Interview

Benny Lauth über die Dauerkrise beim TSV 1860 - „Weiterwurschteln bringt keinen Erfolg“

TSV 1860: Benny Lauth über die Dauerkrise bei den Löwen - Interview
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Kritischer Beobachter: Ex-1860-Torjäger Benny Lauth.

Benny Lauth spricht über die aktuelle Entwicklung bei den Löwen. Im tz-Interview sagt er: „Weiterwurschteln bringt keinen Erfolg“

München - Für den Streaming-Anbieter DAZN arbeitet Benny Lauth (38) als Experte und Co-Kommentator, auch die Farben des TSV 1860 spielen weiterhin eine Rolle im Leben des blauen Fan-Idols. Am vergangenen Wochenende war Lauth mit der Traditionsmannschaft der Löwen beim Legends-Cup in Antalya am Start - erst im Finale gegen Galatasaray Istanbul gab’s die erste Niederlage. Was Lauth über die aktuellen Löwen denkt, verrät er im tz-Interview. 

Benny Lauth, am Samstag tritt 1860 bei Hansa Rostock an. Erinnern Sie sich noch an den Siegtorschützen beim letzten Auswärtssieg? 

Lauth: Wenn Sie so fragen… 

Im November 2008 siegten die Löwen 1:0 im Ostsee-stadion, Sie trafen in der 77. Minute nach einem weiten Ball von Torben Hoffmann per Drehschuss. 

Lauth: Ja, ich erinnere mich. War das schon unter Ewald Lienen? 

Nein, damals saß noch Marco Kurz auf der Bank. 

Lauth: Okay, lange her. Dann war das Tor beim Ewald eine Saison später. Das war damals auch das 1:0. Aber da haben wir noch 1:2 verloren, jetzt bring ich’s wieder zusammen. 

Wie intensiv verfolgen Sie die Löwen noch? 

Lauth: Diese Saison war ich gegen Münster im Stadion und jetzt im Totopokal gegen Haching. Wenn’s geht, schau ich mir die Spiele im Stream oder Fernsehen an. Oder zumindest die Highlights. 

Benny Lauths Einschätzung zum TSV 1860 München

Davon gab’s zuletzt nicht viele. Speziell auswärts läuft kaum was zusammen. Ihre Einschätzung? 

Lauth: Mit Ausnahme von Mannheim und Magdeburg war’s immer knapp. Es sind Kleinigkeiten, die sich wiederholen und in der Summe so eine Bilanz ergeben. Wichtig ist, dass der Glaube nicht verloren geht. Das sagt sich jetzt einfach, aber du darfst die Serie nicht dein Denken bestimmen lassen. Daheim hat’s in den meisten Fällen ja auch geklappt. 

Gegen Uerdingen nicht mehr. Reicht das Fehlen von Efkan Bekiroglu als Erklärung? 

Lauth: Nein, aber er ist ein Faktor mit seiner Qualität. Er fordert immer den Ball,  hat Ideen - damit sticht er heraus. Auch in der letzten Rückrunde hat sich seine Rot-Sperre auf die Ergebnisse ausgewirkt. 

Da gab’s noch keinen -Timo Gebhart… 

Lauth: Timo muss über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei sein, um wirklich in Form zu kommen. Es hat seine Gründe, warum er in den letzten Jahren zwischen Liga drei und vier gependelt ist. Klar ist: Den Timo, den wir damals Ende 2008 zum VfB Stuttgart in die Champions League verabschiedet haben, werden wir so nicht mehr sehen. Aber er ist stark genug, um Sechzig in der Dritten Liga helfen zu können. 

TSV 1860 München: Benny Lauth über Mölders‘ Abschied

Sascha Mölders hat seinen Abschied zum Saisonende angekündigt. Wie groß wird die Lücke sein, die er reißen wird? 

Lauth: Zuerst: Ich bin mir sicher, dass der Sascha bis zum letzten Spieltag alles für Sechzig reinhauen wird. Und was danach kommt? Ich weiß es nicht. Treffsichere Stürmer kosten Geld. Der andere Weg wäre, jemanden aus der Jugend hochzuziehen. Aber einen Torjäger sehe ich da im Moment nicht. Maxi Oesterhelweg (aktuell im Probetraining) ist kein schlechter Spieler, aber er wird nicht auf einmal 20 Tore schießen. Also: Geld… 

..das im Gesellschafterstreit knapp ist. 

Lauth: Wenn es in Gesprächen um Sechzig geht, dann lautet die erste Frage immer: Bist du auf der Seite von Ismaik oder vom e.V.? Das ist keine Basis, um in Zukunft erfolgreich zu arbeiten. Da kann man jetzt entweder so lange warten, bis irgendwann 50+1 fällt. Oder man geht aufeinander zu und sucht nach einem gemeinsamen Nenner. Weiterwurschteln wie bisher wird sicher keinen Erfolg bringen. Kaiserslautern ist ein weiteres Negativbeispiel. Im Kontrast dazu zeigen Freiburg, Augsburg oder Mainz, wie es funktionieren kann. 

Wie beurteilen Sie das Restprogramm der Löwen bis Jahresende? 

Lauth: Rostock, Bayern II, Haching, Halle, Ingolstadt - auf den ersten Blick ist das ein Hammerprogramm. Aber das Gute ist, dass du diese Liga nicht tippen kannst, weil fast jeder jeden schlägt. Ich hoffe, dass es am Samstag für Sechzig den ersten Sieg in Rostock seit 2008 gibt. Die Mannschaft ist in meinen Augen gut genug, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. 

Interview: Ludwig Krammer

Es gibt Hoffnung auf ein neues Talent für die Löwen: Seit einer Woche spielt „Mini-Reus“ Maximilian Oesterhelweg beim TSV 1860 München vor. Bierofka spricht in den höchsten Tönen von ihm. Beweisen können sich die Löwen mit ihm gegen den FC Hansa Rostock am 26. Oktober. 

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