Das Eishockey-Interview, das Russland beschäftigt

Das Eishockey-Interview, das Russland beschäftigt

Das Eishockey-Interview, das Russland beschäftigt
NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt

NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt

NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt

Reindl: „Ich freue mich aufs Leuchten in den Augen der Spieler“

+
Bereit, um IIHF-Präsident zu werden? Franz Reindl wartet noch ab. 

Franz Reindl aus Garmisch-Partenkirchen ist selten zu Hause um diese Jahreszeit. Das liegt am Eishockey und an den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften. Neunmal war er, beginnend Mitte der 70er-Jahre, als Spieler bei einer WM, viel öfter in diversen anderen Funktionen, als Scout, Co-Trainer, Sportdirektor, Generalsekretär, Organisator (2001, 2010, 2017). Mittlerweile ist der 64-Jährige Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, und ihm werden Ambitionen nachgesagt, im kommenden Jahr den dann abtretenden Schweizer Rene Fasel als Präsident des Weltverbandes IIHF abzulösen.

Franz Reindl, in welchem Jahr waren Sie zuletzt nicht bei einer WM?

Ich glaube mich zu erinnern, dass . . . Nein, ich kann mich gar nicht erinnern. Es muss in den Jahren gewesen sein, als ich nach meiner Spielerzeit Manager beim SC Riessersee war.

1988 bis 1991.

Ja, die Turniere 1989 und 90 fehlen mir. 1991 war ich schon wieder dabei, als Beobachter für den DEB.

Haben Sie nun in der Slowakei ein DEB- oder IIHF-Programm?

Ich bin bis 19. Mai in Kosice und ab dem 20. Mai, da ich auch Council-Mitglied der IIHF bin, in Bratislava. Ich sehe also unser Spiel gegen die USA noch, das letzte in der Vorrunde gegen Finnland dann nicht mehr. Ich werde mir in Kosice jedes Spiel anschauen und für die IIHF die Schiedsrichter und die organisatorischen Abläufe beobachten. Als DEB-Präsident versuche ich, den Kontakt zu unserer Mannschaft zu halten und da zu sein, wenn man mich braucht, falls es nicht läuft. Wenn es läuft, ist man eh überflüssig. Und natürlich bin ich auch als Eishockey-Fan vor Ort.

Familientreffen WM?

Man sieht oft die Gleichen, aber auch immer neue Leute. Es ist ein Treffen des Eishockeysports. National, international. Man erkennt, dass die WM immer weiter wächst. Der Zeitpunkt im Mai war früher verpönt, jetzt ist er angenommen, auch von den Zuschauern. Es ist das Saisonende-Festival.

Aber jedes Jahr – muss das sein, führt das nicht zur Übersättigung?

Dadurch, dass es bei uns im Eishockey keine Europameisterschaft gibt und keine Qualifikationsspiele, ist es auch okay, dass die Weltmeisterschaften jedes Jahr stattfinden. Ich fahre gerne hin, weil man die Entwicklung verfolgen kann. Du siehst, was sich tut: Dominiert das defensive Eishockey, sind mal wieder offensive Jahre angesagt, wird die Trap gespielt oder die Scheibe reingeschossen und ihr hinterhergejagt? Die Entwicklung liegt extrem klar vor deinen Augen.

So spät wie jetzt begann die WM noch nie. Ist es eine Verbeugung vor der National Hockey League, damit die nach Ende ihres Playoff-Viertelfinals mehr Spieler schicken kann?

Im Gegenteil. Die Kanadier und Amerikaner, die die meisten NHL-Spieler haben, hätten einen früheren Termin lieber, weil ihre ausgeschiedenen NHL-Spieler nicht so lange warten müssen. Es liegt in erster Linie an der Koordination der europäischen Ligen – ich bin ja Coordination Chairman –, man muss alle Bedürfnisse unter einen Hut bringen. Das geht nur, indem man später beginnt. Heuer ist es extrem, nächstes Jahr gehen wir schon wieder ein bisschen zurück. Die kommenden drei, vier Jahre bleibt es aber im Mai.

Auf wen freut sich der Eishockey-Fan Reindl in der Slowakei? Es kommen viele große Stars.

Ich freue mich auf unsere deutschen Spieler, auf die gesamte Mannschaft. Ich hatte in der Vorbereitung so viel Freude daran, ihre läuferischen Qualitäten zu sehen, die technischen, die Einstellung und Emotion, das Leuchten in den Augen der jungen Spieler. Ich hoffe, dass wir auch das nötige Glück zum Erfolg haben.

Erfolg wäre . . .

Meine Definition für Erfolg ist frühzeitige Qualifikation für Olympia 2022. Die können wir schaffen, wir sind Achter und müssen es in der Weltrangliste nach der WM bleiben. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, was sehr schwer ist, wäre es einfacher. Doch man kann auch Top Acht bleiben, ohne das Viertelfinale zu erreichen, das hängt halt auch von den anderen Nationen wie Norwegen ab. Aber Olympia brächte uns so viel: Wir könnten in Ruhe und ohne Stress den Umbruch der Nationalmannschaft unter Trainer Toni Söderholm gestalten. Den Kampf um Olympia über die Qualifikation hatten wir einmal, als Tom Kühnhackl un s in Lettland dann zum Turnier geschossen hat – diese nervliche Belastung brauchen wir aber nicht noch einmal.

Wie machen sich aus Sicht des DEB-Präsidenten die nun in der Verantwortung stehenden Toni Söderholm als Bundestrainer und Stefan Schaidnagel als Sportdirektor mit Generalverantwortung?

Die beiden arbeiten super zusammen. Toni hat einen klaren Blick, Spaß bei der Arbeit und ist Fachmann genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Er macht es unaufgeregt und jammert nicht. Er hat eine Crew um sich herum geformt, um bei einer WM bestehen zu können, hat sich mit seinem finnischen Landsmann Kari Jalonen (erfolgreich als Trainer in der Schweiz, d. Red.) auch noch einen Berater geholt, auch wenn der keine offizielle Funktion hat. Stefan Schaidnagel ist der Sportwissenschaftler, er öffnet Toni die Türen in die deutsche Sportwelt.

Die IIHF soll Pläne verfolgen, dass die Weltmeisterschaften in Zukunft auf der kleineren, um vier Meter engeren Eisfläche gespielt werden, also nach den Maßen der NHL. Was ist dran am Umstieg von 60 mal 30 auf 60 mal 26 Meter?

Die Bestrebung ist da, Rene Fasel favorisiert das Modell. Aber es muss beschlossen werden.

Und – wird es das?

Es wird in Bratislava besprochen werden, aber die Meinungen dazu sind nicht so kompakt, es ist keine Schwarz-weiß-Geschichte. Die Spiele, die wir auf der kleineren Fläche hatten wie bei Olympia 2010 in Vancouver, waren schön und attraktiv. Die Spitzenspieler haben die technische Qualität, um Partien auf der kleinen Fläche zum Spektakel zu machen, aber wenn man in Nordamerika in die unteren Klassen geht, ist das nicht so. Da ist der schwächere Spieler im Vorteil, weil er den schnelleren eher erwischt – und das Spiel wird hart. Doch eventuell hätte es Vorteile für die Infrastruktur. Auf einer nur 26 Meter breiten Fläche spart man 200 bis 240 Quadratmeter Eis ein. Mit der Folge, dass man weniger Raum umbauen muss und die Hallen billiger werden. Ökonomisch wäre das ein Vorteil und für die Nachwuchsarbeit kein Problem: Die kann man auch auf der kleineren Fläche durchziehen. Es gibt viele Pros, aber auch einige Kontras. Im internationalen Bereich könnte Eishockey in diese Richtung der kleineren Fläche gehen, eine Umsetzung wäre ab der WM 2022 oder 2023 möglich, die Hallen dafür werden ja erst gebaut.

Werden Sie übernächste Woche in Bratislava Ihren Hut für die Fasel-Nachfolge in den Ring werfen und Ihre Kandidatur ankündigen?

Ich bin ja jetzt schon viel unterwegs, höre mich um und bekomme im eigenen Land eigentlich nur zu hören: Das ist wichtig, das ist gut, mach das! Das ist ein Supergefühl, diese Unterstützung von DEL und DOSB zu haben. Der Reiz ist groß, ich fühle mich im internationalen Bereich sehr wohl und in der Familie gut aufgehoben. Aber ich bin noch nicht so weit, denn das ist ein großer Schritt. Die Wahlen sind im September 2020, da muss man noch nicht laut schreien und lieber erst mal die Stimmung bei den Verbänden einfangen. Man spürt, dass Rene Fasel ein Vakuum hinterlassen wird und es gefüllt werden muss. Es wird jemand benötigt, der das Eishockey ausbalanciert: Klein-Groß, Ost-West, NHL-Europa. Man muss sich sicher sein, dass man gewünscht ist und es auch drauf hat. Vorläufig trete ich wieder fürs Council an, da habe ich im Sportkomitee gute Verantwortung, alles andere warten wir ab.

Interview: Günter Klein

Quelle: Merkur.de

Auch interessant:

Kommentare