Vor dem Spiel bei St. Pauli

Moniz lässt drei gestandene 1860-Profis daheim

+
Ricardo Moniz (l.) mit Gerhard Poschner.

München - Drei Tage lang hatte sich Ricardo Moniz auf Geheiß der Löwenführung öffentlich nicht äußern dürfen, am Freitag war es endlich mal wieder erlaubt. Der Coach nahm zu mehreren Themen Stellung.

Die offizielle Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli stand an – mit dem Trainer. Und es schien so, als hätte sich einiges aufgestaut in ihm nach dieser „langen“ Zeit des Schweigens. Moniz bezog zu jeder Frage Stellung, wich keinem Thema aus und hielt, wie gewohnt, mit seiner Meinung nicht hinter den Berg.

Zu seiner persönlichen Situation: Nach dem 1:1 gegen Darmstadt, dem vierten Spiel ohne Sieg, und einer Ausbeute von lediglich zwei Punkten, war er zunächst von Sportchef Gerhard Poschner in Sachen Taktik angezählt worden, in dieser Woche legte Präsident Gerhard Mayrhofer mit der Aussage „Ein Trainer ist auf Gedeih und Verderb dem Erfolg ausgeliefert“ nach. Verspürt Moniz noch die notwendige Rückendeckung? „Ich brauche keine Rückendeckung, die brauchst du nur, wenn du kein Vertrauen spürst. Und ich gehe auch nicht nach oben zum Schleimen, um mir Sicherheit zu holen. Natürlich habe ich gemerkt, dass mein Job von außen zur Disposition gestellt wurde, aber das muss ich akzeptieren. Allerdings hoffe ich auch, dass hier intelligente Leute sind, die das durchziehen, was wir uns vorgenommen haben und sich nicht von außen beeinflussen lassen. Denn natürlich will ich meinen Job nicht verlieren. Aber Angst habe ich nicht, das wäre ja ein schlechtes Zeichen an die Spieler.“

Zur Situation im Kader: Mit Angha Rama und Rodri stehen nach der zweiwöchigen Länderspielpause drei neue Spieler zur Verfügung, zudem sind alle anderen bis auf die langzeitverletzten Stahl und Hain sowie Vallori fit. „Ich werde wohl drei Spieler mit renommierten Namen zu Hause lassen müssen“, erklärte Moniz, „und gegenüber St. Pauli, die einige verletzte Spieler haben, kann es am Sonntag ein Vorteil für uns sein, dass bei uns alle fit sind.“

Zur Taktik und zum System: Moniz: „Man hat ja gesehen, dass ich im Training eine Variante mit zwei Stürmern, Okotie und Rodri, und dahinter Leonardo als Zehner ausprobiert habe. Es könnte sein, dass wir in St. Pauli so spielen, aber ich weiß es selbst noch nicht. Vielleicht spielen wir auch wieder im 4-3-3.“ Schließlich ist mit Valdet ­Rama ja auch extra noch ein Außenstürmer nachverpflichtet worden. Moniz: „Wir brauchen Rama.“

Moniz: In Salzburg wollte man ihn "killen"

Moniz: In Salzburg wollte man ihn "killen"

Ricardo Moniz wurde am 17. Juni 1964 in Rotterdam geboren. Er spielte in den 80er-Jahren für den RKC Waalwijk und HFC Haarlem in der Eredivisie sowie für den FC Eindhoven und Helmond Sport in der Eerste Divisie (Zweite Liga). Zudem war er einige Zeit beim belgischen Zweitligisten FC Eeklo aktiv. © dpa
Seine Trainerkarriere begann er 2005 als Technikcoach bei den Tottenham Hotspur in London. © afp
2008 wurde er vom damaligen HSV-Coach Martin Jol als Co-Trainer verpflichtet. Auch nach Jols Abschied blieb Moniz beim HSV und arbeitete unter Trainer Bruno Labbadia als Co-Trainer. © dpa
Nach Labbadias Entlassung im Frühjahr 2010 übernahm der Niederländer für ein paar Spiele den Cheftrainerposten, verpasste damals aber den Einzug ins Europa-League-Finale durch das Ausscheiden im Halbfinale gegen den FC Fulham. © dpa
Zur Saison 2010/11 wechselte Moniz als Nachwuchskoordinator zu Red Bull. Dort war er bis zum 8. April 2011 für die Jugendabteilungen der von Red Bull geführten und gesponserten Vereine FC Red Bull Salzburg (Österreich), RB Leipzig (Deutschland), New York Red Bulls (USA), Red Bull Brasil (Brasilien) und Red Bull Ghana (Ghana) tätig. © dpa
Am 8. April 2011 wurde er nach der Trennung von Huub Stevens zum Cheftrainer der ersten Mannschaft von FC Red Bull Salzburg ernannt und bis Saisonende 2010/11 mit den Aufgaben des Sportdirektors betraut. Anfang Mai 2011 wurde er zusammen mit Niko Kovac als Co-Trainer für zumindest weitere zwei Jahre als Trainer bestätigt. In Moniz' erster voller Saison als Chef-Trainer gewann Red Bull Salzburg zum ersten Mal das Double bestehend aus Meisterschaft und Pokal. © dpa
Am 12. Juni 2012 erklärte Moniz seinen sofortigen Rücktritt bei Red Bull Salzburg. Massive Differnezen mit der Klubführung hätten ihn dazu veranlasst, erzählte Moniz später. Zahlreiche Intrigen im Klub hätten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht. "Manche in Salzburg haben versucht, mich zu killen", zitiert ihn die "Süddeutsche Zeitung". Sein Fazit der Arbeit für Red Bull: "Ich habe bei Red Bull nur Streit gehabt." © dpa
Nach der unglücklichen Zeit in Österreich zog Moniz weiter gen Osten, wo er zunächst in Ungarn Ferencvaros Budapest (August 2012 bis Dezember 2013) und dann in Polen Legia Danzig betreute. In Budapest wurde Moniz wegen Erfolglosigkeit entlassen. © dpa
Moniz gilt als Anhänger von Wiel Coerver, der wegen seiner fortschrittlichen Trainingsmethoden auch als „Albert Einstein des Fußballs“ bezeichnet wurde. Der niederländische Fußballlehrer verstarb im April 2011. © dpa
Aus Salzburg wird die Geschichte überliefert, dass Moniz einmal trotz einer Negativserie mit sieben Niederlagen in Folge trotzdem an seiner Philosophie mit einem 4-3-3 festhielt, obwohl diverse Kritiker ihn dazu aufforderten, die Taktik zu ändern beziehungsweise anzupassen. "Du musst immer deiner Philosophie treu bleiben", sagte Moniz damals. © AFP

Zu den Defensivproblemen: 1860 hat mit neun Gegentoren die zweitmeisten in der Liga kassiert und noch viele gute Chancen zugelassen. Moniz: „Es sind zu viele Gegentore, wir müssen kompakter werden. Und angreifen kannst du ohnehin nur, wenn du defensiv denkst.“ Er wird wohl zwei Neue auf den Außenverteidigerpositionen bringen. Rechts Martin Angha (Moniz: „Ein Modellathlet“) und links den wiedergenesenen Wojtkowiak.

Zu den Zielen: Moniz: „Ich habe gesagt, dass wir Meister werden wollen, weil das für den Verein ein tolles Ziel ist. Und mit dem jetzigen Kader ist auch noch alles drin. Und „mit alles“ ist nur das Positive gemeint…“

tz

Auch interessant:

Meistgelesen

Ziereis und Steinhart zurück bei Sechzig - Volland war involviert
Ziereis und Steinhart zurück bei Sechzig - Volland war involviert
Die 1860-Kabine in der Allianz Arena: Ungewöhnliche Einblicke
Die 1860-Kabine in der Allianz Arena: Ungewöhnliche Einblicke

Kommentare