Es riecht nach Insolvenz

So soll Ismaik die Löwen-Bosse unter Druck gesetzt haben

Ian Ayre ist schon weg - und was plant der Investor?
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Ian Ayre ist schon weg - und was plant der Investor?

Der Abstieg der Löwen ist besiegelt. Doch steht 1860 der nächste Skandal bevor? Angeblich soll Hasan Ismaik die Löwen-Bosse unter Druck gesetzt und Forderungen für Lizenz-Gelder gestellt haben.

Präsident und Geschäftsführer haben hingeschmissen, der Cheftrainer hat sich verabschiedet und die Lizenz für die Dritte Liga hängt am seidenen Faden. Der TSV 1860 gleicht nach dem Abstieg einem Trümmerhaufen. Wie es weitergeht an der Grünwalder Straße? Die tz bringt Sie auf den Stand der Dinge.

Investor: Bis Freitag, 15.30 Uhr, müssen die Löwen beim DFB insgesamt zwölf Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz nachweisen. Sollte Ismaik nicht bezahlen, ist die Insolvenz der Profi-KGaA praktisch nicht mehr abzuwenden. 1860 müsste in der kommenden Saison dann wohl in der viertklassigen Regionalliga antreten. „Gegebenenfalls hätten wir auch Platz für eine 19. Mannschaft in der Regionalliga“, sagt BFV-Präsident Dr. Rainer Koch.

Ismaik hatte die Bereitstellung des Geldes zuletzt an Bedingungen geknüpft, die für 1860 schwer bis nicht erfüllbar sind. Laut einer schriftlichen Korrespendenz, aus der die Süddeutsche Zeitung zitiert, fordert der Jordanier unter anderem die Übertragung des gesamten Jugendbereichs vom e.V. an die Profi-KGaA. Dazu will er das Weisungsrecht des e.V. an den KGaA-Geschäftsführer einschränken lassen, obwohl ihm dies von der DFL mit Verweis auf die 50+1-Regel bereits viermal abgelehnt wurde. Peinlich: Auch die Eingliederung der A-Jugend in die KGaA zählt zu den Forderungen. Ob Ismaik übersehen hat, dass ihm die bereits seit Jahren gehört?

„Bitte sehen Sie davon ab, weiter mit mir zu korrespondieren“

Der Anwalt des Investors schloss den Forderungskatalog laut Süddeutscher Zeitung wie folgt: „Bitte sehen Sie davon ab, weiter mit mir zu korrespondieren, sofern Sie nicht die vollständige und bedingungslose Bestätigung haben, dass sämtliche Bedingungen aus meinem Brief fristgerecht erfüllt werden.“ Den gewünschten Erfolg erzielte der Investor mit seiner Brechstangen-Taktik nicht. Trotzdem gibt er nicht auf. Mittwochabend meldete sich Ismaik bei Facebook: „Alles, was gestern passiert ist – einschließlich der Rücktritte von Ian Ayre und Peter Cassalette, zeigt, dass in unserem Verein vieles im Argen liegt. Das hat nichts mit meiner Person zu tun, sondern dieser Verein ist momentan geprägt von skrupellosen Machtkämpfen und internen Querelen, die es nun zu beseitigen gilt. Nur dann hat der TSV 1860 wieder eine Zukunft.“ Der Investor forderte außerdem: „Ich appelliere an alle Löwen-Fans, die ernsthaft und verantwortungsvoll am Wiederaufbau des TSV 1860 interessiert sind, sich mir bei der Umsetzung der nötigen Änderungen anzuschließen.“ Sprich: Die Opposition vom Hof zu jagen. Bis Freitag, 15.30 Uhr, dürfte es knapp werden …

Präsident: Um 22.49 Uhr am Dienstag informierten die Löwen über den Rücktritt von Peter Cassalette. Er wolle „einem Neuanfang nicht im Wege“ stehen, hieß es lapidar. Der Hintergrund der Demission ist nach tz-Informationen ein massives Zerwürfnis zwischen Cassalette und dem Ismaik-kritischen e.V.-Verwaltungsrat. Ob auch Haftungsfragen im möglichen Insolvenzfall eine Rolle spielen, blieb am Mittwoch unbeantwortet.

Geschäftsführer: Dass Ian Ayre die Brocken bereits vor dem entscheidenden Relegationsspiel hinschmiss, dürfte die Konsequenz aus Ismaiks unerfüllbarem Forderungskatalog sein. „Leider hatte ich während meiner achtwöchigen Amtszeit eine Organisation vorgefunden, in der die beiden Gesellschafter weder einheitliche Interessen haben noch eine gemeinsame Vision für die Zukunft des Klubs teilen“, teilte Ayre mit. „Daher gab es erhebliche Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Gesellschaftern in einer entscheidenden Phase, die es für mich unmöglich machten, mein Amt weiter auszuüben - obwohl das Budget für die nächste Saison bereits autorisiert war.“

Trainer: Vitor Pereira verabschiedete sich bereits am Dienstag bei der Pressekonferenz in der Arena („Das Projekt ist gescheitert“). Wer dem Portugiesen nachfolgen soll, hängt auch von der Liga ab, in der die Löwen in der neuen Saison antreten werden.

Mannschaft: Drittligaverträge haben nur sechs Spieler (Mauersberger, Ersatztorwart Engl, Weber, Pongracic, Karger und Jakob). Inwieweit sich die zwangsabgestiegene Regionalliga-Mannschaft zusammenhalten lässt, ist die Frage.

Über alle Entwicklungen beim TSV 1860 informieren wir Sie im News-Ticker.

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