Löwen bewahren in hitzigem Derby die Nerven

Dank Karger: 1860 zieht an Haching vorbei

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Derbyheld: Siegtorschütze Nico Karger in den Armen von Philipp Steinhart.

Der TSV 1860 München klettert nach dem Derby-Sieg gegen die SpVgg Unterhaching auf Rang fünf der Tabelle. Nico Karger erzielt mit dem Pausenpfiff das Tor des Tages. 

München – Am Ende ließ sich der gefeierte Oberlöwe auch von einer einstürzenden Werbebande nicht aufhalten. „Biero auf den Zaun“, grölten die glückseligen 1860-Fans, nachdem der süße 1:0 (1:0)-Sieg gegen Unterhaching amtlich war. Und Daniel Bierofka, der sich sonst so gerne im Hintergrund hält, gab sich einen Ruck: Er sprintete in die Westkurve, ging beim Sprung über die Bande zu Boden, rappelte sich auf – und klatschte dann bescheiden ins Publikum, derweil Sturmrocker Sascha Mölders seine derbe Zaunparty abhielt.

Sie gipfelte in einer Schmähung des Gegners, der sich allerdings in gleichem Maße wie die siegreichen Gastgeber um einen packenden Derby-Abend verdient gemacht hatte. Haching spielte besser Fußball, 1860 hatte den etwas größeren Willen – und wurde gleich doppelt dafür belohnt: mit dem Sprung auf Platz fünf. Und mit dem schönen Gefühl, erstmals in der Tabelle „über Haching“ zu stehen, wie Stadionsprecher Stefan Schneider korrekt und nicht ohne Häme anmerkte.

Haching zu Beginn das bessere Team

Die Konkurrenz war erheblich am Dienstagabend: Maximilian Schafroths Premiere als Fastenprediger lockte ein handverlesenes Publikum auf den Nockherberg – und eine geschätzt sechsstellige Zahl an Zuschauern vor die TV-Geräte. Zwei Kilometer entfernt fanden sich trotzdem 15 000 Menschen ein, die die Frage umtrieb: Welcher der beiden Münchner Drittligisten würde das Fußball-Derblecken auf Giesings Höhen für sich entscheiden? Motto: Sport statt Spott.

Dass zur Pause die Heimfraktion jubeln würde, war nicht abzusehen, als die spielstarken Gäste zu Beginn die schwerfälligen Hausherren zum Hinterherlaufen zwangen. Die Löwen wussten nicht viel anzufangen mit dem Ball, der den geschmeidigen Hachingern deutlich besser gehorchte. Chancen ergaben sich durch den schussgewaltigen Stahl-Ersatz mit dem Zungenbrechernamen Kiomourtzoglou. Ein Schussversuch von Hufnagel konnte gerade noch von Simon Lorenz geblockt werden. 1860 brauchte mehr Zeit für die ersten Torannäherungen. Erst ein Lattentreffer von Prince Owusu, aufgelegt von Wehen-Held Mölders, hatte einen gewissen Hallo-wach-Effekt (29.).

Hachings Winkler sieht die Ampelkarte

Fortan gelang es den Löwen, sich rund um den Gäste-Strafraum einzunisten – mit besagter Zuspitzung kurz vor dem Halbzeitpfiff. Phillipp Steinhart und Mölders hatten die Kugel in die Mitte kombiniert, Nico Karger im Fallen den Fuß hingehalten. 1:0 durch jenen Spieler, der sich bis dato ähnlich passiv verhalten hatte wie die Löwen-Ultras, die sich aus Protest gegen eine vereinsinterne Pyro-Sanktion einen weitgehenden Stimmungsboykott auferlegt hatten.

1860 stand zur Pause erstmals in dieser Saison vor Unterhaching, hatte aber noch 45 Minuten vor sich, die von erbittertem Nachbarschaftskampf geprägt waren. Beide Kontrahenten schenkten sich nichts, was die Intensität noch einmal steigerte. Kapitän Felix Weber warf sich in einen Schuss des starken Hufnagel, auf der Gegenseite verpassten Stefan Lex und Owusu nach einer Hereingabe von Karger.

Jetzt war es ein richtiges Derby. Die Fouls wurden nickliger, Gelben Karten wurden gezückt, Hachings Alexander Winkler sah spät Gelb-Rot – und nach einer vierminütigen Nachspielzeit waren die Löwen am Ziel. Giesing brodelte und lebte seinen Gefühlsrausch aus – ganz ohne Starkbier.

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