NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt

NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt

NHL Draft: Seider schon als Nummer sechs gewählt
Dominik Kahun verlässt die Chicago Blackhawks - das ist sein neues Team

Dominik Kahun verlässt die Chicago Blackhawks - das ist sein neues Team

Dominik Kahun verlässt die Chicago Blackhawks - das ist sein neues Team

Druuuuuuu, der München-Spezialist

+
Erstes Interview nach dem Siegtreffer: Drew LeBlanc, der am Freitag das 4:3 gegen den EHC München erzielte. 

Drew LeBlanc, Spielmacher der Augsburger Panther, macht dem EHC in den Halnfinal-Playoffs zu schaffen. Heute zum vierten Mal?

Augsburg– Der Stadionsprecher der Augsburger Panther heißt Ingo Weighardt. Im Hauptberuf ist er Religionslehrer am Humanistischen Gymnasium. Anzunehmen, dass er die Osterferien herbeisehnt. Seine Stimme hörte sich zuletzt an, als bräuchte sie ein paar ruhige Tage. Am Freitag hat Lehrer Weighardt wieder alles gegeben. Da gewannen die Panther in einem dramatischen Match 4:3 gegen den EHC München, und wenn so ein Siegtreffer 26 Sekunden vor Schluss fällt, muss man den Schützen auch in gebotener Lautstärke würdigen. Das Tor erzielte der Spieler mit der Nummer 19: Drew LeBlanc. Wie überall: Der Stadionsprecher übernimmt den Vornamen, das Publikum ergänzt den Nachnamen. Zu Weighardts „Drrrrruuuuuu“ kann es keine Steigerung geben.

Am Sonntag, beim in der dritten Verlängerung erspielten 2:1-Sieg in München, hatte LeBlanc Punktepause – ein prägender Akteur war er dennoch mit 40 Einsätzen und einer Gesamtspielzeit von fast 34 (der 103 Minuten). Er spielt alles: Überzahl, Unterzahl, fünf gegen fünf sowieso. Er legt lieber auf, als dass er schießt. Umso erstaunlicher, dass er fünf Tore in den Playoffs selbst erzielt hat – und „nur“ vier vorbereitet. In der Viertelfinalserie wuchtete LeBlanc einmal aus vollem Lauf die Scheibe ins Toreck. Trainer Mike Stewart sagte hinterher: „Wir arbeiten jetzt seit vier Jahren zusammen. Es war der erste Schlagschuss, den ich von ihm gesehen habe.“

LeBlanc kam 2015 nach Augsburg. Er war eine Risikoverpflichtung. In der American Hockey League hatte er unauffällige Scoring-Bilanzen (beste Saison: sieben Tore und 15 Assists in 76 Spielen), er galt als begabter Spieler (eine Junioren-WM mit den USA), schien aber nicht übers Niveau des College-Eishockeys hinauskommen zu können. Sein einziger Erfolg: Er gewann 2013 den Hobey Baker Award, er war der landesweit beste College-Spieler. Der Preisträger nach ihm, Johnny Gaudreau, wurde einer der NHL-Topstars, Le-Blanc bestritt zwei NHL-Spiele für Chicago und war danach nicht mehr gefragt. Für ihn wurde der Preis nicht zum Startschuss in ein Leben mit Glamour und dem großen Geld.

Doch man kann immer noch in Europa Karriere machen, wenn man in Nordamerika ein kleines Licht geblieben ist. In Augsburg wurde LeBlanc umgehend zum Spielmacher. Und zu einem begehrten Mann in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Auch der EHC München hat mehrmals versucht, den heute 29-Jährigen zu bekommen. LeBlanc ließ den Branchenführer abblitzen: „Ich möchte da sein, wo Stewi ist.“ Mike Stewart ist der Trainer, der ihn geholt hat. Auch für kommende Saison hat LeBlanc sich an die Panther gebunden – obwohl sein Lehrmeister Stewart wohl andere Pläne hat. Er könnte in Nürnberg landen.

LeBlanc ist der München-Spezialist der Panther. Ein großes Spiel lieferte er im Januar 2018, als Augsburg den EHC mit einer Schlussoffensive (vier Tore in dreieinhalb Minuten) überrollte. Angeführt von LeBlanc, der mit Vollvisierhelm spielte. Zwei Tage zuvor hatte er einen Puck ins Gesicht bekommen, seine Backe sah aus wie die eines Hamsters. „Ich bin auf Soft-food-Diät“, sagte Le-Blanc. Stewart zweifelte, ob er ihn spielen lassen sollte: „Du musst doch Kopfweh haben.“ Hatte LeBlanc nicht – und trat an.

Hat auch der EHC München, der im heutigen vierten Spiel des Halbfinals in Augsburg (19.30 Uhr) darum kämpft, in der Serie zum 2:2 auszugleichen, einen Typ LeBlanc? Ja, es ist Mark Voakes. Er hat einen ähnlichen Karriereverlauf, hielt sich lange im Universitäts-Hockey auf, die NHL wollte nichts von ihm wissen. Im mittlerweile siebten DEL-Jahr ist der Kanadier einer der besten Spieler der Liga, ein überragender Scheibenkünstler. Und der Spiritus Rector der wirkungsvollsten EHC-Reihe mit Frank Mauer und Maxi Kastner. Für den EHC wertvoller noch als etwa Matt Stajan, der mit der Referenz von über 1000 NHL-Matches nach München kam, in den Playoffs aber bislang nur eine Nebenrolle (zwei Assists, kein Tor) spielt.

Stajan spielt noch zum Spaß Eishockey und um mit seiner Familie europäische Kultur zu erleben. Müssen tut er nicht, er hat in der NHL Millionen verdient und ausgesorgt. Einer wie Drew Le-Blanc hingegen nicht, er stellt sich auf eine bürgerliche Existenz nach dem Eishockey ein. Er hat Mathematik studiert und kann sich vorstellen, als Lehrer vor einer Klasse zu stehen.

Wie der Augsburger Stadionsprecher. Der mit dem „Drrrrruuuuuuu“.

Quelle: Merkur.de

Auch interessant:

Kommentare