"Spüren große Bereitschaft, uns zu helfen"

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Robert Schäfer

München - Zwei der Chefsanierer beim TSV 1860 haben sich am Sonntag noch einmal zur finanziellen Lage der Löwen geäußert und ihre Irritation über einen Zeitungsbericht unterstrichen.

Ein großer Zeitungsbericht, wonach es neue Schuldenzahlen beim TSV 1860 geben soll, hat am Wochenende für einige Irritationen bei den Löwen gesorgt. Am Samstag war in der SZ ein ausführlicher Bericht über die finanzielle Lage der Sechziger erschienen – mit vermeintlich neuen Zahlen. So sollen den Zweitligisten „aktuell neben dem kurzfristigen Liquiditäts-Engpass auch etwa acht Millionen Euro an Schulden belasten“. Der Betrag sei doppelt so hoch wie bisher vermutet, schreibt das Blatt.

Wieso vermutet? Seit dem 8. März 2010 kann jedermann im Geschäftsbericht der 1860 KGaA schwarz auf weiß nachlesen, dass sich die Verbindlichkeiten schon zum 30. Juni 2009 auf 7,96 Millionen Euro belaufen haben. Abrufbar ist das Ganze u.a. im elektronischen Bundesanzeiger unter www.ebundesanzeiger.de. Nicht wirklich brisant erscheinen auch die „8,681 Millionen Euro Mittelzufluss“, die 1860 laut SZ „zur Finanzierung des Spielbetriebes“ bis Ende Juni 2011 „als Guthaben oder unwiderrufliche Kreditgarantie“ nachweisen muss, bedenkt man, dass alleine zur Rückrundenfinanzierung bis Mitte Januar 5,3 Millionen Euro garantiert werden müssen.

Dieter Schneider & Co. krempeln die Ärmel hoch

1860-Vizepräsident Dieter Schneider reagierte am Samstagabend „irritiert“ auf die SZ-Enthüllungen. Die Zahlen seien „längst überholt“, und „so, wie das Ganze dargestellt“ werde, „ist es sinnentstellend und in sich falsch“, sagte er der tz. In dem Artikel würden stellenweise „Forderungen mit Verbindlichkeiten verwechselt. Ich halte es für höchst gefährlich und unseriös, jetzt solche Zahlen in den Raum zu werfen.“

Auch Robert Schäfer versuchte am Sonntag, eine mögliche Vertrauenskrise im Keim zu ersticken. Die SZ habe „versucht, mit alten Zahlen Öl ins Feuer zu gießen“, vermutete der 1860-Geschäftsführer bei Sky. „Das ist Journalismus, den ich so nicht nachvollziehen kann.“ Allerdings sagte Schäfer auch: „Wir sind auf die Hilfe von Investoren angewiesen. Ohne die geht es nicht.“

Die Lage bei 1860 ist nach wie vor todernst, auch wenn Schäfer am Sonntag verkündete: „Wir werden die Auflagen der DFL bis Mitte Januar erfüllen. Wir spüren bei allen Partnern, bei den Banken und bei Herrn Schwarzer (größter 1860-Einzelgläubiger, d. Red.) große Bereitschaft, uns zu helfen.“ Schneider wollte so viel Optimismus öffentlich nicht verbreiten. Definitiv könne er die einstweilige Rettung erst dann verkünden, wenn die DFL grünes Licht gegeben habe, sagte der 63-Jährige. Allerdings sei auch er selbstverständlich „guten Mutes“, dass alles klappe. „Die Mosaiksteine fallen jetzt an den richtigen Stellen zusammen“, sagte Schneider. Die harte Sanierungsarbeit führe allmählich zu ersten Ergebnissen. Das deckte sich mit den Aussagen von Aufsichtsratschef Otto Steiner, der in der SZ am Samstag gesagt hatte: „Es gibt schon ein grundsätzlich positives Klima, in dem man uns helfen will. Man hat den Eindruck, dass die Partner 1860 nicht untergehen lassen wollen.“ Und falls der Worst Case doch eintritt? Angeblich würde die DFL den Löwen in diesem Fall sieben Punkte abziehen. Steiner: „Es gibt klare Auflagen, und die bedeuten, dass dem Team ein weiterer Punktabzug droht und man sehen muss, wie die Banken darauf reagieren.“

cm, lk, al

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