Eishockey

„Als wäre ein Golfball im Kopf steckengeblieben“

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Thomas Holzmann (r.) zu Münchner Zeiten. 

München/Augsburg - Beim Eishockey-Derby Augsburg - München steht Thomas Holzmann im Blickpunkt. Das ist seine außergewöhnliche Geschichte.

Freitagabend (19.30 Uhr) ist wieder Eishockey-Derby. Augsburg gegen München, der Brisanz-Klassiker. Auch weil immer wieder Spieler vom einen Klub zum anderen wechseln. In der Regel verläuft das so: Der Spieler, der sich bei den Augsburger Panthern, dem Kleineren, bewährt hat, bekommt ein schönes Angebot aus München (Daryl Boyle, John Matsumoto), umgekehrt fällt auch für Augsburg mal ein Akteur ab, der beim EHC München sportlich unzufrieden ist und mehr Eiszeit will. Wie zuletzt Thomas Holzmann. Für den EHC war er ein Ergänzungsspieler, im Sommer 2015 orientierte er sich nach Augsburg und spielte für die Panther eine starke Saison: 13 Tore, 13 Assists – nicht viele deutsche Stürmer trumpfen so auf.

Bei Thomas Holzmann kam dazu: Seine Saison dauerte nur bis Ende Februar. Sie endete im Krankenhaus. In drei Spitälern an einem Abend: Man reichte ihn durch: Wolfsburg – Braunschweig – am Ende in eine Spezialklinik. Dort: Intensivstation.

Was war passiert? Sekundenbruchteilspech. Holzmann war beim Spiel der Augsburger mit Steffen Tölzer aus der eigenen Mannschaft kollidiert und überdies von der Kufe am Kopf getroffen worden. Der Schädel brummte, „ich dachte: Das wird eine Gehirnerschütterung sein“. Doch da war auch „so ein komisches Pfeifen im Ohr“. Wolfsburgs Teamarzt nahm sich Holzmanns an, machte ein paar Tests, tastete den Kopf ab. Sein Verdacht bestätigte sich beim Röntgen: Schädelbruch. Thomas Holzmann sah die Aufnahmen: „Als wäre ein Golfball im Kopf stecken geblieben und hätte für eine Beule nach innen gesorgt. So war es auch von der Größe.“

Er wurde operiert (der Kopf praktisch wieder ausgebeult), Panther-Sportmanager Duanne Moeser blieb die ganze Nacht bei ihm. Dann kam Thomas Holzmanns Frau nach Braunschweig und erlebte mit, wie ihr Mann mit Artikukationsschwierigkeiten kämpfte, wie er ein paar Tage nach der OP die ersten drei Meter ging und „völlig platt war“. Es ging damals, im März, nicht darum, wann Holzmann zum Eishockey zurückkehren kann, sondern ob überhaupt.

Die Panther verlängerten den Vertrag mit ihm. Sie rechneten nicht damit, sie hofften, dass Holzmann zu Beginn der nächsten Saison wieder fit würde. Er bekommt nach intensivem Training noch Kopfschmerzen, er hat eine große Narbe, „und ich spüre es, wenn das Wetter umschlägt“. Doch er ist voll belastbar, er kann spielen. Er hat einen umgebauten Helm bekommen, die Schaumstoffteile wurden ersetzt durch Luftpolster, sie sollen den Druck, der bei einem Aufprall entsteht, besser verteilen. Wahrscheinlich wird Thomas Holzmann damit bis ans Ende seiner Karriere spielen müssen „wie Fußballtorwart Petr Cech“.

Es läuft gut für den aufs Eis Zurückgekehrten. Der 29- Jährige ist der Panther-Spieler mit den meisten Schüssen (68), er hat fünf Tore erzielt und zwei vorbereitet, das ergibt sieben Scorerpunkte. Beim EHC München wäre er damit fünftbester Stürmer.

Gestern dann die überraschende und schöne Nachricht für Thomas Holzmann: Bundestrainer Marco Sturm honoriert seine Leistung mit der erstmaligen Nominierung für die Nationalmannschaft. Vom 4. bis 6. November ist Deutschland-Cup, in Augsburg. Der Kader, seit einer Woche bekannt, wurde aufgestockt.

Quelle: Merkur.de

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