Problemfall TSV 1860

„Wir sind ein krankes Unternehmen!“ Löwen-Finanzboss Scharold startet Hilferuf

Zwischen den Fronten: 1860-Finanzboss Michael Scharold
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Zwischen den Fronten: 1860-Finanzboss Michael Scharold

Die Lizenz für die Saison 2019/20 haben die Löwen zwar erhalten - allerdings nur unter Bedingungen und Auflagen. Dem TSV 1860 fehlt es weiterhin an Planungssicherheit. 

Fußballerisch auf Talfahrt, politisch blockiert – die Lage beim TSV 1860 könnte trostloser kaum sein. Gestern lud Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold zur Pressekonferenz in die Geschäftsstelle, um über die Lizenzierung und andere Themen zu informieren. Was hängen blieb, gibt keinen Anlass, auf Besserung zu hoffen. „Wir sind ein krankes Unternehmen, daran hat sich wenig geändert“, fasste Scharold die Entwicklung seit der Winterpause zusammen. Weiterhin gebe es zwischen den Gesellschaftern keine Übereinkunft darüber, wie sich die Fußball-KGaA der Löwen künftig erfolgsorientiert finanzieren solle. „Es ist schade“, so Scharold, „dass wir immer noch keine nachhaltige Planungssicherheit haben.“ Die wichtigsten Punkte im Überblick...

TSV 1860: Die Baustellen im Überblick 

Lizenzierung: Die Löwen bekommen die Lizenz für die kommende Saison mit Bedingungen und Auflagen. So habe es der DFB jüngst mitgeteilt, berichtete Scharold, ohne auf Details eingehen zu wollen. Auf Nachfrage bestätigte der Finanzboss, dass zur Sicherung der Liquidität für die neue Spielzeit das Sicherheitsdarlehen von Hauptsponsor Die Bayerische über zwei Millionen Euro zu großen Teilen abgerufen werden müsse. Dazu kämen rund 600 000 Euro zugesagtes Ismaik-Geld. Trotz reduziertem Etat kalkuliert Scharold mit einem Defizit in siebenstelliger Höhe.

Wirtschaftliche Situation:1860 lebt wie eh und je von der Hand in den Mund. Auf der Kostenseite sollen die Potenziale weitgehend ausgeschöpft sein, bei den Erlösen hofft Scharold vor allem auf eine Erhöhung der Sponsoring-Einnahmen. „Wenn wir von Erlösen von insgesamt zehn Millionen Euro ausgehen und unser Budget der laufenden Saison halten wollen, müssten wir unsere Erlöse um 35 bis 40 Prozent steigern“, rechnet er vor. Solle das Budget der kommenden Saison für ein weiteres Jahr beibehalten werden, wäre ein Plus von 20 Prozent nötig.” Anspruchsvoll bis utopisch.

Aktueller Kurs: Angesichts des Dauerzwists zwischen e.V. und Ismaik sowie des von Präsident Robert Reisinger ausgerufenen Kurses, Darlehen nur noch gegen Sofortkasse zu akzeptieren, ist eine Senkung des Profi-Etats von aktuell rund 4,5 Millionen Euro auf gut drei Millionen Euro die realistischste Perspektive. In der Saison 2020/21 würde ein weiterer tiefer Schnitt folgen, falls auch bis dahin kein gemeinsamer Weg mit Ismaik gefunden sei. Scharolds Hilferuf: „Wir müssen uns zusammensetzen!“

Stadion: Auch hier konnte Scharold nichts Neues verkünden. Ob das Grünwalder Stadion zweitligatauglich umgebaut werden könne, wird die beim Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie bis voraussichtlich Ende Juni beantworten, einen Zwischenstand gebe es laut Scharold nicht. Solange kein zweitligataugliches Stadion für 1860 in Aussicht sei, werde „uns das als Dauerthema begleiten“, so Scharold.

Merchandising: Die Abmahnungen für Löwenfans nach unerlaubter kommerzieller Nutzung des 1860-Logos waren zuletzt ein brisantes (Rand-)Thema. Scharold wollte den Vorgängen nicht zu viel Wichtigkeit beimessen, appellierte jedoch an die Beteiligten, „Fingerspitzengefühl“ zu beweisen. Fanartikel-Boss Anthony Power darf sich angesprochen fühlen.

Allgemeine Stimmung: Als "positiver Mensch" (Eigenbeschreibung) glaubt Scharold noch immer an einen Kompromiss zwischen den Gesellschaftern. „Ich habe nicht den Eindruck, dass totaler Stillstand herrscht“, sagte er. Inwieweit die jüngste Pressemitteilung von Aufsichtsratsboss Saki Stimoniaris dafür verantwortlich ist, sei dahingestellt. Der MAN-Betriebsratschef hatte gestern Vormittag geschrieben: „Wir sind gerade dabei, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft unseres Vereins zu stellen.“ Kurioserweise wussten die e.V.-Vertreter im Aufsichtsrat nichts von Stimoniaris' Mail.

Ludwig Krammer

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