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BMW auf der Löwen-Brust? Hauptsponsor „Die Bayerische“ fände es sensationell

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Von: Uli Kellner

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1860-Präsident Robert Reisinger auf der Tribüne des Grünwalder Stadions neben Martin Gräfer von Hauptsponsor Die Bayerische.
Platz ist genug: Die Bayerische steht 1860 seit 2016 treu zur Seite - und Vorstandsmitglied Martin Gräfer (r.) hätte nichts gegen noch mehr Sponsoren. © Imago

Hat BMW endgültig den Fußball für sich entdeckt? Der Münchner Autobauer ist seit Juli Partner von Real Madrid - und auch die Löwen träumen wieder. Berechtigt?

München - Es ist der große, bislang unerfüllte Traum der Münchner Profifußballclubs (und vieler anderer Sportvereine) – ein Einstieg der Auto-Weltfirma BMW als Sponsor. Beim FC Bayern schien der Deal im März 2019 schon fix zu sein (ehe Audi doch verlängerte). Beim TSV 1860 war es Hauptgesellschafter Hasan Ismaik, der 2017 von einer Liaison der weiß-blauen Kultmarken träumte. Und jetzt, nach dem Einstieg von BMW bei Real Madrid, lebt dieser alte Traum wieder auf.

„Vielleicht geht bei BMW auch eine Tür für den TSV 1860 München auf“, antwortete Finanzchef Marc-Nicolai Pfeifer, 41, im Bild-Interview auf eine entsprechende Frage. Pfeifer setzt darauf, dass die kleinen Löwen ähnliche Werte haben wie der große Autobauer („soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit“). Der umtriebige Schwabe, der den Sponsorenpool des Drittligisten binnen zwei Jahren auf 70 Partner verdoppelt hat, kündigte an: „Nächste Woche werden wir wieder Kontakt aufnehmen . . .“ Doch lohnt sich diese Mühe überhaupt? Wir beantworten alle Fragen rund um den BMW-Traum der Löwen.

Welche Autopartner hat 1860 aktuell?

MAN für den Mannschaftsbus (bei Aufstieg winkt ein neuer) – im Kfz-Bereich besteht eine Vakanz, die Pfeifers selbstbewussten Vorstoß erklären könnte. Bis 2018/19 war die MAHAG Autopartner der Blauen, zuletzt gab es Einjahresverträge mit Nissan (20/21) und Bierschneider (21/22).

Steigt BMW jetzt doch groß im Fußball ein?

Lange waren es nur die teuren, elitären Sportarten, mit denen sich BMW schmückte: Golf, Tennis, Segeln, Formel 1. „Im Fußball würde es sehr lange dauern, bis wir wahrgenommen werden“, begründete Thorsten Mattig, Sportmarketing-Chef bei BMW, die distanzierte Haltung der Münchner zum Volkssport Nummer eins. Vor diesem Hintergrund gilt es als „Revolution“ (Sport-Bild), dass BMW seit 1. Juli die Profis von Real Madrid mit E-Dienstwagen stellt – als Nachfolger von Audi, das 19 Jahre lang die Flotte der Königlichen ausgestattet hatte. Der Grund: Laut einer Pressemitteilung möchte BMW mit seinem Einstieg bei Real den Themenbereich „Mobilität der Zukunft“ voranbringen.

Wie lief das 2019 mit BMW und dem FCB?

Mit Blick auf die Wachstumsmärkte in Asien und USA vereinbarten BMW und FC Bayern ein Mega-Paket: Zehnjahresvertrag, gültig ab 2025 – mit einem Gesamtvolumen von 800 Millionen Euro. Sogar Ministerpräsident Markus Söder jubelte schon: „Die Traumhochzeit passt perfekt: zwei Weltmarken, die für das erfolgreiche Bayern stehen“, sagte der CSU-Chef im März 2019, ehe der Deal doch noch platzte – laut den FCB-Bossen wegen einer plötzlich gestellten „nicht erfüllbaren Forderung“, die das Vertrauensverhältnis erschütterte. Das Ende vom Lied: Bayern verlängerte mit Audi um vier Jahre (bis 2029) – für 50 statt zuvor 30 Millionen Euro pro Jahr.

Wie reagiert der aktuelle Hauptsponsor?

Überraschend entspannt. „Die Bayerische“, seit 2016 als Hauptsponsor auf der Brust der Löwen, hat nicht das geringste Problem mit dem BMW-Flirt des Partners. Martin Gräfer, 53, Mitglied des Vorstands der Perlacher Versicherung, sagte zu unserer Zeitung: „Wir halten es für eine sehr gute Idee, wenn sich der TSV 1860 möglichst breit aufstellt. BMW als Teil der Sponsorenwelt fänden wir sensationell. Alle Sponsoren haben den höchsten Wert, wenn die Löwen wieder da spielen, wo sie hingehören – in der 2. Liga.“ Gräfe appelliert auch an die Stadt, dass Thema Namensrechte bei Heimspielen in Giesing zu forcieren. Ob 1860 am Ende in einem BMW- oder Die-Bayerische-Stadion auflaufe, sei sekundär, solange es für alle einen Mehrwert habe.

Was denkt man bei BMW über die Löwen?

Schwieriges Thema. Nach Informationen unserer Zeitung ist den BMW-Granden die Gesellschafterstruktur bei 1860 suspekt, also das nie wirklich harmonische Verhältnis des Muttervereins (e.V.) zu Ismaiks Firma HAM, der 60 Prozent der Anteile gehören. Es fällt schwer zu glauben, dass sich die Weltfirma wirklich auf die zwar kultigen, aber letztlich doch unberechenbaren Drittligalöwen einlässt. Wenn überhaupt, hört man aus BMW-Kreisen, wäre der Einstieg eines BMW-Autohauses als Nebensponsor denkbar.

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