„Geisterspiele in den Playoffs undenkbar“

Eishockey-Nationalspieler Felix Schütz hält sich mit joggen fit – Interview

Die Eishockey-Saison wurde aufgrund der Corona-Krise vorzeitig beendet. Felix Schütz muss nun seine Kinder bespaßen und fit bleiben. Ein Interview.
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Kinder bespaßen und fit bleiben: Felix Schütz joggt jeden Tag mit seinen Töchtern Heidi und Mila.

Die Eishockey-Saison wurde aufgrund der Corona-Krise vorzeitig beendet. Felix Schütz muss nun seine Kinder bespaßen und fit bleiben. Ein Interview.

Erding – Während die Fußballer in der derzeitigen Krisensituation in der Luft hängen, ob die Punktrunde weitergespielt wird oder nicht, sind die Eishockeyspieler schon einen Schritt weiter und in Urlaub. Ihre Saison ist unmittelbar vor Beginn der Playoffs abgebrochen worden. Besonders schade ist es für Felix Schütz. Der 32-jährige Erdinger hatte mit den Straubing Tigers die Punktrunde der DEL als Zweiter hinter Red Bull München abgeschlossen – so gut waren die Straubinger noch nie gewesen.

Herr Schütz, nach Ihrem Abschied von den Kölner Haien waren Sie lange auf Vereinssuche. Nach einem kurzen Intermezzo beim schwedischen Erstligaclub IK Oskarshamn sind Sie schließlich bei den Straubing Tigers gelandet und haben dort eine tolle Saison hingelegt.

Ja, das in Straubing hat sehr viel Spaß gemacht. Wir hatten ein tolles Team, standen auf Platz zwei, und ich denke, dass wir eine realistische Chance auf die Meisterschaft gehabt hätten. Alle haben sich gefreut, Fans und Sponsoren, das war eine unglaubliche Euphorie. Und dann war innerhalb von ein paar Tagen alles vorbei. Das war und ist schon sehr traurig.

Was hat die Tigers so stark gemacht? Und wie groß ist der Anteil von Trainer Tom Pokel?

Das sieht man ja im Fußball auch, dass der Trainer rund 60 bis 70 Prozent des Erfolgs ausmacht. Wir in Straubing hatten als Mannschaft eine gute Qualität und dazu einen Trainer, der alles rausgeholt hat und uns noch besser gemacht hat.

Wie haben Sie das abrupte Ende der Saison erlebt?

Wir haben das alles immer intensiv in den Nachrichten verfolgt. Angefangen von dem Moment, als es hieß, es würde auf 1000 Zuschauer begrenzt. Wir hatten anfangs auch gehofft, dass sich alles nach einer gewissen Zeit wieder normalisiert. Dass es dann so ruck-zuck ging, das hatte keiner erwartet. Aber letztlich war es die beste Entscheidung.

Wären Geisterspiele eine Alternative gewesen?

In den Playoffs wären Geisterspiele unvorstellbar. Bei uns ist es halt auch anders wie im Fußball. Da sind ganz andere Summen im Spiel, da geht es um Fernsehrechte. Das ist bei uns nicht so entscheidend.

Die Weltmeisterschaften, die vom 8. bis 24. Mai in der Schweiz ausgetragen hätten werden sollen, sind mittlerweile auch abgesagt worden. Sie haben rund 150 Länderspiele für Deutschland absolviert. Wären Sie bei der WM dabei gewesen?

Das weiß ich nicht. Der Deutsche Eishockeybund hatte ein Whatsapp-Gruppe mit rund 60 Spielern eingerichtet, die zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft zählen, da bekamen wir regelmäßig Informationen. Erst haben wir mitbekommen, dass es Probleme mit den Vorbereitungsspielen geben könnte. Etwa zwei Wochen später wurde dann die Absage bekannt gegeben.

Richtige Entscheidung?

Auf alle Fälle. Am Anfang habe ich mir noch gedacht: Ach komm! Jetzt, im Nachhinein, war es absolut die richtige Entscheidung. Es wäre grob fahrlässig gewesen, die WM auszutragen. Da kommen Spieler und Fans aus der ganzen Welt zusammen. Das ist nicht machbar. Klar hat es früher auch schon Pandemien gegeben, aber die Welt ist viel enger zusammengerückt. Großveranstaltungen sind halt einfach ein Multiplikator. Die USA haben es nicht geglaubt, und man sieht, was da los ist.

Was machen Sie denn jetzt den ganzen Tag, wo Sie zur Untätigkeit verdammt sind?

Kinder bespaßen. Und das ist eine echte Herausforderung (lacht). Aber da müssen jetzt alle durch, die Kinder haben. Eigentlich wollten wir nach Österreich fahren oder an den Gardasee. Aber das geht halt jetzt nicht.

Wie halten Sie sich während Ihres Zwangsurlaubs eigentlich fit?

Bei mir ist jetzt erst einmal Regenerationsprogramm angesagt mit Joggen am und um den Kronthaler Weiher. Ich habe mir dafür extra einen speziellen Buggy gekauft, damit meine zwei Mädels dabei sein können. Die haben echt Spaß dabei. Wir standen ja unmittelbar vor Beginn der Playoffs, da ist der Körper in Topform. Deshalb ist jetzt erst einmal runterfahren angesagt. Auch faste ich im Moment. Um weniger zu essen, ist jetzt der perfekte Zeitraum. Später, nach der Regenerationsphase, wollte ich eigentlich im Sportpark Schollbach trainieren und schauen, ob ich nicht in Köln aufs Eis kann. Die haben normalerweise im Sommer Eis. Vier Monate ohne Eis, das wäre nichts für mich.

Sie sind im Moment ohne Vertrag? Wissen Sie schon, wo Sie nächste Saison spielen? Bleiben Sie in Straubing?

Ich weiß es noch nicht. Auf alle Fälle war ich das ganze Jahr über in sehr guter Verfassung und habe mich vor den Playoffs top fit gefühlt. Mit Straubing hat es erste, gute Gespräche gegeben, aber auch mit Köln gab es lockere Gespräche. Im Moment ist jedoch Stillstand wegen Corona. Die Vereine können halt jetzt nicht planen und sind vorsichtig mit Verträgen. Und ich als Deutscher bin halt kein Peanuts-Einkauf. Ich hoffe, dass es zwei, drei Wochen nach Ostern langsam wieder losgeht. Vielleicht machen mir bis dahin ja auch die Erding Gladiators ein gutes Angebot (lacht).

Sie haben gesagt, Sie haben auch mit Köln gesprochen. Ist das nicht ein wenig inkonsequent?

Nein, überhaupt nicht. Zu Cheftrainer Uwe Krupp habe ich seit vielen Jahren ein sehr gutes Verhältnis. Und nachtragend darfst du in diesem Business sowieso nicht sein. Das weiß ich mittlerweile.

Das Gespräch führte Wolfgang Krzizok

Quelle: Merkur.de

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