Stefan Reuter: "Von Ziffzer sind viele enttäuscht"

Stefan Reuter soll mithelfen, die Löwen aus der Krise zu führen.
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Stefan Reuter soll mithelfen, die Löwen aus der Krise zu führen.

Der Löwen-Geschäftsführer spricht im tz-Interview über Vergangenheit und Zukunft beim TSV 1860 München.

Geschwächt durch anonyme Kritiker ging er in die blauen Chaostage, gestärkt kam er am Ende wieder raus: Stefan Reuter, Sechzigs „bester Mann“ (Vizepräsident Franz Maget), ist wohl die kurioseste Personalie der jüngeren Löwen-Vergangenheit. Jetzt, als alleiniger Geschäftsführer, steht der Franke auf dem Prüfstand. Verstärkungen müssen her, um den dünnen Kader wettbewerbsfähig zu halten – doch noch ist in Sachen Investor nichts spruchreif. Eine schwierige Situation für Reuter, aber keine, vor der er davonläuft. Die tz sprach mit dem Weltmeister.

Herr Reuter, Ihr ehemaliger Geschäftsführer-Kollege Stefan Ziffzer hat sich in einem Interview negativ über Sie geäußert. Er sei „menschlich enttäuscht“ von Ihnen. Ihre Reaktion?

Reuter: Wenn Dr. Ziffzer enttäuscht ist, dann ist das sein Problem. Ich kommentiere das nicht. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, dass auch viele von seinem Verhalten enttäuscht sind.

Mit Blick auf die zurückliegenden Wochen: Finden Sie es nicht auch kurios, dass Sie nach den Querelen nun gestärkter denn je dastehen?

Reuter: Ich freue mich darüber, dass die Aufsichtsräte und vor allem das neue Präsidium mir in meiner Aufgabe für 1860 den Rücken stärken und mich unterstützen, wo immer es nur geht. Sicher tut es einem gut, wenn man Komplimente für die bisher geleistete Arbeit bekommt, aber ich bin da Realist: Gemessen werde ich an den sportlichen Erfolgen und an der wirtschaftlichen Konsolidierung. Und da stehen wir am Anfang eines harten Stücks Arbeit.

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Wie viel persönlichen Mehraufwand bringt die neue Stellung als alleiniger Geschäftsführer mit sich? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Dr. Kern im Unterschied zu der mit Dr. Ziffzer?

Reuter: Keine Frage, diese Position fordert mich jetzt rund um die Uhr – und das meine ich nahezu wörtlich. Derzeit schaffe ich nur sehr kurze Nächte, dafür umso längere Tage: Aber, ganz ehrlich, mir macht das ungeheuer Spaß! Der TSV 1860 ist ein sehr intensiver Verein, für den es sich lohnt, intensive Arbeitsleistung zu erbringen. Und dafür werde ich auch bezahlt!

Das war jetzt nur eine Teilantwort…

Reuter: Was den Unterschied zwischen Dr. Ziffzer und Dr. Kern angeht, ist die Antwort ganz einfach: Herr Dr. Ziffzer war mein Geschäftsführungskollege, wir mussten also die Arbeit gemeinsam verantworten. Markus Kern ist der Prokurist der KGaA, weiter Leiter der Finanzabteilung und damit meine rechte Hand in allen Finanzfragen. Er ist ein Mann unseres Vertrauens.

Wie groß ist Ihre Erleichterung darüber, dass nun wieder klare Verhältnisse herrschen bei 1860?

Reuter: Das ist es, was mir immer das Wichtigste war: Ein Team, ein Ziel, eine Vorgehensweise. Mit dem neuen Präsidium ist das möglich, weil wir aus einem Guss sind. Also hatte ich am Montag allen Grund dazu, einerseits erleichtert, andererseits aber hoch motiviert zu sein, in kürzester Zeit gemeinsam Erfolge vorweisen zu können.

Wie konkret kann man als Manager mit Spielern/Beratern verhandeln, wenn noch nicht klar ist, wie viel Geld 1860 überhaupt zur Verfügung steht?

Reuter: Sehen Sie, das gehört zu den Geheimnissen eines Fußballmanagers: Und Berufsgeheimnisse plaudert man nicht aus…

Haben Sie bereits ein Budget für Transfers zugesichert bekommen?

Reuter: Auch die Münchner Presse wird sich daran gewöhnen müssen, dass die Zeit der individuellen Ausplauderei vorbei ist: Wir verkünden dann Ergebnisse, wenn es welche gibt. Schon mancher hat sich ja gerade auch in diesem Verein in der Vergangenheit an ungelegten Eiern verschluckt, oder?

Bleibt es bei der Vorgabe von drei Zugängen? Oder sind bei entsprechenden Investorensummen auch mehr drin?

Reuter: Diese Neugier werden Sie noch eine Zeitlang aushalten müssen…

Wird Berkant Göktans Vertrag verlängert?

Reuter: Göktans Vertrag läuft 2009 aus. Dass er ein immens wichtiger Spieler für uns geworden ist, steht außer Zweifel. Dass ihn Marco Kurz wieder zu einem echten Profi gemacht hat, ist aber auch nicht wegzudiskutieren. Göktan weiß das und ist Marco dafür dankbar. Wir stehen zu ihm, er zu uns.

Können Sie bestätigen, dass Christian Wörns kein Thema mehr für 1860 ist?

Reuter: Wörns haben die Medien ins Spiel gebracht, nicht ich. Dass ich mit ihm befreundet bin, ist Tatsache, reicht aber nicht aus, einen Spieler dieser Gehaltsstruktur in die 2. Liga zu holen.

Was ist eine realistische Zielsetzung für die kommende Saison?

Reuter: Darüber reden wir, wenn wir unsere Planungen umgesetzt haben: Alles andere ist unseriös.

Was ist Ihr persönliches Ziel als Geschäftsführer?

Reuter: Mein erstes Ziel ist ein wirtschaftlich gesunder TSV 1860. Mein zweites Ziel ein sportlich erfolgreicher. Und mein drittes Ziel, dass ich jeden Abend mit einem Glücksgefühl den Tag beschließen kann, für diesen tollen Verein und seine einmaligen Fans arbeiten zu dürfen.

Interview: Ludwig Krammer

Quelle: tz

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