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Der Ärmel-Hochkrempler: Yannick Deichmann ist Kämpfer, Antreiber und Torjäger beim TSV 1860

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Von: Uli Kellner

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Mitreißender Typ: Löwe Deichmann nach seinem Tor zum 1:0 gegen Wiesbaden. sampics
Mitreißender Typ: Löwe Deichmann nach seinem Tor zum 1:0 gegen Wiesbaden. sampics © Stefan Matzke

Yannick Deichmann ist absoluter Stammspieler beim TSV 1860. Der Allrounder spielt unter Trainer Michael Köllner fast immer.

München – Im Oktober schlug beim TSV 1860 die Stunde von Yannick Deichmann. Dass der bärtige Allrounder über 90 Minuten auf dem Platz steht, wenn er fit ist, ist seit Sommer 2021 ein ungeschriebenes Gesetz. Neu in diesem Herbst war, dass Deichmann auch regelmäßig eine Extraschicht in der sog. Mixed-Zone einlegen musste. Nach Ingolstadt (1:2) schickten ihn die Löwen zu den Medien, ebenso nach Osnabrück (2:0) – und am Samstag, nach dem befreienden 3:1 gegen Wiesbaden, machte er seinen Presse-Hattrick komplett.

In sportlich angespannten Situationen ist es für jeden Verein schwierig, Spieler zu finden, die a) sich stellen und b) auch das Richtige sagen. Deichmann, findet die Medienabteilung der Löwen mit Recht, ist in jeder Lage die perfekte Besetzung, ähnlich wie Jesper Verlaat. Niederlagen redet Deichmann nicht schön, Siege ordnet er routiniert ein, ohne seine Freude darüber zurückzuhalten. So schnörkellos wie sein Spiel ist, so erfrischend offen kommentiert er. Deichmanns Credo, geäußert nach dem hart erkämpften Sieg an der Bremer Brücke: „Wenn Spiele kommen, die du verlierst, dann musst du im nächsten Spiel halt wieder da sein.“

TSV 1860 München: Yannick Deichmann bestritt 47 von 51 möglichen Partien für die Löwen

Aus diesem Grund führte auch am Samstag kein Weg an Deichmann vorbei. Er war im Spiel da – und lieferte danach bei der Presse ab. Diesmal hatte Deichmann sogar das Vergnügen, nicht den Finger in die Wunde legen zu müssen. Sondern: Er durfte sein wichtiges Tor zum 1:0 ebenso erklären wie seinen Jubel an der Seite von Fynn Lakenmacher („Barmixer“) – und er durfte nach längerer Zeit mal wieder ohne Sorgenfalten ein Interview geben. „Ich freue mich, dass ich meinen Beitrag dazu leisten konnte, dass wir gewinnen“, sagte Deichmann bescheiden: „Über allem stand, dass wir heute drei Punkte holen.“

Genau so hatte er zuvor gespielt: Wie einer, der diese drei Punkte unbedingt holen will, daher vom Anpfiff weg Druck macht, presst, ackert, rennt. Man könnte auch sagen: Deichmann hat gespielt, wie er immer spielt, seit er das Löwenlogo auf der Brust trägt. 47 von 51 möglichen Partien bestritt er seit seinem Wechsel aus Lübeck. Mehr Stammspieler geht fast nicht.

TSV 1860 München: Yannick Deichmann glänzt als Allrounder

Vor allem wenn man bedenkt, dass es aus Trainersicht fast egal ist, wo man diesen Allrounder hinstellt. Rechtsverteidiger war der gelernte Stürmer voriges Jahr, diese Saison bereits Achter, Sechser und Außenposten in Michael Köllners neuem System (4-2-3-1). Die Urtugenden eines Löwen, erst mal über den Kampf ins Spiel zu finden – keiner verkörpert sie so perfekt wie das Nordlicht.

Wichtige Tore, drei bis jetzt in dieser Saison, fallen da zwangsläufig. Im 28 Jahre alten Hamburger hat 1860 ein offensiv-defensives Gesamtpaket, das auf die Erziehung seines Vaters, des NDR-Sportreporters Hendrik Deichmann, zurückgeht. Wenn er als Kind mal nicht 100 Prozent auf dem Platz gelassen habe, erzählte Deichmann kürzlich, „dann gab’s schon mal einen Spruch. So etwas prägt, wenn man weiß, da ist jemand immer kritisch“. Bruder Leon, 25, Profi bei Aufsteiger Oldenburg, sei aus demselben Holz geschnitzt: „Auch er ist einer, der immer die Ärmel hochkrempelt.“

Was Jesper Verlaat hinten bei 1860 vorlebt, setzt Yannik Deichmann im Mittelfeld fort: bedingungslosen Einsatz, ob’s gerade gut läuft oder schlecht. Bei seinem Grundsatzreferat in Osnabrück über Mentalität und Einstellung sagte er auch diesen Satz: „Wenn ein Verein Spieler holt, die genau in solchen Momenten da sind, ja dann sieht’s gut aus!“ Deichmann ist kein Mann, der zu Eigenlob neigt, doch es war eine ziemlich genaue Beschreibung seiner selbst. (ULI KELLNER)

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