Schneider: "Zwei, drei Spieler sollen noch gehen"

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Löwen-Vize Dieter Schneider.

München - 1860-Vizepräsident Dieter Schneider verrät, dass in der Winterpause noch Spieler den Verein verlassen sollen. Was die Lizenz des Klubs angeht, ist er positiv gestimmt, wie das tz-Interview zeigt.

Am Dienstagnachmittag versammelte Trainer Reiner Maurer die Löwen an der Grünwalder Straße zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Eine Rückrunde mit vielen Fragezeichen. Welcher Spieler wird nach Kaiser, Uzoma und Barros noch abgegeben? Gelingt es dem Verein, am 13. Januar für die von der DFL geforderten 5,3 Millionen Euro geradezustehen? Drohen weitere Punktabzüge? Und: Haben sich Reiner Maurer und Miki Stevic (urlaubt derzeit in Dubai) endlich so richtig lieb? Die tz bemühte sich darum, schon jetzt einige Antworten zu finden. Und fragte nach: Beim Sanierungsbeauftragten und Vizepräsidenten Dieter Schneider.

Mögliche Verkäufe: Welche Spieler könnten das 1860-Finanzloch stopfen?

Klar war schon länger, dass die Löwen finanziell schwer angeschlagen sind. Doch seit dem Punktabzug der DFL ist auch dem Letzten klar: Im Winter müssen die Löwen auch durch Spielerabgänge Geld machen - mal wieder. Entweder sollen Ablösen das Finanzloch stopfen - und/oder aber Gehaltseinsparungen. Diese Spieler könnten die Misere eindämmen. © 
Mathieu Béda: Der Franzose wurde zur U 23 strafversetzt, nachdem ein Wechsel im Sommer gescheitert war. Unter Coach Reiner Maurer wird er kein Profi-Spiel mehr machen. Und: Er soll zu den Großverdienern zählen. Die Löwen würden ihn nur zu gerne von der Gehaltsliste bekommen, müssen jedoch befürchten, dass er seinen Vertrag aussitzt. Dennoch: Ewald Lienen will den Franzosen nach Bielefeld lotsen. © sampics
Antonio Rukavina
Antonio Rukavina (26): Bereits im Sommer stand der Serbe zum Verkauf. Ein Wechsel (angeblich nach Holland) scheiterte am letzten Tag. Eigentlich brauchen die Löwen den Rechtsverteidiger - aber wenn das Angebot stimmt ... © dpa
Alexander Ludwig: Der Standard-Spezialist bekommt von Coach Reiner Maurer viel Lob, aber wenig Einsatzzeiten. Einen hohen Preis auf dem Markt würde er wohl derzeit nicht erzielen - aber wie bei vielen anderen gilt: Vielleicht hilft sein eingespartes Gehalt. © sampics
Alex Ignjovski
Aleksandar Ignjovski (19): Der kleine Serbe ist bei den Löwen Dreh- und Angelpunkt im defensiven Mittelfeld. Er hat bereits einen Vorvertrag beim AC Florenz - doch wenn jemand mehr bietet, wäre dieser nichtig. © dpa
Djordje Rakic
Djordje Rakic (24): Der Serbe ist erst seit dieser Saison fest angestellt bei den Löwen. Sorgte zu Beginn der Saison für Aufsehen, als er in den ersten vier Spielen vier Mal traf. Inzwischen ist er im Formtief. Dennoch wäre er wohl noch einer der Spieler, die am meisten Ablöse einbringen könnten. © Sampics
Florin Lovin (28): Noch vor einem Jahr galt Lovin als der Charakterspieler bei den Löwen. Unter Ewald Lienen im defensiven Mittelfeld gesetzt, warf ihn einen schwere Verletzung weit zurück. Bei Trainer Reiner Maurer hat Lovin einen schweren Stand. Bereits im Sommer gab es Anfragen für den Rumänen. Richtig viel würde er aber nicht erlösen. © Getty
Stefan Aigner (23): Der Publikumsliebling hätte bereits im Sommer nach Stuttgart gehen sollen. Er ist einer der Spieler, für den die Löwen wohl am meisten Ablöse aufrufen könnten. © sampics
Mate Ghvinianidze (23): Unter Trainer Reiner Maurer ging die Formkurve des Georgiers zuletzt wieder nach oben. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Deswegen würde ein Verkauf wohl nur wenig Geld einbringen. © sampics
Philipp Tschauner: Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, ein Wechsel im Sommer nach England scheiterte. Bei einem entsprechenden Angebot im Winter würden ihm die Löwen sicherlich keine Steine in den Weg legen und Vitus Eicher oder Björn Bussmann zum Reservekeeper befördern. © Getty
Benny Lauth (29): Der Vertrag des Publikumslieblings läuft im Sommer aus. Zudem wird er im Sturm gebraucht. Es ist also nicht zu erwarten, dass er die Lösung der finanziellen Probleme ist. © dpa
Kevin Volland: Der 18-Jährige ist aktueller Stürmer Nummer 3 bei den Löwen - und hochtalentiert. Das ist auch anderen Vereinen nicht verborgen geblieben. Eventuell macht ja einer seinen Geldbeutel weit genug auf, sodass die Löwen schwach werden. © Getty
Man könnte noch weitere aufzählen, etwa Dominik Stahl. Der Beinahe-Verkauf von Stefan Aigner im Sommer hat gezeigt, dass die Löwen auch nicht davor zurückschrecken würden, absolute Leistungsträger zu verkaufen. Nicht weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen. Am Ende ist bei einem finanziell angeschlagenen Verein ein Verkauf wohl immer eine Frage des Preises. Vertrauen wir Stevic, Niemann & Co., dass sie das Loch stopfen, ohne dass es allzuviel spielerische Substanz kostet. © Getty
Tarik Camdal: Für den Mittelfeldmann gibt es laut Miki Stevic Anfrage aus der Türkei und aus der Schweiz © sampics

Herr Schneider, das erste Training, und Sie sind auch schon wieder da. Kommen Sie überhaupt nicht los von den Löwen?

Schneider (lacht): Wo soll ich denn hin? Ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte. Nein, es gibt auch noch einiges auf der Geschäftsstelle zu tun.

Zum Beispiel in Sachen Transfers. Wie viele Spieler müssen oder sollen im Rahmen des Sanierungsplans den Verein im Winter noch verlassen?

Schneider: Zwei, drei. Es wird sich in den nächsten Tagen sicher noch das ein oder andere tun. Sonst wären die Gespräche und Planungen im Vorfeld ja umsonst gewesen.

An wen ist dabei gedacht?

Schneider: Namen nenne ich nicht, aber auf Positionen, auf denen wir zwei- oder dreifach besetzt sind, wollen wir sicher etwas machen. Wobei der Markt derzeit sicher nicht gerade prickelnd ist. Wenn man hört, dass ein Demichelis für drei Millionen gehen kann oder ein Torjäger wie Almeida Werder Bremen für zwei Millionen verlassen darf, dann weiß man um die Lage.

Könnte es sein, dass Sie Spieler ablösefrei ziehen lassen?

Schneider: Das kommt darauf an, wie lange die Vertragslaufzeit ist und welche Gehaltseinsparungen möglich sind. Aber es ist nicht so, dass wir Spieler auf Gedeih und Verderb loswerden müssen.

Wird es noch weitere Kündigungen auf der Geschäftsstelle geben?

Schneider: Bestimmt nichts Außergewöhnliches. Ich habe immer gesagt, dass dort nicht das große Schlachten stattfinden wird. Ein, zwei Leute wollen sich aus persönlichen Gründen noch verändern, das ist der Idealfall. Ersetzen werden wir sie nicht.

Besuch vom Ex-Löwen und ein Youngster im Fokus: Tag 1 und 2 beim 1860-Training

Schluss mit Ferien! Seit Dienstag wird beim TSV 1860 wieder trainiert. Am ersten Tag wurde noch Kraft und Kondition gebolzt, am zweiten wurde es angenehmer für die Spieler. Sehen Sie selbst! © sampics
Reiner Maurer zeigte sich am Dienstag gut gelaunt. © sampics
Nach der Einheit im Kraftraum ... © sampics
... ging's zum Laufen an die Isar. © sampics
Kälte hin oder her! © sampics
Vollzählig war die Mannschaft - mit dem Amateuren Markus Ziereis, Julian Ratei und Daniel Hofstetter (von links) - aber noch nicht. © sampics
Kenny Cooper lag am Dienstag noch mit einer Grippe in Texas © sampics
Djordje Rakic pustet durch © sampics
Youngster unter sich: Markus Ziereis, Julian Ratei und Daniel Hofstetter durften mitmachen © sampics
Mate Ghvinianidze absolviert Übungen in Sachen Treffsicherheit. © sampics
Aleksandar Ignjovski © sampics
Konditionstraining ist nicht angenehm. © sampics
Aber es muss sein. © sampics
Sie laufen und laufen ... © sampics
... und laufen. Feierabend für Tag 1! © sampics
Tag 2 der Wintervorbereitung stieg am Mittwoch! © sampics
Und endlich wurde mit dem Ball gearbeitet. © sampics
Aleksandar Ignjovski © sampics
Gabor Kiraly © sampics
Florin Lovin © sampics
Antonio Rukavina, Florin Lovin und Aleksandar Ignjovski © sampics
Kalt ist's! © sampics
Doch einer wie Benny Lauth steckt das weg. © sampics
Lauth hat sich für die Rückrunde einiges vorgenommen. © sampics
Coach Reiner Maurer © sampics
Ein Youngster im Fokus: Julian Ratei © sampics
Der 22-Jährige darf vorerst bei den Profis mitmachen. © sampics
Dabeisein ist alles? © sampics
Vielleicht wird ja mehr daraus. © sampics
Reiner Maurer wird genau hinsehen, wie der Amateur sich schlägt. © sampics
Ratei ist Rechtsverteidiger. © sampics
Bereitet man sich bei den Löwen schon auf einen Rukavina-Abgang vor? © sampics
Ratei beim Schuheputzen. © sampics
Der 22-Jährige hat allen Grund für gute Laune. © sampics
Verschneit ist's an der Grünwalder Straße. © sampics
Stefan Aigner © sampics
"Aiges" will in der Rückrunde nach seiner Verletzung wieder voll angreifen. © sampics
Philipp Tschauner © sampics
Besuch vom Ex-Löwen: Michael Hofmann schaute vorbei. Der 38-jährige Keeper spielt inzwischen in der 3. Liga bei Jahn Regensburg. © sampics
Hier spricht er mit Philipp Tschauner. © sampics
Hier mit Benny Lauth © sampics
Man kennt sich und schätzt sich. © sampics
Gilt auch für Stefan Aigner. © sampics
Aufgalopp zu einer hoffentlich gelungenen Rückrunde! © sampics

Haben sich jetzt alle Spieler in Sachen Gehaltsverzicht erklärt? Und ist mittlerweile jeder mit zehn Prozent weniger einverstanden?

Schneider: Nein. Aber das haben wir ja in unsere Planungen miteingebaut. Wir sind schließlich keine Fantasten.

Erfahren die Spieler, die mit weniger einverstanden sind, wer auf sein bisheriges Gehalt besteht?

Schneider: Das kannst du nicht geheim halten. So was kommt immer raus.

Könnte schlecht fürs Klima sein…

Schneider: Nicht, wenn die Spieler sehen, dass der Verein dann vernünftig reagiert.

Wie soll das aussehen?

Schneider: Es muss Gerechtigkeit herrschen, da stehen wir im Wort. Und wer weiß, vielleicht überlegt es sich der ein oder andere dann doch noch, mit weniger Gehalt einverstanden zu sein…

Haben Sie es eigentlich mal bereut, das Amt des Vizepräsidenten mit dieser speziellen Aufgabe angenommen zu haben?

Schneider: Es gab Tage, da hatte ich auch so meine Durchhänger. Ich will jetzt nicht von Existenzdruck reden, der einen plagt, sondern das Ganze mehr einen Zielerreichungsdruck nennen. Und jetzt, wo Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist, sage ich: Die Sache ist es wert gewesen.

Sie sind also zuversichtlich, dass 1860 am 13. Januar vor der DFL bestehen kann?

Schneider: Merken Sie das nicht an meiner entspannten Stimmung? Wir sind mit allen Planungen und Gesprächen so weit, wie vorgesehen.

Glauben Sie eigentlich, dass der Aufstieg noch möglich ist?

Schneider: Wir sind noch in Blickkontakt, aber die Heimniederlage gegen Paderborn war schon sehr enttäuschend.

Konnten Sie in den paar Tagen Weihnachtsurlaub wirklich abschalten?

Schneider: Vom Nachmittag an Heiligabend bis zum 2. Feiertag habe ich kein einziges Telefonat wegen 1860 geführt. Sondern in meinem Ferienhaus in Österreich entspannt und mit meinen Kindern und Enkeln Mau-Mau und Mensch ärgere dich nicht gespielt.

Claudius Mayer

Quelle: tz

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