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Stefan Aigner schmerzt 1860-Abschied: „War nie der Löwen-Messias“

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Von: Jacob Alschner

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Für die Kleinen noch immer ein ganz Großer: Fördertrainer und Neu-Kreisligakicker Stefan Aigner.
Für die Kleinen noch immer ein ganz Großer: Fördertrainer und Neu-Kreisligakicker Stefan Aigner. © Staar

Stefan Aigner läuft in der kommenden Saison für den TSV Otterfing in der Kreisliga auf. Sein Abschied beim TSV 1860 schmerzt ihn noch immer.

München – Bis 2017 war Stefan Aigner (34) für den TSV 1860 aktiv, stieg ab. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über sein jüngst begonnenes Engagement in der Kreisliga, seine Karriere und sein zwiegespaltenes Verhältnis zu den Löwen.

Herr Aigner, ein Jahr ohne Profifußball: Was macht das Leben?

Langweilig ist es nicht. Mit zwei Kindern wird es nie langweilig. Die Zeit im letzten Jahr habe ich mit der Familie genossen, bin beim SV Wehen noch im Scouting tätig. Und mache mich jetzt bald selbstständig.

Wieso haben Sie Ihre Profikarriere eigentlich schon beendet?

Meine Schambeinentzündung hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich wurde operiert, aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil. Da war einfach keine Besserung in Sicht.

Stefan Aigner: Rückkehr zu 1860 war ein Fehler

Jetzt also Kreisliga beim TSV Otterfing. Warum das denn? Sie hätten doch sicher noch in der Bayernliga kicken können.

Ich kenne viele Menschen im Ort, mein Bruder hat auch in Otterfing gespielt. Seit einem guten Jahr bin ich Fördertrainer dort. Und die Verantwortlichen haben einfach nicht locker gelassen, wie es mit einem aktiven Engagement ausschaut (lacht). Ob Kreisklasse oder Bezirksoberliga ist mir eigentlich egal. Ich hätte auch Bayernliga spielen können, aber das wäre weniger gut mit meinem sonstigen Leben vereinbar gewesen.

Sie haben bei Vereinen wie dem TSV 1860 und Eintracht Frankfurt gespielt, sogar auch in den USA. Ist es nicht schade, dann bei einem verhältnismäßig kleinen Verein wie Wiesbaden seine Schuhe an den Nagel zu hängen?

Man kann sich das ja nicht aussuchen, das war eben mein Werdegang. Nach meinem Abgang bei Sechzig ging mir der Spaß am Fußball etwas verloren, den habe ich in Colorado wiedergefunden. Irgendwann kam dann eben Wiesbaden, damals immerhin in der zweiten Liga. Und dann der Abstieg 2020, die Verletzung – und dann war es eben das Ende der Karriere.

Welchem Ihrer Ex-Clubs fühlen Sie sich am engsten verbunden?

Wenn die Eintracht Europa League spielt und die gewinnt, freue ich mich natürlich riesig. Und wenn Sechzig Spiele gewinnt, ganz genauso. Ich habe meine ganze Jugend bei Sechzig verbracht, und wenn man schon mit seinen Eltern regelmäßig im Stadion war, schaut man da natürlich ganz genau drauf. Aber ich muss auch sagen: Der Abstieg hat mir da einen brutalen Dämpfer versetzt. Auch wenn man im Nachhinein immer schlauer ist: Noch mal zu Sechzig zu gehen, war sportlich gesehen ein Fehler. Das hätte ich nicht machen dürfen.

„Ne, ne. Das brauche ich nicht und bin auch nicht der Typ dafür.“

Stefan Aigner über eine mögliche Annäherung mit 1860.

Inwiefern?

Die Fan-Sicht ist ja das eine. Viele haben nach dem Abstieg gefragt: Warum verzieht der sich jetzt? Aber es war eben mein Beruf und ich musste schauen, dass ich das Beste daraus mache. Ich wurde quasi allein verantwortlich gemacht für den Abstieg, wozu ich sagen muss: Mitverantwortlich ja. Aber ich hatte von vornherein gesagt, dass ich nicht der Messias bin. Und trotzdem gab es solche Reaktionen. Dazu habe ich einfach Abstand gebraucht und bin nach Amerika gegangen. Als ich mit Uerdingen wieder gegen Sechzig gespielt habe und es Pfiffe gab, tat das weh. Aber so ist das Fußballgeschäft. Eine Woche bist du der Hero und in der nächsten bist du der Depp.

Schmerzt es Sie, dass sie bei Sechzig keinen versöhnlichen Abschluss gefunden haben?

Ja, klar! Man verlässt seinen Heimatverein lieber mit positiven Erinnerungen. Aber ich habe damit abgeschlossen, rückgängig machen kann ich es nicht. Da denke ich nicht weiter drüber nach.

Spüren Sie den Wunsch, dass sich Stefan Aigner und der TSV noch einmal annähern?

Ne, ne. Das brauche ich nicht und bin auch nicht der Typ dafür. Das ist kein Thema.

Stefan Aigner: Rückkehr als Trainer zu 1860?

Sie beobachten den Verein aber noch: Wie schätzen Sie die Chancen auf einen Aufstieg der Löwen ein?

Groß. Sie haben gute Einkäufe getätigt. Ich glaube auch, dass der ganze Verein ziemlich euphorisch ist, dass es im nächsten Frühling hoch geht. Ich sehe das ähnlich, weiß aber aus eigener Erfahrung: Damals, 2016, waren wir auch alle euphorisch und wollten aufsteigen. Wie das ausgegangen ist, ist bekannt. Wichtig ist, dass aus guten Spielern ein eingeschworener Haufen wird.

Sie sind noch bis Ende des Monats Scout bei Wehen Wiesbaden, kennen die 3. Liga also. Wen sehen Sie noch mit im Aufstiegsrennen?

Keine Liga ist so eng wie die 3. Liga, da sind Prognosen schwer. Dresden und Mannheim werden sicherlich vorne mitspielen. Aber Sechzig ist ein ganz heißer Kandidat, ebenso wie Wiesbaden.

Herr Aigner, zum Schluss: Wird’s nicht irgendwann doch mal Zeit für einen Trainerjob bei Sechzig?

Warum nicht? Ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu vielen im Verein, mache gerade nebenbei meinen Trainerschein. Warum sollte ich mir die Tür Profifußball – auch bei Sechzig – selbst zuschlagen? Da wäre ich ja schön blöd.

Interview: Jacob Alschner

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