Risiko birgt Chancen

Ancelotti weg - Steht jetzt plötzlich Früchtl im Tor?

Nach den durchwachsenen Leistungen von Sven Ulreich könnte Christian Früchtl eine Option bei den Profis werden. Foto: MIS

Nachdem der FC Bayern München und Carlo Ancelotti getrennte Wege gehen und Neuer-Vertreter Sven Ulreich in den vergangen Spielen nicht die beste Figur machte, könnte die Stunde von Youngster Christian Früchtl geschlagen haben.

München - Die Verletzung von Manuel Neuer war ein Schock für den FC Bayern. Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres brach sich der mehrfache Welttorhüter den Fuß und hinterließ damit in München ein leeres Tor. Diese Lücke versuchte Sven Ulreich in den vergangegen Wochen zu füllen. Mit dem bundesligaerprobten Ex-Stuttgarter glaubten die Bayern-Bosse, einen erfahrenen Schlussmann zur Verfügung zu haben.

Doch Ulreich tat sich schwer, das Vakuum auszufüllen, das Neuer hinterlassen hatte. In seiner Präsenz im Torwartspiel ist der deutsche Nationalkeeper seinem Vertreter Ulreich um Einiges vorraus. Dazu zeigte der 29-Jährige immer wieder Patzer. Im vergangenen Bundesligaspiel gegen Wolfsburg brachte er den VfL mit dem Fehler zum 1:2 wieder zurück ins Spiel. Am Ende musste er sich eine Teilschuld am Remis vorwerfen lassen. 

Auch im Champions-League-Kracher gegen Paris St. Germain war Ulreich nicht der gewünschte Rückhalt. Bei den Gegentoren eins und zwei machte der Torhüter zwar keinen klaren Fehler, doch glücklich sah er auch nicht aus. Nach dem Spiel wurde er von den TV-Experten Oliver Kahn und Lothar Matthäus hart kritisiert. 

Christian Früchtl wäre die Zukunft

Die Rolle von Sven Ulreich scheint auch auf Seiten des FCBs nicht unumstritten. Bereits vor dem Spiel gegen Paris nominierten die Münchner Routinier Tom Starke für die Champions League nach - als Vorsichtsmaßnahme. Der ist eigentlich bereits im Ruhestand und kümmert sich um die Nachwuchsarbeit der Bayern. 

Das Transferfenster ist momentan geschlossen, der Rekordmeister kann keinen neuen Torhüter verpflichten. Und das, obwohl Manuel Neuer noch mindestens bis Jahresende ausfallen wird und bestenfalls in der Rückrunde wieder den Kasten der Bayern hüten kann. 

Neben Starke drängt sich für die Münchner nun noch eine andere Option auf. Christian Früchtl ist Keeper der Reservemannschaft und mit seinen 17-Jahren eines der größten deutschen Talente auf seiner Position. Nach der Trainerentlassung von Ancelotti und den anhaltenden Unsicherheiten Ulreichs, könnte nun die große Stunde des Junioren-Nationalkeepers geschlagen haben.

Früchtl spielt seit der Saison 2015/16 für den FC Bayern München. Gleich in seiner ersten Spielzeit durfte er als 15-Jähriger mit ins Trainingslager der Profis nach Katar. Der damalige Coach Pep Guardiola ließ den 1,93 Meter großen Keeper Profi-Luft schnuppern.

Mit 17 Jahren schon Stammkeeper der U23

Früchtl ist jung und für sein Alter bereits sehr reif. In der vergangenen Saison spielte er sowohl in der U19 wie auch in der U17 der Roten. Bevor er sich im Frühling ein Syndesmosebandriss zuzog, hielt er für die A-Jugend in fünf von sieben Spielen den Kasten sauber. In der U17 war er in der Hinrunde ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Deutschen B-Junioren-Meisterschaft im Sommer.

Diese Leistungen führten dazu, dass mittlerweile auch in der Regionalliga auf den gebürtigen Bayer gebaut wird, obwohl ältere Konkurrenten zur Verfügung stehen würden. Unter Trainer Tim Walter ist er bei der Reserve inzwischen die neue Nummer eins vor Leo Weinkauf. Auch bei den Profis kam Früchtl schon in Testspielen zum Einsatz. Beim Internationalen Champions-Cup auf der Asientour der Roten vor Saisonbeginn stand Früchtl bei der 0:4-Pleite gegen den AC Mailand in der Startformation.

Seine Leistungen sind auch den Oberen in München nicht verborgen geblieben. Die U17-WM musste Früchtl absagen, da er neben Ulreich als Neuer-Ersatz gebraucht wird. Ein eindeutiger Vertrauensbeweis der Verantwortlichen.

Milans Donnarumma als Vorbild

Momentan sind die Chancen von Früchtl auf ein Proifidebüt schwer zu berechnen. Vieles hängt davon ab, welchen Trainer der FCB nun holt. Ein Name, der immer wieder gehandelt wird, ist Thomas Tuchel. Der Ex-Mainzer und Dortmunder hat den Ruf, auf junge Spieler zu bauen und auch auf der Torwartposition nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückzuschrecken. Beim BVB war es Tuchel, der Weltmeister Weidenfeller durch Roman Bürki ersetze. Bei Mainz gab er dem jungen Loris Karius einst den Vorzug vor Heinz Müller. 

Die Verletzung von Manuel Neuer kann auch eine Chance für den Rekordmeister sein. Nach Jahren der Neuerschen Dominanz hat der Verein nun die Möglichkeit, einen Nachfolger wie Früchtl zu testen und weiter zu entwickeln. Zwar ist es natürlich ein Riskio, einen 17-Jährigen ins Tor zu stellen, doch es könnte auch eine Chance sein. Spieler wie Gianluigi Donnarumma vom AC Mailand, der mit 18 Jahren schon Nationalspieler ist und mehr als 70 Serie-A-Spiele auf dem Buckel hat, haben bewiesen, dass man auch schon in jungen Jahren das Tor eines europäischen Topklubs erfolgreich hüten kann.

Früchtl könnte sich also auf hohem Niveau beweisen, bis Weltmeister Neuer wieder gesund ist. Sein Vertrag läuft noch bis kommenden Sommer. Weist er auch bei den Profis seine Klasse nach, wäre er ein Kandidat für die Nachfolge von Neuer. Der 31-Jährige wird zwar sicherlich noch mindestens vier Jahre oder länger auf hohem Niveau spielen können, aber Früchtl würde sich sicherlich auf eine Vertragsverlängerung oder Leihe einlassen, wenn ihm in einigen Jahren die Nummer eins beim Rekordmeister winkt. 

Text: Michael Gruber und Jonathan Balzer

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bastian Schweinsteiger wird Filmstar: Til Schweiger dreht Doku über den Weltmeister
Bastian Schweinsteiger wird Filmstar: Til Schweiger dreht Doku über den Weltmeister
Unschlagbare Bayern? Hitzfeld sieht auf Jahre schwarz für die Konkurrenz
Unschlagbare Bayern? Hitzfeld sieht auf Jahre schwarz für die Konkurrenz
Bastian Schweinsteiger: Uli Hoeneß mit emotionaler Anekdote - „Da hat es mich vom Bett rausgehauen“
Bastian Schweinsteiger: Uli Hoeneß mit emotionaler Anekdote - „Da hat es mich vom Bett rausgehauen“
Meister in der 3. Liga: FC Bayern München schreibt Geschichte
Meister in der 3. Liga: FC Bayern München schreibt Geschichte

Kommentare