Kurz reagiert auf Präsidenten-Kritik – und spürt den Druck

"Wenn Beeck reden will, dann soll er kommen"

Unter Druck: Löwen-Trainer Marco Kurz
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Unter Druck: Löwen-Trainer Marco Kurz

Der Trainingsschweiß läuft ihm von der Stirn, noch 20 Meter bis zum Kabineneingang – „Nein, alles was ich jetzt sage, ist ja doch verkehrt“, stöhnt Daniel Bierofka – und bleibt dann doch stehen.

Zwei Kapitänsstatements? Passt scho. „Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat“, sagt Bierofka, „Lippenbekenntnisse bringen niemandem was.“ Und: „Jetzt müssen in Ahlen drei Punkte her. Wir müssen Leistung auf dem Platz bringen, damit helfen wir uns und dem Trainer.“

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So schaut’s aus. Und vor allem Marco Kurz könnte schnelle Hilfe gut gebrauchen. Denn zur sportlichen Krise hat sich seit gestern auch noch eine Kontroverse mit dem Präsidenten gesellt, die ahnen lässt wie groß der Druck im Dampfkessel 1860 mittlerweile ist.

Auslöser der jüngsten Gaudi: ein Interview mit dem Präsidenten im Münchner Merkur. Dort stellte Rainer Beeck Kurz’ neues System mit einer Mittelfeld-Raute in Frage (tz berichtete). „Finden sich alle Spieler in diesem Spielsystem wieder? Die Herausforderung für den Trainerstab ist jetzt, Fehler zu suchen und das, was nicht funktioniert hat, zu ändern.“

Besondere Brisanz erhielten die präsidialen Ausführungen nun durch die Tatsache, dass sie Kurz aus der Zeitung erfahren musste. Anders als zunächst kolportiert, war der Trainer mit seinem Stab nämlich nicht bei der vierstündigen „Krisensitzung“ der Kluboberen am Montagabend mit dabei. Und entsprechend überrascht reagierte Kurz gestern auf entsprechende Nachfragen.

„Das ist zum jetzigen Zeitpunkt der falsche Ansatz. Hier geht es um Dinge, die dem Trainerstab obliegen“, stellte der Coach am Mittag im 1860-Mediencontainer klar. „Ich kommuniziere die Dinge nicht gerne über die Öffentlichkeit. Wenn der Präsident ein Gespräch will, dann muss er auf mich zukommen.“ Derzeit sieht Kurz freilich „keinen Gesprächsbedarf.“

Nur eine Irritation? Oder reißen bei den Krisenlöwen die ersten Gräben auf? Präsidenten, die sich öffentlich zu sportlichen Belangen äußern, hat man bei 1860 schließlich seit Karl-Heinz Wildmoser nicht mehr erlebt.

Dabei trifft Beeck natürlich den Punkt, wenn er die fehlende Weiterentwicklung seit der verheerenden Rückrunde anspricht. Und es kann ihm als Geschäftsmann auch nicht gefallen, Woche für Woche die guten Nachrichten von neuen Sponsoren etc. zu verkünden, wenn die Abteilung Profisport jedes Wochenende mit schlechten Nachrichten daherkommt.

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Doch nun soll sich ja alles ändern. „Wir werden uns so vorbereiten, dass wir in Ahlen erfolgreich sein werden“, kündigte Kurz gestern an und erzählte aus dem kleinen Kicker-Einmaleins: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Ballführende Abspielmöglichkeiten hat, das hat nix mit dem System zu tun. Die Ausrichtung in den ersten Spielen war grundlegend nicht verkehrt.“

Also weiter mit der Raute? Noch wirkt Kurz gelassenen. „Ich fokussiere mich aufs Training“, sagt er. Doch die Antennen sind längst ausgefahren. „Es gibt eine gewisse Unruhe, die nicht zu überhören ist.“ Der Mann weiß, wo er arbeitet.

Quelle: tz

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