EHC München

Harte Landung im Alltag

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Zurück auf deutschem Eis: Die Münchner Flaake (l.) und Christensen im Duell mit Berlins Nationalspieler Noebels.

Berlin/München – Es kommt sehr selten vor, dass ein Co-Trainer in fremder Halle mit Applaus empfangen wird. Als Matt McIlvane, Assistent beim EHC München, gestern Abend aber aufs Eis der Mercedes-Benz Arena in Berlin trat, klatschten die Fans der Eisbären, der Hallensprecher sagte sogar den Namen des US-Amerikaners an.

Es sind eben außergewöhnliche Tage im deutschen Eishockey – und McIlvane hat seinen Teil dazu beigetragen. Wenige Tage vor den Olympischen Spiele berief ihn Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm in die Reisegruppe Pyeongchang, die mit Silber nach Deutschland zurückkehrte. „Das war eine unglaubliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde“, sagte McIlvane gestern bei „Telekomsport“.

Jetzt aber arbeitet er wieder für Don Jackson, den Cheftrainer des EHC München. Und es dürfte McIlvane daher trotz der frischen Erinnerungen aus Südkorea geärgert haben, dass sein Klub nur drei Tage nach dem olympischen Finale in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine 2:3 (0:1, 1:2, 1:0)-Niederlage in Berlin einstecken musste.

Sportlich ist die Pleite natürlich zu verschmerzen. Zwei Spiele vor Ende der regulären Saison führt der EHC die Liga vor Nürnberg an, mit sechs Punkten Vorsprung und der deutlich besseren Tordifferenz. Der Hauptrunden-Titel ist München nur noch theoretisch zu nehmen. Weil die sieben Nationalspieler aus München noch aussetzten, verstärkte der EHC sein Aufgebot mit Nachwuchsspielern – was McIlvane nicht davon abhielt, nach dem ersten Drittel Detailfehler zu bemängeln.

Es gab allerdings auch Szenen, in denen die Talente auf der DEL-Bühne auf sich aufmerksam machten. Der Stürmer Andreas Eder, ansonsten für den Münchner Kooperationspartner SC Riessersee im Einsatz, traf etwa zum zwischenzeitlichen 1:1 (22.).

Meistens kontrollierten die Eisbären aber die Partie. Immer wieder setzten sie sich im EHC-Drittel fest. Weil James Sheppard (17.), Mark Olver (35.) und Sean Backman (40.) diese Überlegenheit nutzten – Ryan Button verkürzte nur noch auf 2:3 (56.) –, streiten die Berliner, momentan Dritter, weiter mit Nürnberg um den zweiten Rang.

Neben dem Rangeln um die noch zu vergebenen Plätze für die Playoffs und Pre-Playoffs, die bereits am 7. März eröffnet werden, steht in den letzten Tagen der Hauptrunde ein weiterer Aspekt unter Beobachtung. Es wird sich andeuten, wie die olympische Eishockey-Euphorie sich auf den DEL-Alltag auswirkt. Zieht man die Zuschauerzahl in Berlin als erstes Messinstrument heran, ist das kurzfristige Ergebnis positiv zu bewerten. Alle 14 200 Karten verkauften die Eisbären für das Kräftemessen mit dem Meister. Im Schnitt kommen sonst rund 11 100 Zuschauer.

Gestern wollten die Berliner ihre drei Olympia-Helden Marcel Noebels, Jonas Müller und Frank Hördler empfangen. Diese Gelegenheit erhalten die Münchner Fans an diesem Sonntag. Im Heimspiel gegen Iserlohn werden die sieben Nationalspieler erstmals wieder mitmischen. Und auch Matt McIlvane darf sich auf den nächsten großen Empfang freuen.

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