Nach 1:2 gegen Rostock

Löwen im Trotzmodus: „Wir halten die Klasse“

Guter Auftritt, aber keine Punkte: Die Löwen waren in Rostock glücklos. Nur Mölders (Mitte) traf.
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Guter Auftritt, aber keine Punkte: Die Löwen waren in Rostock glücklos. Nur Mölders (Mitte) traf.

Für den TSV 1860 München wird die Luft nach der Pleite gegen Hansa Rostock immer dünner. Die Bierofka-Elf gibt sich aber noch lange nicht geschlagen.

München – Nostalgie gehört beim TSV 1860 bekanntlich zum Überlebensprogramm. An was sonst könnten sich die Fans seit zwei Jahrzehnten festhalten, gäbe es nicht die Meisterschaft von 1966, die Rückkehr in die Bundesliga 1994 oder die Derbysiege um die Jahrhundertwende?

Auch ein Stuttgarter Autobauer mit Stern scheint die alten Zeiten den neuen vorzuziehen. Die Werbepost an die Grünwalder Straße ist jedenfalls noch immer an Karl-Heinz Wildmoser adressiert (wie einem Vertreter unserer Zeitung kürzlich auffiel). 1860, die Karteileiche der Bundesliga?

In Sachen Frust können es die Löwen der Jetztzeit mit denen der späten Wildmoser-Jahre locker aufnehmen. Was dem Patriarchen regelmäßig die Lebensqualität raubte, passiert jetzt zwei Klassen tiefer: Schlechte Spiele führen zu verdienten Niederlagen, ordentliche Spiele zu unverdienten. Konstant ist nur die Enttäuschung. Und die Zweifel werden nicht weniger. Wenn jetzt schon die guten Auftritte keine Punkte mehr bringen …

Bierofka: „Wir dürfen den Kopf nicht runternehmen“

„Es hat heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen, sondern die glücklichere und effektivere“, bilanzierte Rostocks Trainer Jens Härtel nach dem Spiel, das sein Team nicht zuletzt dank des überragenden Torwarts Markus Kolke mit 2:1 (1:0) gewonnen hatte. Löwen-Trainer Daniel Bierofka blieb nach der dritten Niederlage in Folge nur die Feststellung, „dass wir nicht viel falsch gemacht haben“. Auch nach dem 0:2 sei seine Mannschaft nicht eingeknickt, sondern habe den Anschlusstreffer durch Sascha Mölders und in der Nachspielzeit beinahe noch den Ausgleich erzielt, als Kolke gegen Mölders’ wuchtigen Nahdistanz-Kopfball zur Stelle war. Bierofkas lapidarer Ausblick: „Wir dürfen den Kopf nicht runternehmen – dann wird’s nicht besser.“

Erhobenen Hauptes wartet am kommenden Samstag Aufsteiger Viktoria Köln, der bereits sechs Punkte mehr gesammelt hat als die Löwen. Das weitere Programm für 1860 hat durchaus Gruselpotenzial: Tabellenführer Halle auswärts, gefolgt von den beiden Derbys gegen Bayern II (24.11.) und Haching (1.12.). Die „solide, sorgenfreie Saison“, von der Sportchef Günther Gorenzel unlängst als Zielvorgabe gesprochen hatte, bleibt zumindest in der Hinrunde eine Wunschvorstellung.

Und die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Nachdem sich die Rückkehr von Efkan Bekiroglu wegen Problemen mit dem Narbengewebe im Oberschenkel verzögert, wird Bierofka am kommenden Wochenende eventuell ohne Stamm-Linksverteidiger und Standardschützen Phillipp Steinhart auskommen müssen. Der Dachauer knickte am Samstag nach einer halben Stunde um und musste ausgewechselt werden. Eine MRT-Untersuchung ergab: Kapselverletzung im Sprunggelenk. Weil diese aber konservativ behandelt werden kann, könnte er bereits gegen Köln wieder spielen. Ersatz Leon Klassen gab bei beiden Gegentoren eine unglückliche Figur ab, ehe er Mölders’ Sitz-Abstauber mit seinem abgewehrten Schuss quasi vorbereitete.

Der Torjäger auf Abschiedstournee verkörpert Frust, Trotz und Hoffnung wie kein zweiter Spieler im Kader der Löwen. Gestenreich zeternd nach missglückten Flanken, mitreißend in Einsatz und Körpersprache – und vor dem Mikrofon ein unerschütterlicher Optimist: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir die Klasse halten wollen. Darum wird’s bis zum letzten Spieltag gehen. Und am Ende werden wir die Klasse halten.“ Überzeugter hat auch ein Wildmoser selten geklungen.

In der trüben Gegenwart des TSV 1860 München sind die Nerven von Coach Daniel Bierofka angespannt. Denn der Rest des Jahres hat es in sich - und das weiter ohne die Langzeitverletzten der Löwen.

Martin Max wurde beim TSV 1860 München zweimal Torschützenkönig. Dass die Löwen nun drittklassig sind, liegt für ihn vor allem an einer Person.

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