Eishockey

Ende der Pinguin-Reise

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Der zweite Streich: Jason Jaffray bejubelt das 2:0 der Münchner. 

München – Die Lücke, die Keith Aucoin entdeckte, war nur wenige Zentimeter breit. Der kanadische Eishockey-Profi des EHC München setzte sofort zum Pass, sein Sturmpartner Brooks Macek wenige Meter weiter bereits mit seinem Schläger aus. Doch durchziehen durfte er dann nicht, denn Aucoins Zuspiel kam nicht an. Der Puck prallte an einem Schlittschuh ab, wenige Sekunden später schrillte die Sirene in der Olympia-Eishalle. Das Spielzeit im ersten Drittel war abgelaufen.

Solche Ungenauigkeiten leistet sich Aucoin selten. Seine Vorlagen sind meistens besonders präzise, oft sogar genial. In den 52 Hauptrundenspielen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat er 53 Tore vorbereitet. In den Playoffs bleibt der beste Spieler der regulären Saison aber hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Und obwohl Aucoin, 39, in diesen Playoffs noch nicht weiter aufgefallen ist, kann man den Zustand des EHC München an ihm ganz gut festmachen. Die Leistungsfähigkeit des Meisters hängt nämlich nicht von einer Spitzenkraft ab. Den Beweis hat der EHC im Viertelfinale gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven erbracht. Am Freitagabend setzte sich die Münchner im fünften Spiel der Serie vor 5130 Zuschauern mit 4:1 (1:0, 1:0, 2:1) gegen die Pinguins durch – und stehen zum dritten Mal in Folge im Liga-Halbfinale (Serienendstand: 4:1). Nun können sie entspannt darauf warten, welcher der verbliebenen Vereine ihnen zugeteilt wird. Das werden sie allerdings frühestens am Sonntag erfahren.

In der schnellen Nachbetrachtung kann man Bremerhaven nur wenig vorwerfen. Ihr Kader ist mit wenig Geld zusammengestellt, die Stürmer Chad Nehring und Brock Hooton fehlten in den Playoffs. Im vierten Aufeinandertreffen verletzte EHC-Verteidiger Keith Aulie mit einem Bandencheck dann auch noch den kanadischen Angreifer Jason Best. Einen Verein wie Bremerhaven schwächen solche Ausfälle besonders.

Trotzdem wehrten sich die Norddeutschen tapfer. Das erste Spiel in München klauten sie in der Verlängerung (4:3), im dritten führten sie bereits mit 2:0 (Endstand: 2:5). Am Freitag legten sie sich immer wieder mit dem Münchner Steve Pinizzotto an, den viele für den Bösewicht der DEL halten. Das trauen sich nur wenige. Die Playoff-Reise der Pinguise war beachtlich, nun ist sie jedoch vorbei.

Bremerhaven war schlicht die Kraft ausgegangen. „Sie müssen viel Schlittschuhlaufen“, stellte auch Münchens Nationalspieler Yannic Seidenberg fest. Der EHC stellte vier starke Angriffsreihen auf, das zermürbte den Gegner, auch am Freitag. Im Powerplay (14.) hämmerte Kapitän Michael Wolf die Scheibe erstmals vorbei am tschechischen Torhüter Tomas Pöpperle, der zuletzt zu Hochform aufgelaufen war. Irgendwann brachen die EHC-Angreifer aber auch Pöpperles Widerstand. Erst traf Jason Jaffray (38.), später erhöhten Markus Lauridsen (44.) und der zuletzt überragende Frank Mauer (48.) auf 4:0. Rylan Schwartz gelang nur der Ehrentreffer (53.).

„Das erste Tor hat Ruhe reingebracht“, sagte Seidenberg. Vor allem offenbarte sich aber einmal mehr, dass der qualitative Vorsprung des Meisters groß ist. Es findet sich immer ein Einzelkönner, der ein Spiel entscheiden kann. Übrigens: Keith Aucoin blieb ohne Scorerpunkt. Es scheint, als sei der EHC nicht darauf angewiesen.

Quelle: Merkur.de

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