Lizenz, Kader, TV-Übertragung

TSV 1860 München: Wie geht es weiter? Die wichtigsten Antworten

Nach dem Abstieg in die 3. Liga stehen die Löwen vor einer ungewissen Zukunft. Was passiert jetzt mit dem TSV 1860 München? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. 

München - Als „Desaster epischen Ausmaßes“ hatte Geschäftsführer Ian Ayre einen möglichen Abstieg des TSV 1860 bezeichnet. Dank einiger randalierender Löwen-Fans waren 115 Minuten Brutto-Spielzeit zu absolvieren, bevor darüber Gewissheit herrschte, dass die Löwen künftig als Drittligist firmieren werden. Welche Konsequenzen ein Absturz tatsächlich hat, lässt sich aktuell noch nicht vollständig absehen. Ein Blick auf die wichtigsten Felder:

Führungspersonal: Ismaik hat das Versprechen an die Fans in seinem jüngsten Facebook-Post bekräftigt: „Ich werde 1860 nicht im Stich lassen.“ Zunächst war auch darüber spekuliert worden, ob Geschäftsführer Ian Ayre ebenfalls in München bleibt, schließlich gilt der Vertrag des ehemaligen Liverpool-Managers auch für die Dritte Liga. Doch bereits am Morgen des Relegations-Rückspiels gegen Jahn Regensburg stellte der Engländer sein Amt zur Verfügung. Damit endet die Amtszeit von Ayre bereits nach acht Wochen. Die Meldung über seinen Rücktritt war zunächst von Vereinsseite zurückgehalten worden, um vor dem Rückspiel jegliche Störfeuer zu vermeiden. In einem Statement begründete Ayre seine Entscheidung, den Verein nach nur zwei Monaten wieder zu verlassen.

Trainer Vitor Pereira wird wohl Vergangenheit bei 1860 sein. Auch beim Klassenerhalt wäre sein Verbleib trotz Vertrags bis 2018 nicht gesichert gewesen – Ismaiks Enttäuschung sitzt tief. Zuletzt wurde beim Branchenportal transfermarkt.de bereits Sandhausens Trainer Kenan Kocak (36) als Nachfolger gehandelt.

Mannschaft: Vom jetzigen Kader bleibt wohl nicht mehr viel übrig. Drittligaverträge besitzen nur Jan Mauersberger, Ersatztorwart Max Engl, Felix Weber, Marin Pongracic, Kilian Jakob und Nico Karger. Der Rest könnte gehen – ablösefrei.

Nachwuchs: Beim Abstieg der Profimannschaft muss auch die U21, die in der abgelaufenen Regionalliga-Saison Platz zwei hinter der SpVgg Unterhaching belegte, eine Klasse tiefer weitermachen. Fraglich, ob man Toptalente mit einer Bayernliga-Perspektive zu den Löwen locken könnte.

Stadion: Auch bei einem Abstieg gilt der bis 2025 datierte Arena-Mietvertrag mit dem FC Bayern weiter. Eine Kündigung plus Umzug ins drittligataugliche Grünwalder Stadion (Kapazität 12.500 Zuschauer) ist schon alleine deshalb unwahrscheinlich, weil die Löwen bei einem möglichen Wiederaufstieg keine taugliche Spielstätte hätten. Außer das Olympiastadion würde wieder fußballtauglich gemacht werden.

Finanzen: Statt bislang gut sechs Millionen Euro steht den Löwen in der Dritten Liga nur noch rund eine Million Euro aus dem TV-Vertrag zur Verfügung. Zudem fällt die Garantiesumme von Vermarkter Infront (rund fünf Millionen Euro pro Saison) weg. Über den Etat, den Hasan Ismaik ermöglichen würde, kann nur spekuliert werden. Die Drittliga-Saison beginnt bereits am 21. Juli, eine Woche vor der Zweiten Liga.

DFB-Pokal: Als Zweitliga-Absteiger werden die Löwen auch in der kommenden Saison noch automatisch am DFB-Pokal teilnehmen dürfen. Für 2018/19 müssen sie sich dann qualifizieren – entweder mit (mindestens) Platz vier in der Dritten Liga oder dem Gewinn des Toto-Pokals.

Lizenz: Bei diesem Thema scheint es zum aktuellen Zeitpunkt noch viele Fragezeichen zu geben. Fest steht: Die Löwen werden wieder auf die finanzielle Hilfe von Investor Hasan Ismaik angewiesen sein - die Rede ist von rund 20 Millionen Euro.  Der Verein selbst äußerte sich noch am Dienstag über die Zukunfstplanungen und wendete sich dabei auch an die eigenen Fans. In dem offiziellen Statement heißt es:

„Es hilft nichts. Wir können an dem Ergebnis von heute nichts mehr verändern. Jetzt gilt es, den Blick nach vorne zu richten: Unsere erste Aufgabe ist es jetzt, einen konkreten Plan für die Zukunft zu machen. Mit dem Fall Dritte Liga haben wir uns bereits befasst. Jetzt werden wir uns die notwendige Zeit nehmen, um diese Pläne in Ruhe durchzugehen und alle Optionen sorgfältig zu prüfen. Bis dahin werden von uns keine weiteren Stellungnahmen erfolgen. Wir bitten um Verständnis, dass wir unseren Plan erst dann kommunizieren, wenn unseren Fans eine klare Botschaft mit auf den Weg geben können, wie es in der Dritten Liga weitergeht.“

Laut tz-Informationen haben die Löwen um Ismaik noch bis zum 2. Juni 2017 Zeit, um die Auflagen für den Erhalt der Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. Können die Lizenzvoraussetzungen nicht geschultert werden, dann wird es für Sechzig noch finsterer. Denn dann droht laut dfb.de der Abstieg in die Regionalliga. Wenn die Anforderungskriterien für die Regionalliga nicht erfüllt werden können, wird der Verein „in eine darunter liegenden Spielklasse eingruppiert“, so heißt es auf der Internetseite des DFB

TV-Übertragung und Live-Stream: Viele Fans fragen sich nun, ob und wann der TSV zukünftig im TV zu sehen ist? Wird die 3. Liga überhaupt im TV übertragen? Bisher wurden zahlreiche Partien der 3. Liga in den Dritten Programmen der ARD (BR, WDR, MDR, NDR, SWR, HR, RBB) übertragen. So wurden je nach Region pro Spieltag mindestens zwei Spiele im Free-TV und im kostenlosen Live-Stream gezeigt.  

Auch kommende Spielzeit soll die 3. Liga über die Dritten Programme der ARD zu sehen sein, jedoch wohl nicht mehr im gleichen Umfang. Denn zukünftig wird die 3. Liga zum Pay-TV-Produkt. Wie Ende Januar bekannt gegeben wurde, hat sich die Telekom AG die Übertragungsrechte der 3. Liga gesichert. Laut dem Fußballfachblatt „kicker“ musste die Telekom AG dafür rund 16 Millionen Euro hinblättern (Übertragungen der Frauen-Bundesliga inklusive). Zunächst hieß es jedoch, die Übertragung aller 380 Partien der 3. Liga würde erst ab der Spielzeit 2018/2019 erfolgen. Doch wie der Telekom-Pressesprecher Malte Reinhardt dem SID bereits im April bestätigte, konnten sich sein Konzern und die Sportrechteagentur (SportA) der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF  darauf einigen, bereits in der kommenden Spielzeit alle Drittliga-Spiele sowie die jeweiligen Relegationsspiele live zu übertragen. 

Weiterhin wird jedoch auch in der Sportschau und auf den Dritten Programmen der ARD Drittliga-Fußball zu sehen sein. Laut einer DFB-Mitteilung wird es auch in der kommenden Saison „eine umfassende Free-TV-Berichterstattung der Spiele der 3. Liga in der Sportschau sowie in den dritten Programmen der ARD“ geben. Die Seite liga3-online.de gibt einen stets aktualisierten Überblick über die anstehenden Drittliga-Spiele, die im Free-TV ausgestrahlt werden. Ob und inwiefern sich der vorgezogene Einstieg der Telekom Fernseheinnahmen der Drittligisten auswirkt, ist noch unklar.

Wie viel wird das Telekom-Angebot kosten?:

Noch gibt es kein offizielles Angebot - man geht jedoch davon aus, dass sich das Drittliga-Paket der Telekom an den Eishockey- und Basketball-Übertragungen orientiert. Über „Entertain“ können Kunden der Telekom die Angebote kostenlos nutzen. Wer kein Kunde ist, kann ein Jahresabo (9,95 Euro pro Monat) oder ein Monatsabo (16,95 Euro für Eishockey oder 14,95 Euro Basketball) buchen. 

Das sind die Rahmentermine der Drittliga-Saison 2017/2018:

Datum

Ereignis

21.-23. Juli 2017

Start in die neue Saison 2017/18

15.-17. Dezember 2017

Letzter Spieltag (20. Spieltag) vor der Winterpause

19. Januar 2018

Ende der Winterpause

12. Mai 2018

Letzter Spieltag der Saison

11. bis 14. August 2017

Erste Hauptrunde im DFB-Pokal

Relegationsspiele

Voraussichtlich zwischen 17. -22. Mai 2018

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen bei den Löwen in unserem Ticker.

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Rubriklistenbild: © Jantz

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