Eishockey

Das Faible der Fußballer für das Spiel mit dem Puck

Münchens Viertelfinalgegner Bremerhaven wird von Max Kruse unterstützt - Welche Kick-Asse es sonst noch in die Eishallen zieht

Bremerhaven– 3:1 steht es in der Viertelfinalserie zwischen dem EHC München und den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven – wobei nur wenige Interessenten alle vier Partien live, also jeweils vor Ort, miterlebt haben dürften. Auf zwei Spiele, eines in München, eines in Bremerhaven kommt ein Fan, der selbst viel bekannter ist als die Akteure auf dem Eis: Max Kruse. Der Fußballprofi.

Der Stürmer des SV Werder Bremen ist eher Ex- als aktueller Nationalspieler, aber dank einiger boulevardesker Schlagzeilen (Pokergewinn im Taxi liegengelassen, missglückte Geburtstagsparty in Berlin – und vor einem Länderspiel in London mal angeblich Damenbesuch auf dem Zimmer gehabt) ein Begriff. In Bremen schreibt er wieder Geschichten von sportlicher Stärke – und vom Werder-Biotop aus ist es nicht weit nach Bremerhaven. Kruse fährt gerne hin, er ist Eishockey-Fan. Er kennt sich aus, wie er beim vierten Playoff-Match zwischen Bremerhaven und München am Mikrofon von Telekomsport bewies.

Er sprach auch offen von „Wir“. Und er verriet: Er hatte vergangene Woche einen trainingsfreien Tag bei Werder genutzt, um nach München zu fliegen und die Pinguins beim ersten Viertelfinale zu unterstützen. Mit dabei: Ersatztorwart Michael Zetterer, geboren und aufgewachsen in Oberbayern – und somit eishockeysozialisiert.

Irgendwie sind Fußball und Eishockey verwandt, um ein paar Ecken rum. Naturgemäß wissen in Deutschland alle Eishockeyspieler über den aktuellen Fußball Bescheid, man kann der flächendeckenden Berichterstattung kaum entkommen. Die Eishackler haben in der Jugend in der Regel auch im Verein gespielt – und wenn man sich für ein Eishockeymatch warmmacht, dann geschieht das noch immer im Fußballkreis; da müssen dann auch die Kanadier, die nicht so kickaffin sind, sich deutschen Gepflogenheiten unterordnen.

Seltener ist, dass das Interesse des Fußballs die Randsportart Eishockey streift. Es war schon außergewöhnlich, dass neulich in der Pressekonferenz zum Bundesligaspiel FC Bayern – Hertha BSC beide Trainer, Jupp Heynckes und Pal Dardai, um eine Stellungnahme zum Eishockey gebeten wurden. Aber klar: Es war vor dem Olympia-Finale in Pyeongchang, sensationellerweise mit der deutschen Mannschaft. Alle schauten drauf. Heynckes und Dardai kündigten an, deswegen stünden sie nicht am Sonntag um 5 Uhr morgens auf, ihnen genüge eine Zusammenfassung.

Als bei den Olympischen Spielen 2010 das Eishockey-Traumfinale Kanada – USA stieg, weilte die Fußball-Nationalmannschaft gerade in München. Per Mertesacker erzählte, dass alle sich in der Nacht das Duell der besten Profis gegeben hätten – er selbst war angetan von Geschwindigkeit und Intensität. In Philipp Lahm fand sich im gleichen Jahr auch ein Botschafter aus dem Fußball für die Eishockey-WM in Deutschland – Lahm hatte als Kind auf dem gelegentlich zugefrorenen Nymphenburger Kanal gespielt.

Das Eishockey fühlt sich geehrt über Besuche aus dem Fußball. Sie werden als gesellschaftliche Aufwertung verstanden – und sie bringen verlässlich eine Notiz in den Medien ein. Vor allem dort, wo um Aufmerksamkeit gerungen wird – wie in München.

Der EHC bekam gelegentlich Besuch von den Bayern. Mario Gomez pflegte eine Bekanntschaft und einen intellektuellen Austausch mit dem langjährigen Münchner Verteidiger Felix Petermann. Dass Gomez bei Red Bull einen privaten Werbevertrag hatte, mag die Verbindung gefestigt haben. Es gibt ein Foto: Gomez in Markenjacke auf der Tribüne am Oberwiesenfeld. Auch Bastian und Tobias Schweinsteiger zählten zur EHC-Kundschaft, der ältere und reichere Schweini hinterließ Münchens Manager Christian Winkler sogar mal eine Grußbotschaft: Wenn der Verein Hilfe brauche, könne er sich jederzeit an ihn wenden.

Treuester Besucher in der Olympia-Eishalle war Sebastian Rode. Sogar an Freitagabenden nahm er seinen Platz beim Eishockey (hinter der Münchner Spielerbank) ein – selbst wenn am Samstag Bayern-Heimspiel war und er im Kader stand. Rodes Abgang nach Dortmund – ein echter Verlust für den EHC. Doch mit Joshua Kimmich wurde ein Nachfolger gefunden.

In Augsburg sind sich Fußball und Eishockey (bis vor zehn Jahren war der Pucksport die klare Nummer eins in der Stadt) näher gekommen. Ausgewiesene Eishockey-Fans sind die FCA-Spieler Jan Moravek und Martin Hinteregger. Der Österreicher Hinteregger schaffte es kürzlich, das Vormittagstraining seines Klubs zu verpassen (er war am freien Tag in Sölden gewesen und eingeschneit worden), am Abend aber beim Derby Augsburg – München zu sein (da war die Straße aus den Bergen wieder frei). Hinteregger trug ein Fan-Trikot – mit Namen und Rückennummer des unscheinbaren Deutsch-Tschechen Jaroslav Hafenrichter.

Heute Abend ist Runde fünf im DEL-Viertelfinale. München – Bremerhaven, Berlin – Wolfsburg, Nürnberg – Köln und Ingolstadt – Mannheim treten an gegen Fußball im Fernsehen: Deutschland – Spanien aus Düsseldorf.

Man darf gespannt sein, wofür Max Kruse sich entscheidet.

Quelle: Merkur.de

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