Mehr Geld von Ismaik - ja oder nein?

Soll sich 1860 neu verschulden? Die Argumente von Grosser und Pro1860-Sprecher Vonavka

Meisterlöwe Peter Grosser.
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Meisterlöwe Peter Grosser ist für eine weitere Verschuldung.

Während die Mannschaft im Trainingslager schwitzt, brodelt es auch in München - die Diskussion, ob neue Gelder von Investor Hasan Ismaik nötig sind, ist in vollem Gange.

München - Daniel Bierofka hält sich raus. „Zur Vereinspolitik werde ich mich nicht mehr äußern“, sagte der Trainer im tz-Interview. „Egal, was ich sage – mein Wort wird in die eine oder in die andere Richtung ausgelegt.“ Politikfreie Zone also im Trainingslager in Oliva Nova – umso aktiver sind die Gesellschafter in der Heimat. 

Hasan Ismaiks Sprecher Saki Stimoniaris bezeichnet den von Präsident Robert Reisinger verordneten Kurs ohne neue Darlehen mit Blick auf die sportliche Entwicklung als „fahrlässig“, Reisinger sieht keinen Sinn darin, bestehende Schulden mit neuen zu bekämpfen. Einzig ein Sponsoring sei dem Präsidium willkommen. Wir fragten zwei langjährige Beobachter der Löwen nach ihrer Meinung: Pro1860-Sprecher Hans Vonavka und Meisterlöwe Peter Grosser. Was Sie, liebe Leser, über die Thematik denken, können Sie uns über die Kommentarfunktion mitteilen.

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PRO - Peter Grosser: „Nehmt Ismaiks Geld!“

„1860 steht vor einer Richtungsentscheidung. Es geht darum, welche Vision man für die Zukunft hat. Ich orientiere mich auch an der Realität, und die heißt für mich, dass es in der Dritten Liga schlicht nicht möglich ist, sich nachhaltig zu konsolidieren. Schon in der Zweiten Liga ist es schwierig, aber aufgrund des wesentlich höheren Fernsehgeldes wenigstens nicht aussichtslos. Deshalb kann es jetzt nur eines geben: Daniel Bierofka und Günther Gorenzel brauchen ein Budget, mit dem in der nächsten Saison der Angriff auf den Aufstieg gestartet werden kann. Mit der jetzigen Politik wird es in absehbarer Zeit keinen Aufstieg geben, das sagen die Verantwortlichen ja selbst. Die Geschichte der Dritten Liga zeigt, wohin dieser Weg meistens führt.

Auch in Unterhaching ist der Aufstieg ein ganz klares Ziel. Was Manni Schwabl und sein Team dort aufgebaut haben, verdient höchsten Respekt, kostendeckendes Arbeiten ist aber auch bei Haching nicht möglich, wenn der Anspruch da ist, die Liga nach oben verlassen zu wollen. Mein Vorschlag ist deshalb ganz klar: Jetzt nochmal Geld von Ismaik nehmen, basierend auf Genussscheinen oder über einem Verkauf weiterer Anteile. Ob er 60 Prozent der Anteile hat oder 65, spielt keine Rolle. Mit dem frischen Geld gehört die Mannschaft verstärkt und dann volle Kraft voraus! Wer das für Wunschdenken hält, der soll mir ein erfolgreiches Gegenbeispiel zeigen. Sich als Drittligist aus der Schuldenfalle befreien zu wollen, hat mit Realitätssinn nichts zu tun.“

Pro1860-Sprecher Hans Vonavka will keine neuen Schulden.

KONTRA - Hans Vonavka: „Großer Respekt für Reisinger“

„Ich bin kein persönlicher Freund von Robert Reisinger, aber ich habe großen Respekt vor seiner konsequenten Haltung. Wir dürfen die Abhängigkeit von Hasan Ismaik nicht noch vergrößern, es kann nicht sein, dass er den Verein jedes Mal bis zur letzten Minute zappeln lässt, um irgendwelche Forderungen durchzudrücken. Davon abgesehen sehe ich im Moment auch gar keine Notwendigkeit für neue Darlehen. Die Mannschaft spielt eine vernünftige Rolle in der Dritten Liga, ich wage zu behaupten, dass wir ohne die kreditfinanzierten zusätzlichen Spieler auch nicht viel schlechter dastehen würden. Natürlich ist der Sparkurs nicht populär.

Aber wenn man die Kosten/Nutzen-Relation bei unserer Jugendarbeit sieht, ist da mit Sicherheit Optimierungspotenzial vorhanden. Man muss halt effektiv arbeiten – das machen uns die Unterhachinger seit Jahren vor. Die haben weniger Mitglieder, weniger Zuschauer, weniger Werbeeinnahmen und stehen trotzdem wesentlich besser da. Ich hoffe, dass sich 1860 in Zukunft an der Realität orientiert und nicht wie so oft bei erster Gelegenheit Luftschlösser baut. Unter der Maxime des maximalen Erfolgs wurde seit 2000 so ziemlich alles an die Wand gefahren, was ging, seit Ismaik sogar mit erhöhtem Tempo. Wem das die Augen immer noch nicht geöffnet hat, der soll sie geschlossen halten. Wir von Pro1860 unterstützen Reisingers Kurs der Vernunft. Ich hoffe, er hält den Druck aus, der zunehmend auf ihn aufgebaut wird.“

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lk

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