brauchst du solche Spieler. Dann machen die Messis, die Ronaldos den Unterschied. Und da gehören Robben und Ribéry auch dazu. Sie machen aus einer guten Mannschaft eine sehr gute. Alle großen Klubs sind von einzelnen Spielern dieses Kalibers abhängig, das ist doch keine Schande.

Fehlt ohne Robben und Ribéry die Spielidee?

Beckenbauer: Ich will es so sagen: Beide, Robben und Ribéry, passen nicht ganz so in das Idealschema von Louis van Gaal. Er legt ja großen Wert auf das Positionsspiel, auf das Passspiel. Er fordert schematisches Agieren. Dafür sind Robben und Ribéry eher nicht zu gebrauchen. Es hört sich komisch an, aber beide passen da eigentlich nicht rein – und machen gerade deswegen den Unterschied aus.

Steht ein fitter Robben auf einer Stufe mit Messi?

Beckenbauer: Ja, er gehört zu dieser absoluten Weltklasse, zu den besten Spielern, die es gibt. Aber ich würde da Robben nicht über Ribéry ansiedeln, beide stehen auf einer Stufe und gehören zu dieser Kategorie.

Alles spricht von Robbéry. Welche Gefahr spielt Neid in einer Mannschaft voller Stars?

Beckenbauer: Der Neidfaktor geht gegen null, da die anderen von ihnen profitieren. Das war bei mir so, das war bei Gerd Müller so. Der Gerd hat einfach die Tore geschossen. Da war es eher das Gegenteil: Wir haben dafür gesorgt, dass es ihm gut geht! Dass man dem anderen den Erfolg oder die Schlagzeilen nicht gönnt, so etwas kenne ich nicht. Jeder sollte froh sein, wenn die beiden da sind.

Gegen Hoffenheim wurde Robben hart attackiert. Muss er mehr geschützt werden?

Beckenbauer: Ach, nein. Das ist übertrieben. Manchmal provozieren die Spieler Fouls auch selbst, gerade vor heimischen Publikum. Ich würde sagen, dass die Spieler genug geschützt sind. Ich kann diese Diskussion nicht mehr hören. Früher, als man noch wirklich von hinten die Attacke gesucht hat, waren teilweise brutale Fouls dabei. Heute? Fußball ist auch Zweikampf, da gehört es dazu, dass es mal kracht.

Gibt es diese Saison noch ein Happy End mit dem eingenwilligen van Gaal?

Beckenbauer: Ich hoffe es. Louis hat der Mannschaft seinen Stempel aufgedrückt. Die Mannschaft spielt jetzt so, wie er es sich vorstellt – eben mit diesen zwei Individualisten, die man braucht.

Die größten Unruhen scheinen überstanden zu sein.

Beckenbauer: Weil die Mannschaft gut spielt – und erfolgreich! Dank Robben und Ribéry lebt ja auch ein Müller, ein Schweinsteiger auf. Da hat man plötzlich viel mehr Möglichkeiten.

Wie lange hält der Waffenstillstand zwischen Uli Hoeneß und van Gaal?

Beckenbauer: Es geht immer um den Erfolg, das ist klar. Wenn der nicht vorhanden ist, gibt es Kritik. Jeder der beiden hat seine Position. Natürlich ist es für Uli schwierig, nach so langer Zeit nicht mehr in die Entscheidungen eingebunden zu sein.

Geben Sie Hoeneß persönlich Ratschläge?

Beckenbauer: Immer, wenn wir zusammen sind, wird dieses Thema angesprochen. Aber das weiß er mittlerweile. Es ist für ihn einfach eher schwierig, sich zurückzuhalten.

 

 

Hoeneß hat zuletzt zugegeben, dass man sich mit Jürgen Klopp einig war. Ist seine Verpflichtung nur aufgeschoben?

Beckenbauer: Er macht das super in Dortmund, da passt alles zusammen. Das ist eine Einheit, besser geht es nicht.

Kann er Louis van Gaal eines Tages beerben?

Beckenbauer: Das weiß ich nicht. Es steht außer Frage, dass er einer der besten Trainer ist, die wir in Deutschland haben. Dass er sich irgendwann weiterorientieren will, den nächsten Schritt machen will, kann ich mir sehr gut vorstellen.

Interview: Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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