Die Löwen-Depression: Warum es nicht läuft

Lienen und der Sturz in die Isar

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Ein Foto vom Rostock-Spiel: Damals begann die Löwen-Negativserie mit nur noch einem Punkt aus drei Spielen.

München - Die Kommentare der Löwen-Fans in den Internet-Foren nach dem 0:0 in Ahlen – Depression und Ratlosigkeit pur. Und das nach nur vier Spieltagen. Aber eben auch nach lediglich vier Punkten.

Viele Fans werfen schon wieder das Handtuch, von Aufbruchstimmung keine Spur mehr. Wen wundert’s nach dem Auftritt beim Tabellenletzten – ein Auftritt, der fußballerisch nichts weiter als ein Offenbarungseid war.

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Und jeder fragt sich kopfschüttelnd: Warum? Warum droht auch im sechsten Anlauf die anvisierte Rückkehr in die Bundesliga nicht zu klappen? Natürlich ist noch jede Menge Zeit (30 Spieltage), aber nach der Darbietung von Ahlen werden schon wieder Vergleiche mit früheren Spielzeiten gezogen, Zeiten, in denen die Löwen fürchterliche Negativserien hingelegt haben.

Dabei wurde sehr viel unternommen, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Mit Ewald Lienen wurde ein neuer und erfahrener Trainer engagiert. Einer, der kommuniziert, der mit seiner Ironie und offenen Art auch viel Leben in die eingeschlafene Löwen-Bude brachte. Mit Miki Stevic kam ein neuer Sportdirektor. Wie ein Quirl tobte er sich auf dem Transfermarkt aus und holte ein Dutzend neue Spieler. Es erinnerte kaum mehr etwas an den „alten“ TSV 1860. Stevic ist auch jetzt noch überzeugt, „dass wir kein Qualitätsproblem haben“, dass man sich also bei den Neueinkäufen keinesfalls vergriffen habe. Noch vor Kurzem schwärmten ja alle, dass die Löwen mit Benny Lauth und Kenny Cooper den besten Sturm der Liga besäßen, dass man mit Florin Lovin endlich den lang vermissten Strategen im Mittelfeld gefunden hätte oder dass mit Sandro Kaiser ein ganz großes Talent aus dem Nachwuchs die Kundschaft mit seinen Tricks verzücke.

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Und das soll alles schon wieder vorbei sein? Nicht mit Stevic. „Ich habe immer gewarnt, dass die Luft in München gefährlich ist“, sagt der Sportdirektor, „die Spieler fühlen sich wohl in der Stadt und glauben, sich nicht mehr quälen zu müssen.“

Ein Sieg im Pokal in Paderborn und zum Zweitligaauftakt gegen Koblenz – das schien den meisten schon wieder zu reichen, um sich fortan entspannt auf die Couch zu legen. Deshalb ist es wohl auch der falsche Ansatz, jetzt an System und Taktik herumzumäkeln oder Neuzugänge zu fordern. Zu wenig Einsatz zeigen oder den Ball nicht stoppen kann man in jedem System. Mit zwei Sechsern, mit einer Zehn, einer oder drei Spitzen. Und welcher Neue sollte jetzt bitte weiterhelfen? In einer Mannschaft, in der in den letzten beiden Partien so gut wie nichts funktioniert hat?

Den Löwen bleibt nichts anderes übrig, als sich selber aus dem Sumpf, in dem sie derzeit stecken, wieder herauszuziehen. Stevic: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit bis zum Spiel gegen Fürth. Und diese Zeit werden wir nutzen.“

Ewald Lienen bleibt trotz der angespannten Lage relativ cool und stellt fest: „Ich bin halt an einem Standort, an dem die Emotionen schon aus der Historie heraus immer hochkochen. Wenn du zwei Spiele gewinnst, ist der Aufstieg nah, verlierst du aber zwei, sind hier alle kurz davor, sich in die Isar zu stürzen.“ Der Mann weiß, wo er arbeitet…

Claudius Mayer

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