Einseitiges Duell im Dauerregen

Mit Derbysieg zurück an die Spitze

„Ich schon wieder“: Dennis Dressel (Nr. 14), Dreifach-Torschütze beim Derby im Juni, erzielte auch gestern das erste Löwen-Tor.
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„Ich schon wieder“: Dennis Dres sel (Nr. 14), Dreifach-Torschütze beim Derby im Juni, erzielte auch gestern das erste Löwen-Tor.

Haching-Schrecks Dressel und Mölders bescheren 1860 einen perfekten Abend.

Acht Stunden vor dem Anpfiff sprang die Unterhachinger Corona-Ampel doch noch auf Dunkelrot. Fußball mit Zuschauern war nun auch im südlichen Landkreis untersagt – was den verwegenen Plan eines altgedienten 1860-Fans jäh durchkreuzte. „Sitzplatz, Stehplatz, Liegeplatz, Flutlichtmast – I nehm ois“, hatte der auf ein Ticket lauernde Löwen-Junkie gesagt (Name der Redaktion bekannt) – und wurde am Montagabend wie die Anhänger der gastgebenden SpVgg Unterhaching auf den Platz im Fernsehsessel gezwungen.

Zu sehen gab es dort ein Drittligaderby, das lief wie die meisten zuletzt: Lange Zeit hasenfüßige Vorstädter pflegten ihren Löwen-Komplex und verloren auch das vierte von fünf Drittliga-Duellen. Die Haching-Schrecks Dennis Dressel und Sascha Mölders schossen die Tore zu einem 2:0 (1:0)-Auswärtssieg heraus, der den Nebeneffekt hat, dass 1860 auch wieder die Tabellenführung übernimmt – vorbei an Rostock. Haching dagegen muss sich nach einer verpatzten Englischen Woche (drei Niederlagen) nach unten orientieren.

Beide Trainer hatten ihren Verlierermannschaften vom vergangenen Mittwoch das Vertrauen geschenkt – mit einem erzwungenen Wechsel aufseiten der Löwen. Für den angeschlagenen Stefan Lex stürmte Austria-Neuzugang Martin Pusic, das Ganze im offensiven 4-Raute-2-System. „Das Spiel gegen Saarbrücken (1:2/Red.) haben wir gut aufgearbeitet“, sagte Michael Köllner: „Wir hoffen, dass uns Martin Pusic mit seiner Erfahrung heute hilft.“

Bei strömendem Regen und Herbstkälte wäre ein „Killer-Hiller“ nicht die schlechteste Wahl gewesen. Besagtes Getränk wird derzeit im sechs Kilometer entfernten Löwenstüberl ausgeschenkt. Gestern stand wie üblich Namenspate Marco Hiller im 1860-Tor – und der war erstmals in der 3. Minute gefragt (verzinkter Schuss von Dombrowka). Danach ergab sich das aus den letzten Derbys gewohnte Bild: 1860 übernahm die Initiative, Haching ließ sich reindrücken – und fing sich früh das 0:1.

Verantwortlich hierfür: Der Mann, der nun die Hälfte seiner acht Profitore gegen die SpVgg erzielt hat. Dennis Dressel hielt nach einer Ecke von Richard Neudecker drauf, Dombrowka fälschte ab – fertig war das perfekte Geburtstagsgeschenk für sich selber. Dressel, seit gestern 22, gab dem Derby die von den Gästen gewünschte Richtung. „Der linke Fuß von Dennis ist mittlerweile in der Liga bekannt“, sagte Sportchef Günther Gorenzel im Halbzeit-Interview von Magenta.

„Wir müssen uns für den Aufwand endlich mal belohnen“, hatte Haching-Coach Arie van Lent vor dem Spiel gesagt: „Dafür ist heute der richtige Zeitpunkt.“ Nachdem sein Team die ersten 45 Minuten durch seltsame Passivität hatte verstreichen lassen, war ab Minute 46 eine Reaktion gefordert: Felix Schröter kam für Hasenhüttl, Luca Marseiler für Heinrich. Das Spiel wurde damit ausgeglichener.

Haching hängte sich nun rein. Marseiler sorgte dafür, dass sich auch Hiller mal wieder ein bisschen strecken durfte (50.), Fuchs zog aus der Distanz ab (54.) – ein Anfang. Und nach einem abgewehrten Eckball wäre es dann fast passiert: Hufnagel stürmte energisch Richtung Löwen-Tor, Hiller spielte Neuer und klärte vor dem eigenen Strafraum – den Nachschuss aus 30 Metern Entfernung setzte Schröter über die Latte.

In der Schlussphase wurde es endlich ein echtes Derby: Haching versuchte alles, 1860 konterte und vergab Chancen (Dressel, Pusic), den Spannungsstecker zu ziehen – bis Hachings personifizierter Albtraum zur Tat schritt. Nach seinem späten 3:2 im Advent 2019 hatte der 1860-Kapitän auch gestern das letzte Wort: Linksschuss aus 25 m, abgefälscht und rein in den Winkel. Haching hat ein Löwen-Trauma – und 1860 freut sich über sein erstes Saisonspiel ohne Gegentor.

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