1. hallo-muenchen-de
  2. Sport
  3. 1860 München

TSV 1860: Brüder-Duell im Grünwalder - „Familienkrach ist nicht zu befürchten“

Erstellt:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Einer stürmt, einer verteidigt: Yannick Deichmann war schon als Kind „eher offensiv“ – im Gegensatz zu Bruder Leon, der am Samstag mit Aufsteiger Oldenburg anreist
Einer stürmt, einer verteidigt: Yannick Deichmann war schon als Kind „eher offensiv“ – im Gegensatz zu Bruder Leon, der am Samstag mit Aufsteiger Oldenburg anreist © IMAGO

Es ist ein Familientreffen der besonderen Art. An einem besonderen Ort. Samstag, 14 Uhr, Grünwalder Stadion, 800 km südlich von Hamburg.

München – Hendrik Deichmann hat seinen Platz in der Stehhalle bereits gebucht, ebenso einen Flug – der NDR muss an diesem Wochenende ohne seinen erfahrenen HSV-Reporter planen. „Jetzt hoffe ich, dass die Lufthansa nicht streikt“, sagt der 57-Jährige, der neugierig ist auf ein Duell, das er kennt wie niemand sonst:

Für den NDR am Mikro:
HSV-Reporter Hendrik
Deichmann.
Für den NDR am Mikro: HSV-Reporter Hendrik Deichmann. © Imago

Yannick gegen Leon. Gab es schon vor 20 Jahren im Garten der Familie im Elbvorort Blankenese. Neu ist, dass dieses Brüderduell die 3. Liga erreicht hat. Yannick, 27, der Löwe, trifft auf den zweieinhalb Jahre jüngeren Leon, der im Sommer mit Oldenburg aufgestiegen ist.

TSV 1860: Deichmann wieder als Außenverteidiger?

Ein Deichmann kommt selten allein – und auch die, die nicht live dabei sein können, Mama Astrid und Tochter Josi, 29, nehmen Anteil. Im Familienchat, berichtet Leon, sei schon seit Tagen erhöhter Nachrichtenverkehr zu verzeichnen. „Da wird natürlich der eine oder andere flachsige Spruch gedrückt“, so der 25-jährige Deichmann grinsend: „Aber alles im Rahmen. Ein Familienkrach ist nicht zu befürchten, denn alle freuen sich darauf, dass dieses Duell nun erstmals im Profibereich stattfindet.“ Leons Erwartung: Er will endlich gewinnen, nachdem er bei den Aufeinandertreffen in der Regionalliga Nord stets den Kürzeren gezogen hat. „Mit Pauli II hab ich gegen Lübeck verloren, auch mit Lüneburg. Jetzt hoffe ich, dass am Wochenende ein paar Pünktchen aus München mitgehen.“

Einer stürmt, einer verteidigt: Yannick Deichmann war schon als Kind „eher offensiv“ – im Gegensatz zu Bruder Leon, der am Samstag mit Aufsteiger Oldenburg anreist.
Einer stürmt, einer verteidigt: Yannick Deichmann war schon als Kind „eher offensiv“ – im Gegensatz zu Bruder Leon, der am Samstag mit Aufsteiger Oldenburg anreist. © IMAGO/CB

Yannick Deichmann, der 1860-Profi, hat’s vernommen. Beim Interviewtermin vier Tage vor dem Spiel sitzt er da, lächelt entspannt – und blickt zurück auf die gemeinsame Kindheit im noblen Hamburger Westen, wo Fußball nicht so verbreitet war wie Golf und Tennis. „Wir haben schon immer viel Fußi gespielt“, berichtet er: „Nicht nur eins gegen eins im Garten, auch viel mit Freunden.“ Die Rollenverteilung schon damals: Yannick ist gestürmt, Leon hat versucht, Tore zu verhindern. „Er hat eher in der Defensive gespielt, ich eher in der Offensive“, so der Münchner Deichmann, „kann man schon so sagen. wobei ich ja mittlerweile auch mal defensiv spiele.“ Rechts hinten, auf der Problemposition der Löwen.

Deichmann-Brüder studieren Sportmanagement

Papa Hendrik, der es selber auch bis zur 4. Liga gebracht hat, war schon damals ein großer Förderer seiner fußballbegeisterten Söhne. „Wenn die Jungs die Chance haben, ihren Traum zu leben, dann unterstütze ich das“, sagt das Familienoberhaupt, das allerdings Bedingungen stellte: „Wichtig war mir, dass sie parallel studieren. Typisch Vater. Das Hobby zum Beruf machen ist ja schön und gut, aber das wahre Leben beginnt irgendwann.“ Deswegen sind die Fußballbrüder jetzt auch Kommilitonen: Sportmanagement an der Fern-Universität. Auch hier ist Leon auf der Überholspur, was die Scheine betrifft. Yannick gibt zu: „Ich studiere jetzt seit vier Jahren, mein Bruder erst seit einem Jahr oder zwei. Langsam muss ich mal wieder ranklotzen.“

Ranklotzen. Eine Tugend, die im Hause Deichmann generell großgeschrieben wird, auch auf dem Fußballplatz. „Ich glaube, dass Leon so wie ich immer versucht, 100 Prozent auf dem Platz zu lassen. Wenn das nicht der Fall ist, dann gab’s auch schon mal einen Spruch von meinem Vater – wenn er das Gefühl hatte, dass nicht alles rausgehauen wurde, was ging. So etwas prägt.“ Wie die Werte, die Papa Deichmann den Söhnen mit auf den Weg gegeben hat: „Das sind gute Jungs mit dem Herz am richtigen Fleck. Drei Kinder, zwei Hunde. Da geht’s viel um Teamgeist, ums Füreinanderdasein. Viel Blick für den Mitmenschen, weniger um Ellbogen. Beide unterstützen sich toll.“

TSV 1860: Stolpern die Löwen gegen Oldenbourg?

Nur nicht am Samstag, wo Leon seine persönliche Bilanz aufbessern will – mit einem Aufsteigerteam, vor dem Yannick Respekt hat. Seine Beobachtung: „Die wollen schon versuchen mitzuzocken. Da wird kein Bus im Strafraum geparkt.“ Siehe das jüngste Ergebnis im Landespokal Niedersachsen: „5:0 in Meppen – ist natürlich eine Ansage.“

Zumindest für Papa Deichmann steht schon jetzt fest, dass es am Samstag keinen Verlierer geben wird – und keinen geben darf: „Als Vater wünscht man sich natürlich ein Unentschieden. Und dass alle gesund bleiben.“ (ulk)

Auch interessant

Kommentare