Augenhöhe? Lange ist's her...

Wie Bayern den Ex-Rivalen Gladbach abhängte

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Auf der Überhilspur: Franck Ribéry lässt seine Gladbacher Kontrahenten stehen.

München - Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern: Was in den Siebzigern noch ein Klassiker um den Titel war, entwickelte sich immer mehr zum Duell Underdog gegen Favoriten.

Wenn der FC Bayern am Freitagabend bei Borussia Mönchengladbach antritt (20.30 Uhr, im Live-Ticker), dürfen sich die Zuschauer auf ein Spitzenspiel freuen. 54.000 Besucher im Borussia-Park sind gespannt, ob Gladbach dem seit 41 Spielen ungeschlagenen FCB ein Bein stellen kann. Was in den Siebziger-Jahren noch ein Klassiker um den Titel war, entwickelte sich immer mehr zum Duell Underdog gegen Favoriten. Während der FC Bayern zum Rekordmeister aufstieg (23 Titel), musste Gladbach sogar zweimal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten (1999 und 2007). Die tz hat sich auf Spurensuche gemacht, die Entwicklung beider Vereine verglichen und mit Gladbachs Rekordspieler Berti Vogts sowie dem ehemaligen Borussia- und FC-Bayern-Spieler Lothar Matthäus über Gründe der konträren Wege gesprochen.

„Die Borussia ist ein Verein, der immer top geführt wurde und wirtschaftlich gesund ist, aber einfach nicht die Möglichkeiten wie der FC Bayern hatte“, erinnert sich Matthäus gegenüber der tz. Nostalgische Fans werden sich noch erinnern. Beide Vereine stiegen 1965 in die Bundesliga auf – und brauchten nur drei Jahre, um diese zu dominieren. Zwischen 1969 und 1977 spielten die beiden Mannschaften die Meisterschaft unter sich aus. Die Rheinländer sammelten fünf Titel, die Bayern vier. Doch während die Roten dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewannen (1974-1976), scheiterten die Fohlen 1977 im Finale an Liverpool. Der Meistertitel im selben Jahr sollte bis heute der letzte der Borussia bleiben. „Wirtschaftliche Unterschiede gab es damals schon“, verrät Matthäus, der 1984 aus Gladbach nach München wechselte. Ende der Siebziger verließ Trainer Udo Lattek den Verein, wichtige Spieler wie Jupp Heynckes, Berti Vogts und Rainer Bonhof gingen ebenfalls oder beendeten ihre Karriere. Der FCB verpflichtete Pál Csernai als Coach, wurde nach fünf titellosen Jahren 1980 wieder Deutscher Meister.

Doch für Vogts war nicht das Personal entscheidend. „Bayern München und die Borussia haben sich auseinanderentwickelt, als der FC Bayern das Olympiastadion geschenkt bekommen hat“, so Vogts gegenüber der tz. Plötzlich hatten die Roten nach dem Umzug aus dem Grünwalder im Olympiastadion eine Heimat für rund 70.000 Zuschauer – doppelt so groß wie der Bökelberg. Und das zu einer Zeit, in der die Kartenverkäufe mehr als die Hälfte der Einnahmen der Vereine ausmachte. „Man darf nicht vergessen, dass Mönchengladbach eine Stadt mit knapp 250.000 Einwohnern und ohne unterstützende Industrie ist. Damit musste der Verein ins Hintertreffen geraten, als das Geld zunehmend eine Rolle spielte“, so Vogts. Die Borussia verlor den Konkurrenten aus dem Auge. Der FCB etablierte sich im europäischen Spitzenfußball, Mönchengladbach im Mittelfeld der Bundesliga. Als der FCB 2001 zum dritten Mal in Folge Meister wurde, schaffte Mönchengladbach nach zwei Jahren in der zweiten Liga gerade wieder den Aufstieg. Doch die Borussia ist auf einem guten Weg. Nach Platz vier in der Saison 2011/2012 ist auch in dieser Spielzeit die Qualifikation für die europäische Bühne in greifbarer Nähe.

sw

Quelle: tz

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