Schneider: "Weihnachten fällt dieses Jahr aus"

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1860-Schatzmeister Dieter Schneider

München - 1860-Schatzmeister Dieter Schneider erklärt im Interview mit dem Münchner Merkur, warum er heuer nicht aufs „Christkindl“ hofft.

Herr Schneider, ein Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“ hat im Umfeld des TSV 1860 für neue Aufregung gesorgt. Es ist von noch höheren Schulden die Rede, angeblich acht Millionen Euro, belegt wird das Ganze mit dem Auszug aus einer „Liquiditätsberechnung“ für die DFL.

Da gibt es viele Fehler und Missverständnisse. Zum einen sind es keine neuen Zahlen, zum anderen sind sie so, wie sie dargestellt wurden, falsch. Sie sind aus dem Zusammenhang gerissen. Ich bin schon sehr irritiert, dass sich jemand bemüßigt fühlt, irgendwelche wilden Zahlen irgendwo rauszuziehen, und Abrisse aus, ich vermute mal, alten DFL-Lizenzierungsunterlagen abzudrucken.

Stimmen die Zahlen denn nicht?

Aus einem Werk von mehreren Seiten wurde eine Kombination von vier Zahlen rausgezogen. Das sind aber alles Zwischensummen, und die wurden dann auch noch falsch saldiert. Dazu fällt mir nicht mehr allzu viel ein.

So alt können die Zahlen doch gar nicht sein. In dem abgedruckten DFL-Papier ist vom 31. Dezember 2009 die Rede.

Ich hab’s jetzt gerade nicht vor mir liegen, aber es geht um vier Posten, die sich zum 31.12.2009 so dargestellt haben. Jeder, der ein bisschen betriebswirtschaftlich denken kann, müsste wissen, dass Forderungen nicht Forderungen gegen den Verein sind, sondern Forderungen des Vereins oder der KG. Wenn ich das selber nicht auseinander halten kann, sollte ich wenigstens einen Kollegen fragen, der sich damit auskennt.

Sie meinen, es wurden einfach Forderungen und Verbindlichkeiten addiert?

Zum Beispiel. Wenn sie die vier Zahlen genau anschauen, dann sehen sie unten zwei Zahlen mit einem Minus, oben zwei ohne Minus. Unten, das sind Verbindlichkeiten, Rückstellungen und so weiter. Oben steht riesengroß Vermögenswerte – und Forderungen. Wenn man so was schon darstellen will, dann sollte man die vier Zahlen wenigstens richtig saldieren, sprich: Die beiden unteren zusammengezählt minus die beiden oberen. Wenn sie das richtig machen, dann kommt nämlich kein Minus von acht, sondern von 3,5 Millionen raus, und selbst das ist völlig sinnentstellend, weil es wie gesagt nur ein Zwischenposten aus einer mehrseitigen Liquiditätsberechnung ist. Da wurde etwas, vorsichtig ausgedrückt, sehr mit der heißen Nadel gestrickt.

Pleite für 1860 gegen Paderborn: Es hagelt nur so die Note 5

Der TSV 1860 München empfing zum Jahresabschluss den SC Paderborn. Doch viele Augen waren auf Dieter Schneider gerichtet. Schließlich kursierten mal wieder neue Spekulationen um die Schuldenlast der Löwen durch die Allianz Arena. Der Vizepräsident musste vor dem Spiel viele Fragen beantworten - und doch ist noch immer so vieles unklar. © Sampics
Auf der Tribüne drückte Kardinal Reinhard Marx (hier links neben Franz Maget) den Löwen die Daumen. © Sampics
Doch der himmlische Beistand sollte den Löwen an diesem Tag nicht viel helfen. © dpa
Paderborn erwies sich als der berfürchtet zähe Gegner. © dpa
Und die Löwen spielten über weite Strecken behäbig und uninspiriert. Ein fatales Handspiel unterlief aber nicht etwa Djordje Rakic ... © dpa
... sondern Innenverteidiger Kai Bülow, dem der Ball in der 23. Minute bei einer Grätsche im eigenen Strafraum an die Hand sprang. Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß gegen die Löwen - eine harte, aber auch vertretbare Entscheidung. © Sampics
Edmond Kapllani nutzte die Gunst und verwandelte. © dpa
Dennoch kamen die Sechzger im weiteren Spielverlauf zu Torchancen. © Sampics
Der letzte Biss fehlte jedoch im Spiel der Gastgeber. © Sampics
Dabei war die Chance doch so groß, sich über den Winter in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga festzubeißen. © Sampics
Stattdessen herrscht jetzt mal wieder Tristesse. © Sampics
Ausgerechnet am letzten Hinrundenspieltag setzte es die erste Heimniederlage der Saison. © Sampics
Die zwischenzeitliche Erfolgsserie mit zehn ungeschlagenen Spielen in Folge - sie zählt jetzt nichts mehr. © Sampics
Manchmal hatte man das Gefühl, dass sich die Tauben auf dem Grün der Allianz Arena wohler fühlen als die Spieler des TSV 1860. © Sampics
Mehr als eine wehende Mähne hatte Stürmer Djordje Rakic kaum zu bieten. © Sampics
Und auch der eingewechselte Kenny Cooper ... © Sampics
... war im Sturm nur ein laues Lüftchen. © Sampics
Nach dem Spiel herrschte Wut ... © Sampics
... und Sprachlosigkeit ob der enttäuschenden Leistung. Es folgen die Löwen in der Einzelkritik. © Sampics
Király: Dicker Patzer, der fast das 0:2 bedeutet hätte. Ansonsten nicht viel geprüft. Note: 4 © Getty
Rukavina: Vergab in der 11. Minute eine große Chance. Der Frust darüber schien so groß gewesen zu sein, dass er in der Folge seine Aktivitäten einstellte. Note: 5 © Getty
Bülow: Hatte Pech, als der Handelfmeter gegen ihn gepfiffen wurde. Verhinderte mit einer artistischen Rettungsaktion das 0:2 (31.). Note: 4 © Getty
Bell: Ganz schwache Vorstellung in der ersten Halbzeit. Manchmal wie weggetreten. Note: 5 © Getty
Buck: Läuft weiterhin seiner Form hinterher. Legte teilweise unerklärliche Aktionen hin. Note: 5 © Getty
Bierofka: Verzettelte sich zu oft in Einzelaktionen. Er wollte, aber konnte meistens nicht. Note: 5 © Getty
Ab 81.: Volland ohne Bewertung © Getty
Schindler: Anstelle des verletzten Ignjovski zum zweiten Mal von Beginn an dabei. Wirkte vor der Pause total überfordert, manchmal direkt hilflos. Note: 5 © Getty
Ab 60: Leitner: Konnte auch nicht für den erhofften Umschwung sorgen. Zu pomadig. Note: 5 © Getty
Lovin: Begann schwach, bekam überhaupt keinen Zugriff zum Spiel. Nach einer halben Stunde dann etwas besser in der Partie. Note: 5 © Getty
Halfar: Seine Flanken landeten überall, aber keine einzige mal dort, wo sie hinsollte. Ging viel in Zweikämpfe, aber meistens auch als Verlierer heraus. Note: 5 © Getty
Ab 71. Cooper ohne Bewertung © Getty
Rakic: Machte in den ersten 45 Minuten keinen Stich, das Spiel lief völlig an dem langen Serben vorbei. Tore schießt er schon lange keine mehr. Note: 5 © Getty
Lauth: Hätte nach einer schönen Einzelaktion in der 32. Minute fast das 1:1 erzielt. Erhielt ansonsten im Angriff so gut wie keine Unterstützung. Pech bei einem Kopfball an den Pfosten (75.). Note: 4 © Getty

Es bleibt bei unserer von Anfang an getroffenen Sprachregelung, dass wir Zahlen und Verhandlungsstände nicht kommentieren. Bei dem ganze Sanierungskonzept gibt es mehrere innere Abhängigkeiten. Das weiß doch jede Hausfrau: Wenn ich im Monat 200 Euro weniger ausgebe, dann muss ich 200 Euro weniger Dispokredit aufnehmen. Das ist ein dynamischer Prozess. Und wenn ich bei einem Partner ein Stillhalteabkommen erreiche, dass er ein Darlehen nicht sofort zurückwill, dann verbessert das auch meine Liquidität. Es wäre demnach grob fahrlässig, irgendeine Zahl zu nennen.

Unabhängig davon ist die Lage nicht rosig. Was passiert, wenn bis Mitte Januar eine Summe X nicht nachgewiesen werden kann: Droht dann das endgültige Aus, wie Geschäftsführer Robert Schäfer andeutete? Oder wird die DFL sieben Punkte abziehen, wie zu lesen war?

Es ist richtig, dass wir bis Mitte Januar eine bestimmte Zahl nachweisen müssen. Aber nicht indem wir sagen: Das Christkindl hat uns fünf Millionen geschenkt. Sondern durch verschiedenste Maßnahmen. Wenn ich in der Winterpause einige Spieler abgebe und das Gehalt einspare, dann zählt das logischerweise gegen diese Liquidität. Die DFL sagt nichts anderes als: Ihr braucht bis zum Saisonende eine Summe X, um solide durchspielen zu können. Und keiner der Einzelpunkte wird sie erreichen. Wir werden Selbsteinsparungen haben, wir werden gewisse Transfererlöse haben, wir werden uns mit verschiedenen Partnern einigen, und dann bleibt zum Schluss noch ein Betrag übrig, den wir von einem Dritten, sprich von einer Bank brauchen.

Sie klingen eigentlich relativ optimistisch.

Natürlich haben wir einige Höhen und Tiefen gehabt, mal konnte ich besser, mal schlechter schlafen. Aber ich sehe, dass sich schön langsam die Mosaiksteinchen zusammenfügen.

Sorgen die bevorstehenden Feiertage nicht für zusätzlichen Zeitdruck?

In gewisser Weise schon. Bei uns fällt Weihnachten dieses Jahr aus. Alle an diesem Konzept Beteiligten werden rund um die Uhr verfügbar sein.

Das Interview führte Uli Kellner

Quelle: tz

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