Schlaflose Nacht im Hamburger Hotel

Tschauner und die Masochisten-Masche

Auweia. Tschauner machte beim HSV "das schlechteste Spiel meiner Karriere".
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Auweia. Tschauner machte beim HSV "das schlechteste Spiel meiner Karriere".

Die Nacht war kurz für Philipp Tschauner. "Ich habe keine Minute geschlafen, das Spiel hat mir keine Ruhe gelassen".

Video: Das Pokal-Aus hat Tschauner um den Schlaf gebracht

So berichtete der Löwen-Keeper am Mittwochmorgen im Hamburger Flughafen der tz.

Drei Gegentore. An allen beteiligt. Ein Waterloo für jeden Torwart. Tschauner nahm die Bewältigung auf seine Weise in Angriff. Mit der Masochisten-Masche. Während Zimmerkollege Julian Baumgartlinger im Nebenbett schlummerte, sah sich der Torwart auf dem Laptop den neuen Will Smith Film an; „Sieben Leben“, ein düsteres Drama um Schuld und Sühne. Als Vorspeise kredenzte er sich einen Horror-Streifen: DFB-Pokal, HSV gegen Sechzig. In der Hauptrollen: Ivica Olic – und Philipp Tschauner.

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Video: Tschauner patzt - Spielt jetzt Hofmann?

„Ich habe mir vom Verein die DVD geben lassen und das ganze Spiel nochmal angeschaut“, berichtete Tschauner. „Speziell natürlich die Gegentore. Mit Zurückspulen. Damit ich alle Fehler nochmal vor Augen habe.“

Verstehen um zu vergessen? „Das ist meine Art, die Dinge aufzuarbeiten“, sagt Tschauner. „Du kannst aus allem lernen.“ Altmeister Michael Hofmann stimmt zu: „Ehrlichkeit zu sich selbst ist das Wichtigste in diesem Beruf. Philipp ist ein junger Torwart, er wird aus diesem bitteren Abend gestärkt hervorgehen.“

Moralischer Beistand vom Konkurrenten? „Michi und ich haben ein gutes Verhältnis“, sagt Tschauner, „das ist nicht mehr nur oberflächlich. Er kann sich durch seine Erfahrung in mich reinversetzen und weiß, aus welchen Holz Torhüter sind. Wir analysieren Spiele gemeinsam und er gibt mir Tipps wo er kann.“ Auf weitere Hilfe aus dem Kollegenkreis könne er allerdings verzichten. „Ich bin ein Typ, den solche Auftritte ganz alleine zum Arbeiten zwingen. Am Sonntag gegen Freiburg werde ich eine andere Partie abliefern.“

Auch wenn ihm Trainer Marco Kurz den Rücken stärkte („Es gibt überhaupt keine Torwartdiskussion!“) – Tschauner spürt den gestiegenen Druck. „Ich stehe jetzt in der Schuld“, sagt er, „ich will auf dem Platz was zurückzahlen.“ So wie in der Hinrunde beim 1:0 in Rostock, als er mit Glanzparaden den Sieg ermöglichte. Tschauner: „Ganz klar. So ein Spiel wie in Rostock bin ich der Mannschaft jetzt schuldig.“

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Quelle: tz

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