Kommentar von Uli Kellner

Die Vorhersage zur Präsidentenwahl beim TSV 1860: Es bleibt unruhig 

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Uli Kellner äußert seine Meinung zur Saison des TSV 1860.

Wie immer, wenn sich Hasan Ismaik zu Wort gemeldet hat, ist die Aufregung größer als der Erkenntnisgewinn.

Dazu wiederholt der Investor allzu gerne sein Lamento, wonach bei 1860 alle nur sein Geld verpulvern und ihn hinterrücks mobben. Für gewöhnlich spart Ismaik auch nicht mit Versprechungen, die mal mehr und mal weniger konkret klingen. Diesmal kündigte er an, gleich am Montag angeflogen zu kommen, um die Weichen Richtung Zukunft zu stellen. „Damit der Profifußball wieder aufsteht“, wie er sagt, womit er eher nicht einen Verbleib in der dritten deutschen Profiliga meint.

Und wie das so ist bei Ismaik: Meist knüpft er seine Versprechungen an kleine, oft gar nicht mal so versteckte Forderungen. Das einzige Hindernis, das er bei 1860 auf dem Weg zu alter Blüte sieht, hat er auch gleich benannt in seinem Interview: den Präsidenten Robert Reisinger. Die Mitglieder mögen doch bitte „Vernunft“ walten lassen, wenn sie am Sonntag im Zenith ihre Stimmkarte erheben. Genauso gut hätte er sagen können: Geld oder gar Gewogenheit ist nur zu erwarten, wenn die Mitglieder das geforderte Funktionärsopfer bringen.

Ob die Basis Ismaiks Aufruf folgen wird, ist schwer vorherzusagen, spielt aber auch eigentlich keine Rolle. Das Kernproblem bei 1860 ist, dass die Fronten verhärtet sind und bleiben werden – bei gleichbleibenden Problemen: Keine gesunden Finanzen. Kein Stadion, das sich für höhere Ligen eignet. Keine Kongruenz bei der Frage: Sparkurs (Reisinger-Lager) oder Neuverschuldung (Ismaik)? Ein weiteres Problem ist: Beide Seiten, also längst nicht nur der Mehrheitsgesellschafter, legen eine Sturheit an den Tag, die an Starrsinn grenzt. Ismaik ist nun bereits seit acht Jahren im blauen Boot und weiterhin nicht willens, seine Anteile zu verkaufen. Und Ismaiks Gegner: Die haben die Ära der Wildmoser-Diktatur durchgemacht und zu lange gelitten, um ihre gefühlte Machtposition leichtfertig wieder herzugeben.

Schon deswegen ist nicht zu erwarten, dass ab Sonntag Ruhe einkehrt – wie auch immer die Wahl ausgeht. Siegt Reisinger, geht der Kampf um Unabhängigkeit weiter – wohl zu Lasten der sportlichen Perspektive. Wird er abgewählt, heißt das noch lange nicht, dass „Vernunft“ einkehrt bei 1860, wie Ismaik ankündigt. Erinnert sei an den auch von ihm verschuldeten Doppelabstieg 2017.

Für das Löwen-Wohl, so muss man das leider sehen, kann am Sonntag nicht viel gewonnen werden. Höchstens für Vereine wie Hertha und Kaiserslautern, die nun ebenfalls Investoren im Boot haben. Ihnen könnte der Giesinger Problemclub als warnendes Beispiel dienen.

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