ARGE-Delegierte stimmen für den Pro 1860-Kandidaten

Rückenwind für den Arena-Ausstieg?

Versammlung 1860
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Kriegt der TSV 1860 die (West)-Kurve in Sachen Arena-Ausstieg? Am Sonntag wurde ein Anfang gemacht

Klar. Versammlungen des TSV 1860 entbehrt es in der Regel nie an humoristischen, skurrilen oder bizarren Einlagen.

Vor allem dann nicht, wenn das Ganze zu einem Marathon ausartet, wie am Sonntag der Treff der Fußballabteilung im BallhausForum zu Unterschleißheim. Über fünf Stunden ging es um die wichtigste Nebensache der Welt – die Löwen halt. Zeit genug, um jedes Problemchen anzusprechen. So beschwerte sich Aufsichtsrat Karsten Wettberg in seiner Rede darüber, dass man nicht immer rechtzeitig über die Beerdigungstermine verstorbener Ex-Funktionäre informiert werde. Ein Nachrichtendefizit, das es tatsächlich abzustellen gilt. Sei es, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen, oder ihm den ein oder anderen Fluch auf dem Weg ins Jenseits mitzugeben.

Die Versammlung in Bildern

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Mit alles andere als freundlichen Worten verabschiedete sich auch der zurückgetretene Fußball-Abteilungsleiter Wolfgang Hauner vom – noch sehr lebendigen – Präsidium, dem er vorwarf, wegen des geplanten Deals mit Investor Nicolai Schwarzer die Lizenz aufs Spiel gesetzt zu haben. Wie Bayern-Manager Uli Hoeneß sprach Hauner davon, dass das „der Anfang vom Ende“ gewesen wäre. Und Manfred Stoffers griff Hauner ebenfalls an, weil der neue Geschäftsführer „populistisch“ mit Hoeneß umgegangen sei und diesen provoziert habe.

Die besten Sprüche von Manfred Stoffers

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Pro 1860 -Sprecher Hans Vonavka zeigte sich über die Attacken des ehemaligen Abteilungsleiters sehr empört: „Herr Hauner wollte Pro 1860 ja immer klein halten, und mit ihm ist nach Stefan Ziffzer und Stefan Reuter jetzt Gott sei Dank der letzte weg, der bei uns so geredet hat wie Uli Hoeneß. Dass der jetzt sagt, er spreche nicht mehr mit 1860, beweist doch, dass er Angst hat. Davor, dass sich beim TSV 1860 eine Position entwickelt, die für klare Nachverhandlungen in Sachen Kosten der Allianz Arena steht. Und es macht ihn auch grantig, dass die letzten Verbindungen zu 1860 für ihn jetzt gekappt sind. Ein zerstrittener TSV war doch für die Bayern immer das beste Opfer.“

Bei der Wahl des Abteilungsleiters – der von Pro 1860 favorisierte Robert Reisinger siegte mit einer Zweidrittelmehrheit gegenüber ARGE-Mann Thomas Hirschberger – zeigte sich jedoch auch sehr deutlich, dass die Fronten inzwischen aufgeweicht sind. Viele ARGE-Leute wählten den Pro 1860-Kandidaten.

Ein Blick ins ehrwürdige Grünwalder Stadion

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Für Vonavka ein klares Zeichen auch dafür, dass die Projektgruppe Stadionzukunft, die von Pro 1860-Leuten angeschoben wurde, auch die andere Fraktion anspricht und neuen Rückenwind erhalten hat: „Die Verdrossenheit über die Allianz Arena erreicht immer mehr Anhänger, und ich glaube, irgendwann brechen da richtig die Dämme. So muss es auch sein, denn das Stadionprojekt ist nur zu realisieren, wenn der ganze Verein dahintersteht und bei uns das Thema ganz offen diskutiert werden kann.“

Spieler- und Funktionärsfrauen - Die First Ladies des TSV 1860

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In Unterschleißheim wurde das Thema natürlich ebenfalls schon kräftig debattiert. Auch wenn dabei der ein oder andere Delegierte nicht ganz auf dem Laufenden war. So schob einer Vizepräsident Franz Maget die Schuld an den Arenaverträgen zu und sprach ihn obendrein auch fortwährend mit „Herr Magath“ an. „Ihre Uhr ist abgelaufen, Herr Magath“, schimpfte der Delegierte.

Maget nahm’s amüsiert zur Kenntnis. Zumal er sich wirklich keiner Schuld bewusst sein musste. Als nämlich die Arenaverträge ausgehandelt wurden, stand er bei 1860 überhaupt noch nicht in Amt und Würden. „Vielleicht hat mich der Mann ja auch mit meinem Parteifreund Christian Ude verwechselt“, lachte Maget, „und nicht nur mit dem Trainer des VfL Wolfsburg“. Es gab schon ganz andere Beleidigungen beim TSV 1860...

Claudius Mayer

Münchens Stadien in Bildern

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