1. hallo-muenchen-de
  2. Sport
  3. 1860 München

TSV 1860: Darum stockt Köllners Aufstiegs-Express – „Fokus auf unsere Aufgaben legen“

Erstellt:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Papalöwe: Abwehrchef Verlaat tröstet den jungen Lakenmacher – und geht auch auf dem Platz voran.
Papalöwe: Abwehrchef Verlaat tröstet den jungen Lakenmacher – und geht auch auf dem Platz voran. © B. Feil / M.i.S.

Der TSV 1860 befindet sich mitten in seiner ersten kleineren Krise. Drei Gründe, warum Köllners Aufstiegs-Express derzeit stockt.

München – Am Tag nach dem 1:2 gegen Ingolstadt wurde Robert Reisinger Augenzeuge der nächsten Heimpleite. Doch mit dem 0:3 der Volleyball-Löwen gegen Abomeister Berlin konnte der 1860-Präsident besser leben als mit dem enttäuschenden Auftritt der Drittligafußballer. „Die Niederlage gestern war eingeplant“, sagte Reisinger über seinen Besuch in der Unterhachinger Volleyballhalle, „und zumindest im ersten und dritten Satz hat die Mannschaft gut dagegengehalten. Da gab es keine Schmerzen. Über den Samstag kann ich das so nicht sagen …“

Sehr viel mehr wollte der Oberlöwe gegenüber unserer Zeitung nicht sagen, denn „auf Durchhalteparolen habe ich keine Lust“. In der momentanen Situation seien „salbungsvolle Worte des Präsidenten“ wenig hilfreich. Nur so viel noch: „Wenn wir wieder alle den Fokus auf unsere Aufgaben legen, werden wir das gesteckte Ziel auch erreichen.“ Wie das große Ziel lautet, ist allgemein bekannt. Wir nennen drei Gründe, warum der Aufstiegsexpress der Giesinger Fußballer zuletzt ins Stocken geraten ist.

TSV 1860: Träge Köpfe nach der Länderspielpause

Ist den Löwen ihr guter Saisonstart zu Kopf gestiegen? Vor den Tücken des süßen Lebens in München hatte seinerzeit bereits Miki Stevic, 52, gewarnt, Spieler und Sportchef in besseren 1860-Zeiten. Und tatsächlich: Die Länderspielpause – ausgerechnet zur Wiesnzeit – hat etwas gemacht mit Michael Köllners Spitzenreiterlöwen. Schon in Dortmund (beim 1:1) fehlte der letzte Tick Galligkeit, ebenso in der ersten Halbzeit gegen Ingolstadt.

Erfolg macht träge, heißt es. Wahlweise überheblich. Dass Lockerheit in Sorglosigkeit umschlagen kann, zeichnete sich bereits in der Freitagspressekonferenz ab, bei der der Cheftrainer den neben ihm sitzenden Stefan Lex interviewte – und sich einer der Teilnehmer an eine „Comedy-Veranstaltung“ erinnert fühlte. Vergeblich warnte Sportchef Günther Gorenzel davor, den Fokus ganz auf die sportlichen Aufgaben zu legen – ähnliche Worte, wie sie nun der Präsident wählte.

TSV 1860: Irritierende Personalien in der Startelf

Immerhin: Köllner redete nichts schön, als das Derby gegen Ingolstadt verloren war – „völlig zu Recht“, wie der Trainer zugab. Seine Mängelliste: „Wir haben zu langsam Fußball gespielt, waren zu statisch, dadurch konnte sich der Gegner immer wieder sortieren. Unser Spiel war aus der Viererkette zu behäbig und zu träge. Das ist nicht unser Spiel, den Ball nach vorne zu klopfen und auf den zweiten Ball zu hoffen.“ Das Fehlen einiger Routiniers (Lex, Steinhart, Bär) machte sich bemerkbar, und was fast noch schwerer wiegt: Ohne Leandro Morgalla, 18, den Jüngsten im Team, sind die Löwen eine Klasse schlechter. Spielaufbau, Wille, Aggressivität – all das bringt Morgalla ein, was zur Frage führt: Warum saß das Ausnahmetalent am Samstag 90 Minuten auf der Bank?

In Dortmund musste der Hochbegabte wegen einer Hüftblessur aussetzen, aber wenn er fit genug war für den Kader gegen Ingolstadt, müsste er einer alten Trainerregel zufolge auch fit genug gewesen sein, um zu spielen. Ein anderes Thema: Wie sinnvoll war es, in einem Kampfspiel auf Martin Kobylanski zu setzen, der für seinen feinen Fuß bekannt ist, aber nicht für energisch geführte Zweikämpfe? Bei Marcel Costlys Treffer zu Ingolstadts Führung zeigte sich, dass der Zehner derzeit, warum auch immer, das eher körperlose Spiel bevorzugt.

TSV 1860: Zu viele Formkrisen

Noch so eine alte Fußballweisheit: Ein, zwei formschwache Spieler lassen sich mitschleppen – schwierig wird’s, wenn das halbe Team Probleme hat, auf die volle Drehzahl zu kommen. Seit der Länderspielpause gibt es exakt einen 1860-Profi, der seine ganze Qualität zur Entfaltung bringt: Jesper Verlaat, der Abwehrchef. Der Rest: Ob es Tallig ist, Deichmann, Rieder oder Boyamba – fast alle Löwen bauen leistungsmäßig ab.

Oder stoßen an Grenzen wie der junge Lakenmacher, der kein Land sah gegen die robusten Ingolstädter. Verlaat ist es auch, der das Team jetzt aufbaut. Neben einem Foto, das zeigt, wie er Lakenmacher tröstet, schreibt er bei Instagram: „Mund abputzen und weitermachen.“ (ulk)

Auch interessant

Kommentare