Penzberger soll bei 1860 München hauptsächlich in den Nachwuchsteams spielen

Samir Neziri vom FC Penzberg ist jetzt ein „Löwe“

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Der Transfer ist fix: Der Penzberger Fußballer Samir Neziri wechselt zum TSV 1860 München. 

Samir Neziri wäre natürlich gern bayerischer Futsal-Meister geworden. Aber er durfte nicht mitspielen. In diesem Fall hinderte ihn nicht sein Trainer..

Penzberg-– Samir Neziri wäre natürlich gern bayerischer Futsal-Meister geworden. Aber er durfte nicht mitspielen. In diesem Fall hinderte ihn nicht sein Trainer oder die Penzberger Mannschaft. Neziri entschied selbst. Um seinen Wechsel zum TSV 1860 München nicht zu gefährden, verzichtete er auf den Einsatz beim Freistaat-Finale in Dingolfing. Seiner Fußballerseele hat das wehgetan. Wo er doch mit dem Straßenfußball aufgewachsen ist, oben in der Neuen Heimat in Penzberg. Aber mit seiner Reaktion zeigte der 18-Jährige dann allen in Penzberg, auch denen, die seinen Wechsel zur Winterpause hinterfragten, wie sehr er am FC hängt: Neziri fuhr mit, er stellte sich in den Fanblock, er schrie mit und er feierte. Mit Maximilian Kalus, mit Marco Hiry, „mit den Alten“, wie er scherzhaft sagt. Das zeige, was er für ein Typ ist, lobt ihn sein nunmehr Ex-Trainer Martin Wagner.

Die Kollegen wussten längst von seinem Vorhaben. Ende Januar unterschrieb Neziri seinen Pass bei den Münchner „Löwen“. Zur Rückrunde stößt er zum U19-Team in der Bayernliga, auch in der U21 (Senioren-Bayernliga) rechnet er sich ab und an einen Einsatz aus. In den nächsten Wochen sprechen die TSV-Verantwortlichen mit der Familie Neziri zudem über einen Vertrag. „Wir haben keine Eile“, betont Vater Mexhit Neziri. Vom Interesse der Löwen erfuhren die Penzberger im Spätherbst. Nach diversen Erkundungstouren mit offenbar positiven Eindrücken meldete sich ein Scout erst bei Fotios Roumbos vom FCP, später bei Neziri und lud ihn zum Training ein. Nach der zweiten Einheit redeten sie schon über einen Wechsel. Nach der dritten „war’s so gut wie fix“, sagt Samir Neziri. Ein weiteres Gespräch gab ihm „den letzten Ruck“.

In Penzberg sahen sie den Winter-Transfer anfangs kritisch. Mit dem TSV 1860 verhandelte die Führung über eine Ablösesumme. Penzberg verlangte quasi eine Entschädigung, die Münchner sträubten sich. Nach längerem Hin und Her einigten sich die Vereine. „Du willst einem jungen Burschen keine Steine in den Weg legen“, sagt FC-Coach Wagner. Trainer und Führung waren vom Verbleib ihres Top-Torjägers (14 Treffer in 15 Spielen) bis zum Saisonende ausgegangen. So hatte es Neziri ihnen gesagt. „Stimmt“, bestätigt der Stürmer, „eigentlich wollte ich gar nicht wechseln“. Den Avancen der Nachbarklubs aus Landes- und Bayernliga widersagte er. Selbst Regionalligist Burghausen erhielt eine Abfuhr. Aber dann lockte 1860 mit diesem unwiderstehlichen Angebot: Lehre plus Fußball plus Zukunft. „Früher habe ich davon geträumt, jetzt gehe ich den ersten Schritt“, sagt Samir Neziri, der beim Pharmakonzern Roche arbeitet. Gerade Papa und Familie sahen das Paket mit der Ausbildung als elementar an. „Im Fußball geht es sehr schnell nach oben – aber genauso schnell wieder nach unten“, betont Mexhit Neziri.

Ob es sein Sohn in den Profibereich und in die Dritte Liga schaffe, „wissen wir alle nicht“. Auf jeden Fall stellte der Traditionsverein bei einem Treffen klar, dass er Neziri nicht für ein halbes Jahr verpflichtet, um seine A-Jugend aufzumörteln, die wohl wieder den Aufstieg in die U19-Bundesliga verpasst. „Sie sehen Potenzial“, bestätigt der Vater. Hoffnung mache auch der Weg von Trainer Michael Köllner. Ins Winter-Trainingslager der Profis nahm er den 16-jährigen Ahanna Francis Agbowo mit. Neziri ist 18. Seine wichtigste Aufgabe bei 1860: Training, Training, Training. In Penzberg stand er nur zweimal pro Woche auf dem Platz. „Für Bezirksliga reicht das, für den Profibereich ist es definitiv zu wenig“, sagt der Vater. Nun sind es Minimum vier Einheiten.

Die Rückrunde in der U19-Bayernliga beginnt am 22. Februar in Deisenhofen. Deutlich höher stuft Neziri aber das Derby eine Woche darauf ein. Am 1. März geht es gegen Unterhaching, gegen Dominik Bacher, seinen ehemaligen Mitschüler aus Habach. Der hat bereits zum Wechsel gratuliert. Früher kickten sie mit Penzberg (Neziri) und Garmisch-Partenkirchen (Bacher) gegeneinander. Dass sie sich im Trikot von 1860 und Unterhaching wiedersehen, „haben wir noch nie gedacht“. Neziris Debüt für die „Löwen“ steigt wohl am heutigen Mittwochabend im Testspiel gegen den FC Ingolstadt. In welcher Trikotnummer ist noch die Frage. Gerne würde er die „7“ behalten. Doch die dürfte vergeben sein. „Dann die 14.“ Die trug Neziri bislang beim Futsal für die Penzberger.

Verhandeln über
Ablösesumme

Am 1. März Derby
gegen Haching

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