Plötzlich hat Maurer die Qual der Wahl

Geschlossene Mannschaftsleistung: Die Löwen beim kollektiven Schneeschippen, einer von Trainer Maurer verordneten „Teambuilding-Maßnahme“ . . .

München – Völlig neue Probleme für Löwen-Trainer Reiner Maurer: Gegen den MSV Duisburg drängen sich mehr Spieler auf, als in eine Startelf passen. Der Coach ist nun am Grübeln.

Die Bereitschaft, aus der Not eine Tugend zu machen, gehört bei einem minderbemittelten Verein wie dem TSV 1860 zu den Einstellungskriterien, gefragt sind Improvisationsvermögen und Flexibilität. Wer wüsste das besser als Reiner Maurer? Für die U 23 ist er geholt worden – aus Geldmangel war er dann plötzlich Cheftrainer.

Der Allgäuer hat das Improvisieren inzwischen zur Kunstform erhoben. Am Freitag in Osnabrück baute Maurer sein Rumpfteam so gekonnt um, dass die Abwehr plötzlich sicher stand und ein paar junge Wilde mithalfen, drei Punkte zu entführen. Am Dienstag nach dem Training entschied er spontan: Alle Mann zum Schneeschippen – und verkaufte die Maßnahme hinterher clever als eine Art Gruppenseminar. „Hier wurden früher Tausende von Euro für Teambuilding ausgegeben“, sagte er, „dabei weiß kein Mensch, ob das was bringt.“ Bei der Mannschaft scheint die Räumaktion jedenfalls gut angekommen zu sein. Nicht zuletzt, weil’s als Ausgleich einen freien Mittwochnachmittag gab.

Im anstehenden Heimspiel gegen Duisburg wird Maurer erneut kreativ sein müssen – diesmal aber aus einem ganz anderen Grund. Der Trainer hat am Samstag ausnahmsweise mal keinen Mangel zu verwalten, sondern das Gegenteil davon: einen Überschuss an Spielern, die sich aufdrängen. Die drei Gesperrten Bülow, Bierofka und Rakic meldeten sich gut erholt zurück. Von den Verletzten ist zumindest Stefan Bell wieder ein Thema. Und die Jungspunde, die nach Osnabrück mit Lob überschüttet wurden, denken gar nicht daran, ihre Plätze freiwillig zu räumen.

Zum Beispiel der junge Tarik Camdal (19). Eben noch wollte er um jeden Preis der Welt in die Türkei wechseln – jetzt, nach einem starken Auftritt mit der Vorarbeit zu Kevin Vollands Siegtor, hofft er, sich doch noch bei den Profis festbeißen zu können. „Ich denke nicht mehr an einen Wechsel“, erklärte er. Sein Vertrag läuft noch bis 2013 – und dass der Verein ihn eventuell zu Geld machen möchte, passt Camdal auf einmal gar nicht mehr ins Konzept. Da hat es Spezl Volland (18) besser. Er ist bereits verkauft, und bis er 2012 endgültig nach Hoffenheim übersiedelt, will er Stammspieler bei 1860 sein. „Zwischendurch war er ganz schön frustriert“, berichtete Maurer. „Er hat immer gut trainiert, ist aber nie in der Startelf drangekommen.“

Der Coach ist nun am Grübeln, wie er es schaffen kann, eine Startelf zu basteln, die alle berücksichtigt, die es in seinen Augen verdienen. Ein Problem, das der Quadratur des Kreises gleicht, denn laut Maurer hätten „alle gut trainiert“. Tendenzen gibt es dennoch: Bülow rückt auf jeden Fall ins Abwehrzentrum zurück (für Ghvinianidze), am liebsten, so Maurer, neben Bell. Buck würde dann zurück nach links rochieren, Ignjovski wäre wieder frei fürs Mittelfeld, wo Lovin dann wackeln würde, denn auf Stahls Zähigkeit mag der Coach nicht verzichten.

Einfacher gestaltet sich die Sache vorne: Lauth ist leicht am Rücken verletzt, aber nichts Ernstes. Um den Offensivdruck zu erhöhen, soll der einsame Torjäger einen echten Sturmpartner bekommen. Der könnte Volland heißen, denn Rakic ist Maurer nicht „lebendig“ genug. Über Aigner, der rechts mit Camdal konkurriert, sagt der Trainer: „Er bräuchte ein paar Spiele, aber wir brauchen in erster Linie ein paar Punkte.“ Tipp: Aigner sitzt erst mal draußen.

Fehlt noch ein Spruch, um das Duell mit Duisburg gebührend anzuheizen, denn der Gegner steht da, wo die Löwen hinwollen: auf dem Relegationsplatz. „Wir haben zu Hause schon bessere Mannschaften geschlagen“, sagt Maurer ungefragt. Dass auch schon gegen schlechtere Mannschaften verloren wurde – geschenkt. Tugenden betonen, Nöte verschweigen – auch das muss ein Löwen-Trainer beherrschen.

Uli Kellner

Quelle: tz

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