TSV 1860 und SpVgg Unterhaching erleichtert

3. Liga startet! Abfuhr für die Schlussmacher

Am Ende durfte er aufatmen: Präsident Fritz Keller beim ersten virtuellen Bundestag der DFB-Geschichte.
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Am Ende durfte er aufatmen: Präsident Fritz Keller beim ersten virtuellen Bundestag der DFB-Geschichte.

Der DFB-Bundestag hat mit großer Mehrheiit für die Saison-Fortsetzung in der 3. Liga gestimmt. Die Münchner Vereine nehmen die Entscheidung wenig überraschend positiv auf.

VON FRANK HELLMANN
UND JAN CHRISTIAN MÜLLER

Meckenheim – Am Ende, nach fünfstündiger Sitzung, herrschte Erleichterung. Denn es hatte technisch alles bestens funktioniert mit dem Abstimmungstool und der Übertragung beim ersten virtuellen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Und auch abgestimmt wurde so, wie es sich die hohen Herren, die in einer Halle des technischen Providers in Meckenheim bei Bonn hockten, erhofft hatten. Das aus Sicht des Präsidiums schlimmste Szenario für seine höchste Spielklasse konnte abgewendet werden: Eine überwältigende Mehrheit von 95 Prozent der 253 Delegierten stimmte für eine Saisonfortsetzung der Dritten Liga.

DFB-Abstimmung: Nur zwölf Nein-Stimmen

Zwölf Nein-Stimmen und 16 Enthaltungen gaben die Zerrissenheit zwischen den Vereinen nicht annähernd wider. Das Votum ist für den DFB als Aufforderung zu verstehen, die 3. Liga wie geplant am Pfingstwochenende ins Fahrwasser der beiden Lizenzligen zu bringen. Gleichzeitig ist nun bei einem späteren Saisonabbruch der DFB-Vorstand ermächtigt, Regelungen für Auf- und Abstieg sowie Änderungen des Wettbewerbsmodus‘ zu treffen. Im Eilverfahren wurde der Spielleiter ermächtigt, einzelne Partien binnen 72 Stunden anzusetzen. Das war vorher nicht erlaubt.

TSV 1860 erleichtert - Gorenzel: „Vernunft hat gesiegt“

Beim TSV 1860 wurde das Ergebnis mit Erleichterung aufgenommen. Sportchef Günther Gorenzel sprach von einem „unmissverständlichen Abstimmungsergebnis“ und dankte allen Delegierten, die im Sinne des Sports votiert hatten. „Dass knapp 95 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder für die Fortführung der 3. Liga gestimmt haben, zeigt uns, dass die Vernunft gesiegt hat“, sagte er. Haching-Boss Manni Schwabl sagte: „Eine ganz klare Entscheidung pro Leistungssport, pro Wettbewerb. Ich hoffe, dass die Gegner dieses mehr als deutliche Votum akzeptieren werden.“

Da DFB-Vize Rainer Koch zunächst die Mehrheit für die 3. Liga zustande brachte (derselbe Beschluss für die Frauen-Bundesliga war später nur Formsache), kamen die Anträge des Sächsischen Fußballverbandes und aus Sachsen-Anhalt gar nicht erst zur Abstimmung, die Saison abzubrechen. Klar fiel auch das Ansinnen des Saarländischen Fußballverbandes durch, die eingleisige 3. Liga in zwei Staffeln mit je 18 Vereinen aufzuspalten. Der für die Spielklasse zuständigeTom Eilers hatte zuvor gewarnt: „Wir zerstören dann noch das gute sportliche Bild. Und wenn wir die Liga aufblähen, wird sie nicht besser, sondern schlechter vermarktbar.“

DFB-Vertreter können nicht für Folgen der Pandemie haftbar gemacht werden

Koch hatte – deutlich präziser als der abermals in seiner Grundsatzrede fahrig wirkende Präsident Fritz Keller – ermahnt, dass in der höchsten DFB-Spielklasse, für die eine Task Force „Wirtschaftliche Stabilität“ ins Leben gerufen worden ist, weitergespielt werden muss. Er habe keinerlei Verständnis dafür, wenn die DFL-Zentrale „mit Anwaltsschreiben bombardiert wird“. Wenn die Bundesländer mehrheitlich den Spielbetrieb erlauben würden, „können wir nicht abbrechen“. Daran würden auch anderweitige Verfügungslagen in zwei, drei Bundesländern nichts ändern. In diesem Zusammenhang womöglich wichtig, dass die DFB-Vertreter nicht für Folgen der Pandemie haftbar gemacht werden können. Auch das ergab eine Abstimmung.

„Den Anspruch, spielen zu wollen, sollten alle Profiligen haben – auch jene innerhalb des DFB“, sagte Peter Peters als zweitmächtigster Funktionär der Deutschen Fußball-Liga (DFL).Ligachef Christian Seifert sagte lieber nichts. Von DFB-Chef Keller bekam er ein Lob, dass das Hygiene- und Sicherheitskonzept bislang so störungsfrei funktioniert hätte: „Wenn die Sonne scheint, können viele glänzen. Wenn der Wind weht, nur die wenigsten.“

DFB finanziell gefährdet - tiefste wirtschaftliche Krise seiner Existenz

Ein Sturm braut sich über dem DFB in finanzieller Hinsicht zusammen. Schatzmeister Stephan Osnabrügge machte deutlich, dass die Pandemie die Rücklagen von einst 150 Millionen Euro auffrisst. Der Verband befinde sich in der „tiefsten wirtschaftlichen Krise seiner Existenz“. Sollten alle negativen Szenarien eintreten, könnte das bis zur „Existenzgefährdung“ führen. Allein 106 Millionen Euro hätten 2020 die Sponsoringeinnahmen bringen sollen, zusätzlich 60 Millionen die Erträge der A-Nationalmannschaft. Entsprechende Ausfallsicherungen haben nur für die im März abgesagten Länderspiele in Spanien und gegen Italien gegriffen – weitere Absicherungen kann der Verband nicht in Anspruch nehmen.

Vor dem Liga-Re-Start machte 1860-Keeper Hiller den Fans jetzt Hoffnung für die Rest-Saison.

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