Steiner: "Wir rennen gegen die Zeit an…"

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Otto Steiner.

München - Nach Geschäftsführer Schäfer und Vizepräsident Schneider ist der Aufsichtsratsvorsitzende Otto Steiner das dritte "S" im Bunde in der Löwen-Führung. Das Trio arbeitet für das "S" Nummer 4: Die Sanierung.

Der Aufsichtsrat von 1860 ist nach meiner Kenntnis der einflussloseste Aufsichtsrat der deutschen Wirtschaftsgeschichte, er zeichnet sich vor allem durch fehlende Kompetenzen aus.“

Christian Ude

 

Diese Sätze des Münchner OBs und Ex- 1860-Aufsichtsrates aus dem SZ-Magazin kann Otto Steiner nicht so einfach wegstecken. „Das ist wohl das destruktivste Zitat der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte“, sagt der frischgekürte Aufsichtsratsvorsitzende der 1860-Profi-KGaA. „Da muss ich mich schon fragen, warum Herr Ude acht Jahre in so einem Gremium verbracht hat, wie er das aushalten konnte. Aber lassen wir das.“

Für Vergangenheitsbewältigung und Ärger mit dem OB hat Steiner im Moment nämlich überhaupt keinen Nerv. Und vor allem: keine Zeit. Er ist das dritte S im Bunde mit Geschäftsführer Schäfer und Vizepräsident Schneider. Gemeinsam will das blaue Trio das vierte S bewältigen, die Sanierung. „Wir geben alles“, versichert Steiner. Unser größtes Problem ist, dass wir gegen die Zeit anrennen.“

Bis zum 13. Januar müssen die Löwen bei der DFL einen Liquiditätsnachweis über 5,3 Millionen Euro erbringen. Rund drei Millionen Euro fehlen aktuell noch. „Unsere Hauptaufgabe ist es, frisches Geld reinzubekommen“, sagt Steiner. Ihm als Boss der Constantin Entertainment GmbH (u.a. „Hit Giganten“, „Welt der Wunder“) kommt dabei die Aufgabe zu, seine Wirtschaftskontakte einzusetzen. „Mit Steiner öffnen sich für 1860 manche Türen, die sonst verschlossen blieben“, sagt ein Insider.

Mögliche Verkäufe: Welche Spieler könnten das 1860-Finanzloch stopfen?

Klar war schon länger, dass die Löwen finanziell schwer angeschlagen sind. Doch seit dem Punktabzug der DFL ist auch dem Letzten klar: Im Winter müssen die Löwen auch durch Spielerabgänge Geld machen - mal wieder. Entweder sollen Ablösen das Finanzloch stopfen - und/oder aber Gehaltseinsparungen. Diese Spieler könnten die Misere eindämmen. © 
Mathieu Béda: Der Franzose wurde zur U 23 strafversetzt, nachdem ein Wechsel im Sommer gescheitert war. Unter Coach Reiner Maurer wird er kein Profi-Spiel mehr machen. Und: Er soll zu den Großverdienern zählen. Die Löwen würden ihn nur zu gerne von der Gehaltsliste bekommen, müssen jedoch befürchten, dass er seinen Vertrag aussitzt. Dennoch: Ewald Lienen will den Franzosen nach Bielefeld lotsen. © sampics
Antonio Rukavina
Antonio Rukavina (26): Bereits im Sommer stand der Serbe zum Verkauf. Ein Wechsel (angeblich nach Holland) scheiterte am letzten Tag. Eigentlich brauchen die Löwen den Rechtsverteidiger - aber wenn das Angebot stimmt ... © dpa
Alexander Ludwig: Der Standard-Spezialist bekommt von Coach Reiner Maurer viel Lob, aber wenig Einsatzzeiten. Einen hohen Preis auf dem Markt würde er wohl derzeit nicht erzielen - aber wie bei vielen anderen gilt: Vielleicht hilft sein eingespartes Gehalt. © sampics
Alex Ignjovski
Aleksandar Ignjovski (19): Der kleine Serbe ist bei den Löwen Dreh- und Angelpunkt im defensiven Mittelfeld. Er hat bereits einen Vorvertrag beim AC Florenz - doch wenn jemand mehr bietet, wäre dieser nichtig. © dpa
Djordje Rakic
Djordje Rakic (24): Der Serbe ist erst seit dieser Saison fest angestellt bei den Löwen. Sorgte zu Beginn der Saison für Aufsehen, als er in den ersten vier Spielen vier Mal traf. Inzwischen ist er im Formtief. Dennoch wäre er wohl noch einer der Spieler, die am meisten Ablöse einbringen könnten. © Sampics
Florin Lovin (28): Noch vor einem Jahr galt Lovin als der Charakterspieler bei den Löwen. Unter Ewald Lienen im defensiven Mittelfeld gesetzt, warf ihn einen schwere Verletzung weit zurück. Bei Trainer Reiner Maurer hat Lovin einen schweren Stand. Bereits im Sommer gab es Anfragen für den Rumänen. Richtig viel würde er aber nicht erlösen. © Getty
Stefan Aigner (23): Der Publikumsliebling hätte bereits im Sommer nach Stuttgart gehen sollen. Er ist einer der Spieler, für den die Löwen wohl am meisten Ablöse aufrufen könnten. © sampics
Mate Ghvinianidze (23): Unter Trainer Reiner Maurer ging die Formkurve des Georgiers zuletzt wieder nach oben. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Deswegen würde ein Verkauf wohl nur wenig Geld einbringen. © sampics
Philipp Tschauner: Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, ein Wechsel im Sommer nach England scheiterte. Bei einem entsprechenden Angebot im Winter würden ihm die Löwen sicherlich keine Steine in den Weg legen und Vitus Eicher oder Björn Bussmann zum Reservekeeper befördern. © Getty
Benny Lauth (29): Der Vertrag des Publikumslieblings läuft im Sommer aus. Zudem wird er im Sturm gebraucht. Es ist also nicht zu erwarten, dass er die Lösung der finanziellen Probleme ist. © dpa
Kevin Volland: Der 18-Jährige ist aktueller Stürmer Nummer 3 bei den Löwen - und hochtalentiert. Das ist auch anderen Vereinen nicht verborgen geblieben. Eventuell macht ja einer seinen Geldbeutel weit genug auf, sodass die Löwen schwach werden. © Getty
Man könnte noch weitere aufzählen, etwa Dominik Stahl. Der Beinahe-Verkauf von Stefan Aigner im Sommer hat gezeigt, dass die Löwen auch nicht davor zurückschrecken würden, absolute Leistungsträger zu verkaufen. Nicht weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen. Am Ende ist bei einem finanziell angeschlagenen Verein ein Verkauf wohl immer eine Frage des Preises. Vertrauen wir Stevic, Niemann & Co., dass sie das Loch stopfen, ohne dass es allzuviel spielerische Substanz kostet. © Getty
Tarik Camdal: Für den Mittelfeldmann gibt es laut Miki Stevic Anfrage aus der Türkei und aus der Schweiz © sampics

Aktuell sind es vor allem die Türen von potenziellen Investoren, die Steiner und seinen Mitstreitern geöffnet werden. Am Donnerstag standen wieder zwei Termine an. „Es wäre fahrlässig, wenn wir uns nur auf einen Investor konzentrieren würden“, sagt Steiner. „Vielleicht bleiben von fünf oder sechs potenziellen Investoren am Ende zwei übrig.“

Hauptargument der Löwen ist die Ehrlichkeit. Die Geschäftszahlen seien zwar bitter, aber die „absolute Wahrheit“, sagt Steiner. „Es gibt keine Tretminen mehr. Wir können den Leuten sagen, wenn Ihr einsteigt, haben wir eine reelle Chance, dass wir Sechzig bis 2013 auch in der Zweiten Liga sanieren.“ Steiners Prognose: „Wir haben berechtigte Hoffnung, dass wir es schaffen, aber noch sind nicht alle Klippen genommen. Es wäre zu früh zu sagen, dass es Grund zu großem Optimismus gibt.“ Bis Ende der ersten Januarwoche könnte Klarheit herrschen.

lk

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