Willi Bierofka im tz-Interview: "Mein Daniel hat Charakter"

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Willi Bierofka half seinem Sohn in der schweren Reha-Zeit

München - „Rückschlag?“ „Neue Verletzung?“ „Wo ist Daniel Bierofka?“ Die Zaungäste beim Training am Mittwoch waren in heller Aufregung.

Sie konnten ihren geliebten Blondschopf am Vormittag bei den Spielübungen nicht auf dem Rasen entdecken.

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Bierofka ist wieder da!

Für allgemeine Erleichterung sorgte nach der zweistündigen Einheit erst Ewald Lienen: „Daniel geht’s gut, es ist nicht so, dass man ihn rausnehmen müsste“, sprach der Trainer. „Ich habe ihn heute zum Ausdauertraining in den Wald geschickt. Ich kann ihn doch nicht von 0 auf 100 gleich in jedes Rennen werfen.“

Langsam herantasten, heißt die Devise beim Ex-Kapitän, nur nichts überstürzen! So sieht’s auch Daniels Vater Willi Bierofka (56). Der ehemalige Spieler und Trainer des TSV 1860 musste seine Profikarriere wegen einer Knieverletzung bereits mit 27 Jahren beenden. Jetzt hofft er, dass sein Sohn den Anschluss noch mal schafft.

Das tz-Interview.

Herr Bierofka, wie sehr erinnert Sie die Leidenszeit Ihres Sohnes an die eigene Vergangenheit?

Bierofka: Ach, ich will da keine Vergleiche anstellen, das bringt niemandem was. Ich hoffe einfach, dass der Daniel jetzt wieder richtig Fuß fasst bei 1860 und ich glaube ganz fest daran, dass er wieder Fußball spielen wird. Du musst positiv nach vorne schauen, jetzt langt’s einfach mit dem Pech.

Wie haben Sie Daniel in der laut Eigenaussage schwersten Reha seines Lebens unterstützt?

Bierofka: Durch reden. Ich habe ihm Mut zugesprochen bei den Rückschlägen. Aber das hatte sich irgendwann auch erschöpft, er hat dann gesagt: Papa, is guad, des host mir jetzt schon 15-mal erzählt! (lacht). Andere Leute waren da sicher wichtiger.

Daniels Ehefrau Nicole und Sohnemann David…

Bierofka: Ja, die Nici und der Kleine haben ihm sehr geholfen. Auch die Löwenfans, die ihn bei jeder Begegnung aufgemuntert haben. Aber aufstehen musst du natürlich alleine, letztlich liegt es an jedem selbst, ob er beißt oder aufgibt. Und da zeigt sich Daniels Charakter. Er ist ein Kämpfer durch und durch, er liebt den Fußball über alles, er lebt für diesen Sport! Umso brutaler waren natürlich die Rückschläge. Aber ich bin wirklich stolz auf ihn, dass er sich nicht hat unterkriegen lassen, das schaffen nicht viele. Er sagt immer: Ich will wieder spielen, so kann es nicht enden!

Welchen Comeback-Termin halten Sie für realistisch?

Bierofka: Gar keinen. Das wäre völlig verkehrt, jetzt irgendeinen Spieltag zu nennen, nein nein. Man muss jetzt wirklich von Training zu Training schauen wie er’s verkraftet, ob’s Reaktionen gibt. Es werden sicherlich kleinere Rückschläge kommen, das ist ganz normal, aber das wirft ihn jetzt auch nicht mehr um. Der Doktor Englhard (1860- Teamarzt) hat am Montag nach den Untersuchungen gesagt, er soll es jetzt probieren, er ist körperlich gut drauf. Jetzt hoffen wir halt alle, dass es weiter aufwärts geht.

Für die Zeit nach der aktiven Karriere ist ja bereits vorgesorgt…

Bierofka: Daniels Vertrag läuft bis 2011 und wir haben uns damals 2007 bei der Rückkehr aus Stuttgart zusichern lassen, dass er nach der Zeit als Spieler einen Posten bei Sechzig übernehmen kann. Sein Wunsch ist es, als Trainer in der Jugend einzusteigen oder möglicherweise auch im Scouting. Aber diese Planspiele sind jetzt zum Glück wieder ganz weit weg.

Interview: Ludwig Krammer

Quelle: tz

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