Das traurige Ende einer Ära

- Ottobrunn (mm) - Fast auf den Tag genau sieben Jahre nach ihrem Aufstieg in die Eishockey-Bayernliga müssen Ottobrunns Eishockey-Spieler den bitteren Weg zurück in die Landesliga antreten. Die Verteidigung war zu instabil, im Sturm zumeist nichts los. Gründe für den Abstieg gibt es viele.

Zum einen wäre da die Stärke der Bayernliga zu nennen, die mit jener Liga, in welche der ERSC einst aufgestiegen ist, abgesehen vom Namen nicht mehr viel gemeinsam hat. Vereine wie Landsberg, Erding, Waldkraiburg, Pfaffenhofen oder Geretsried beschäftigen einen Kader, der fast jedem Oberliga-Verein gut anstünde. Die Bedingungen punkto Umfeld und Organisation sind dort ebenso professionell wie die Einstellung der Cracks. Die Zuschauer honorieren das mit großer und zumeist stimmungsvoller Kulisse, die ihrerseits wieder Sponsoren anlockt.

Und seit sich die Oberliga für viele Vereine immer mehr zum existenzbedrohenden Groschengrab entwickelt, wird die Bayernliga für viele Vereine sportlich wie wirtschaftlich noch attraktiver. Mit dem Aufstieg der Traditionsvereine Deggendorf und Memmingen und der mit aller Macht angestrebten Relegation des Höchstadter EC aus der Oberliga wird dieser Trend fortgeschrieben. Diese Entwicklung ist völlig am ERSC vorbeigelaufen. Der Kleinverein vom Haidgraben konnte und wollte sich nie von seinem strikten Amateurstatus trennen und ging auch keine wirtschaftlichen Risiken ein.

Der Abstieg als logische Folge Ein schmales Budget und ein vergleichsweise bescheidener, aber sympathischer Kader waren die Konsequenz dieser Politik. Der sportliche Abstieg musste die logische Folge sein. Mit einer verkappten Regionalliga wäre der ERSC Ottobrunn in punkto Organisation und Infrastruktur schlicht überfordert, und das gelegentlich verregnete Ottobrunner Freieis-Stadion bietet auch keine nennenswerten Anreize für Zuschaueraufmärsche. Mit weniger als 100 Fans pro Spiel hatte Ottobrunn von allen Bayernliga-Vereinen stets die geringste Resonanz in der Öffentlichkeit. Das wirtschaftliche Scheitern wäre in naher Zukunft geradezu vorprogrammiert gewesen. Zum andern hat die Mannschaft schlicht zuviel Substanz verloren, die Abgänge der letzten Saison konnten qualitativ nie kompensiert werden. Goalgetter wie Mike Reimer oder Peter Knechtl waren in Ottobrunn ohnehin selten, ihr Weggang brach dem ERSC-Sturm letztlich das Genick.

Auch die häufigen Trainerwechsel hinterließen ihre Spuren. Die Mannschaft fand kaum je ihren Rhythmus und wirkte über weite Strecken verunsichert, ja fast gelähmt. Ein Spielsystem fehlte sichtlich, die Spieler wirkten oft orientierungslos. Auch der legendäre, einstmals so gefürchtete Kampfgeist der Igel schien phasenweise völlig abhanden gekommen.

Dennoch darf die Mannschaft um Kapitän Patrick Gerber mit hoch erhobenem Haupt vom Eis gehen. Sie hat über sieben Jahre den Ottobrunnern tolles Eishockey beschert. Die Spiele gegen Schweinfurt, Höchstadt, Waldkraiburg, Geretsried und Landsberg, vor allem aber das packende Derby gegen die Starbulls Rosenheim, als man dem nachmaligen Aufsteiger vor der Rekordkulisse von 360 Fans einen Punkt entriss, bleiben unvergessen. In dieser Zeit ist im ERSC auch wieder eine viel versprechende Nachwuchsgarde herangewachsen, deren Integration in die erste Mannschaft jetzt ansteht. Mit dem neuen Mann an der Bande, Ex-Nationalspieler Martin Hinterstocker, steht wohl der richtige Fachmann für diese Aufgabe zur Verfügung. Allerdings: Die nächste Spielzeit wird hart, denn die Landesliga ist sportlich ausgesprochen stark.

Auch interessant:

Kommentare