Wird es ein Goldener November?

Aufstiegsgefahr! Köllners Löwen mit Zwei-Punkte-Schnitt

Die Löwen siegen - sehr zur Freude von Trainer Michael Köllner
+
Die Löwen siegen - sehr zur Freude von Trainer Michael Köllner

Nach dem Derbysieg im Sportpark hat 1860 vier Heim- und zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Bauen die Löwen nun ihren Spitzenplatz in der Tabelle aus? Erstmals in dieser Saison gab es kein Gegentor. 

Bekanntlich ist Manni Schwabl ein erstklassiger Gastgeber, der auch ein erstklassiger Wirt geworden wäre, wenn er sich nicht für das Präsidentenamt bei der SpVgg Unterhaching entschieden hätte. Gegnerische Trainer wie den 1860-Coach Michael Köllner (nach dem beigelegten Jugendstreit) heißt Schwabl im Sportpark ebenso willkommen wie Rentner, Familien und ablösefreie Stürmer (Sascha Mölders im Sommer). Es war also kein Wunder, dass in der Halbzeitpause des Lokalderbys Gratis-Leberkassemmeln an die Tribünenbesucher verteilt wurden. Nervennahrung für die 150-köpfige Haching-Delegation, die ansonsten wenig Grund zur Freude hatte an einem kalten, verregneten und am Ende auch punktelosen Montagabend (0:2).

Die Löwen dagegen waren genügsame Gäste: Kamen ohne Fans, fuhren sachlich drei Punkte ein – und führten am Ende ein Freudentänzchen auf, das aber kurz genug ausfiel, um den vor dem Spiel als „Pitch of the Year“ ausgezeichneten Sportpark-Rasen nicht über Gebühr zu belasten. Bereits im Spiel hatten die Löwen so leichtfüßig gewirkt, dass es am Ende kaum Zweifel gab an der Rechtmäßigkeit ihres vierten Derbydreiers in Folge. Kapitän Sascha Mölders erzielte dabei nicht nur das letzte Tor (zum 2:0/84.) – er erntete auch keinen Widerspruch, als er in die Kameras von Magenta-TV sagte: „Wir glauben an unsere eigene Stärke. Am Ende haben wir verdient gewonnen. Ich habe noch nie gegen Unterhaching verloren. Jetzt sind wir voll dabei. Jeder Sieg gibt dir Selbstvertrauen.“

Ausdruck dieses neuen Selbstvertrauens ist Platz 1 in der Tabelle – und das erste Zu-Null der Saison, das auch Hasan Ismaik in seinem obligatorischen Jubel-Facebook-Post aufgriff. „Was Michael Köllner nach diesem Sieg besonders freuen wird, ist die Tatsache, dass 1860 auch Spiele ohne Gegentor gewinnen kann“, schrieb der Investor und schlussfolgerte: „Das ist ein Fortschritt.“ Zudem wagte Ismaik eine Prognose, die ihm noch vor Kurzem als Kühnheit ausgelegt worden wäre: „Euer Fleiß wird sich am Ende auszahlen.“

Bei genauer Betrachtung zahlt er sich jetzt schon aus. Wo Generationen von 1860-Teams früher regelmäßig in einer Herbstdepression versanken, winkt den erstarkten Giesingern nun ein Goldener Herbst. Bis zum 28. November, wenn das nächste Derby ansteht (Türkgücü), könnten die Löwen im Idealfall ihre Spitzenposition in der Tabelle ausbauen: Vier Heimspiele stehen in rascher Abfolge an, beginnend mit den schwach gestarteten Duisburger am Halloween-Samstag. Am 7. bzw. 21. November geht es gegen Halle und Uerdingen (Platz 12 bzw. 14). Dazu kommen zwei Auswärtsfahrten, bei denen selbstbewusste Köllner-Schützlinge weitere Duftmarken setzen könnten. Eines dieser Auswärtsspiele führt 1860 nach Dresden, zum noch nicht so überzeugenden Topfavoriten (15. November). Ähnlich spannend könnte der andere Auftritt in die Fremde werden – am Dienstag, 24. November, geht es zum Überraschungsaufsteiger Verl, der am letzten Spieltag mit 2:1 in Saarbrücken, beim anderen starken Aufsteiger, gewonnen hat.

18 Punkte werden an den nächsten 31 Tagen vergeben, und gemessen werden die Löwen fortan an ihrem bisherigen Schnitt von zwei Punkten pro Partie. „Fluch der guten Tat“ hat Köllner die gestiegene Erwartungshaltung genannt. Am Montag, nach dem 2:0 im Derby, wirkte er entsprechend erleichtert: „In Haching zu Null zu spielen, ist eine bärenstarke Leistung. Das ist eine gute Mannschaft, die uns alles abverlangt hat.“

Auswärts ist bei Köllner sowieso alles top: In diesem Ranking belegt 1860 Platz 2 – punktgleich mit Wehen. Zu Hause dagegen ist die Bilanz ausbaufähig. In der aktuellen Heimtabelle belegen Mölders und Co. Platz 9 – knapp unter Haching. Der nächste Entwicklungsschritt wäre nun, auch die Heimspiele ohne Fans zu gewinnen. Nur dann kann es wirklich ein Goldener November werden.

Auch interessant:

Kommentare