"Obama hat weniger Probleme als ich"

Manfred Stoffers ist ein Mann der klaren Worte.
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Manfred Stoffers ist ein Mann der klaren Worte.

Manfred Stoffers, der neue Geschäftsführer beim TSV 1860. Krisenmanager, Heilsbringer – mal abwarten, was dem 55-Jährigen alles bevorsteht. Die tz sprach mit ihm.

Donnerstag war Ihr erster Arbeitstag. Wie war’s auf der Geschäftsstelle?

Stoffers: Ich habe alle Mitarbeiter gebeten, rau aber herzlich mit mir umzugehen. Und dass sie mich an die Hand nehmen. Jeder Mitarbeiter hier hat Lichtjahre mehr Erfahrung als ich. Und mich können sie ausbeuten, mit den wenigen Dingen, die ich kann. Das ist ein Deal, den ich allen angeboten habe.

Als Ihre wichtigsten Aufgaben haben Sie das Klinkenputzen bei Sponsoren und das auf den Knien rutschen bei den Fans genannt. Was ist mit dem dritten „K“? Die Kollegen, die man auf Kurs bringen muss?

Stoffers: In Organisationen gibt es, wenn die Beschäftigung mit den eigenen Strukturen das eigentliche Geschäft überlagert, einen Strudel, der einen runterzieht. Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass diese Drehbewegung wieder nach oben geht. Wir haben hier ein enormes Potenzial an Mitarbeitern, die sich für die Fußballer den Arsch aufreißen, und wir erwarten im Gegenzug das Gleiche von ihnen.

TSV 1860: Die Köpfe hinter dem Löwen-Chaos

TSV 1860: Die Köpfe hinter dem Löwen-Chaos © 
Chaos-Tage bei den Löwen - manche Fans sprechen sogar schon verbittert von "Normalzustand" an der Grünwalder Straße. Welche Gesichter stecken eigentlich hinter dem ganzen Tohuwabohu? tz-online präsentiert die Köpfe hinter dem Chaos. © Sampics
Uli Hoeneß: Der Bayern-Manager äußert sich immer wieder zu den Vorgängen bei den Löwen, wenngleich er da "nur meine private Meinung" zum Besten gibt. Zunächst bezeichnete er den Schwarzer-Einstieg als "Anfang vom Ende" für die Löwen, dann gab er dem kleinen Nachbarn Tipps in Sachen Stadionfrage. Was er wohl davon hält, dass Miroslav Stevic im Amt bleiben darf? Wie auch immer: Uli Hoeneß wird sich auch weiter zu 1860 München äußern - rein privat natürlich... © Sampics
Nicolai Schwarzer: Mit der Hilfe des Investors aus Berlin sollte der Löwen-Aufstieg in die Bundesliga angegangen werden. Er sollte die Millionen bringen, satte sieben an der Zahl. Knapp eine Woche, nachdem der Deal als perfekt gemeldet wurde, dann der Rückschlag: Weil das Geschäft mit dem Investor in seiner Form nicht dem Regelwerk der DFL entsprach, legten die Löwen den Deal auf Eis. So zumindest die offizielle Version... © 
Rainer Beeck: “Nicolai Schwarzer ist ein seriöser Geschäftsmann. Mit dem Geld sind wir in der Lage, uns in den nächsten Transferperioden zu verstärken und den Aufstieg 2010 anzupeilen“, sagte Präsident Rainer Beeck kurz nach dem vermeintlichen Geschäftsabschluss mit dem Investor. Nach den Chaos-Tagen bei den Löwen blies Beeck jedoch der Gegenwind scharf ins Gesicht, so mancher forderte den Rücktritt des Präsidenten. Der asagt aber: “Es ist keine Lösung, den Verein jetzt ohne Kopf dastehen zu lassen." © Sampics
Christian Müller: Das Mitglied des DFL-Vorstands spielt im Löwen-Chaos auch keine unerhebliche Rolle. Müller war es, der im Namen der DFL erste Zweifel am Schwarzer-Deal äußerte. Kurz nach Bekanntgabe des Geschäfts sagte Müller: „Wir haben die Vertragsentwürfe seit zwei Tagen vorliegen und intensiv geprüft. In einigen Bereichen gibt es noch Klärungsbedarf." Die Fortsetzung ist bekannt... Interessant: Müller war bei der DFL einst Vorgesetzter von Markus Kern, dem jetztigen Geschäftsführer der Löwen. © dpa
Franz Maget: Der Vize-Präsident spielte nach Bekanntwerden des geplatzten Schwarzer-Deals eine etwas unglückliche Rolle, als er breit lächelnd mit fadenscheinigen Durchhalteparolen ("1860 wird nie untergehen") in diverse Fernseh-Kameras sprach. Doch auch Maget bleibt im Amt: "Wir denken nicht an Rücktritt. Wir werden aus der jetzigen Situation das Beste machen und die Schwierigkeiten gemeinsam lösen. Und zwar schnell", sagte Maget. © Sampics
Michael Hasenstab: Vize-Präsident Michael Hasenstab (r.) trieb, gemeinsam mit Präsident Beeck und Vize Maget, den Deal mit dem Investor an und gehört zu denjenigen, die den Abschluss vorschnell als perfekt meldeten. Hasenstab gestand immerhin den Fehler ein und sagte hinterher: "Die Pressemitteilung über das Nichtzustandekommen des Investorendeals war total unnötig". Manche Passagen in den Verträgen seien bewusst als Extremforderungen formuliert gewesen. Trotzdem darf er bleiben. Als Experte für Lizenzfragen ist er wichtig. © dpa
Markus Kern: Der Geschäftsführer gehörte neben Aufsichtsratschef Peter Lutz und Christian Ude zu denjenigen, die von Beginn an massive Zweifel an dem Investorendeal hatten. Kern war es auch, der den zunächst ahnungslosen Christian Ude telefonsich auf dessen Dienstreise in Istanbul über seine Zweifel am Schwarzer-Geschäft informierte. © 1860 München
Christian Ude: Ude hegte wie erwähnt sofort Zweifel an dem Deal und sagte hinterher: "Ich bin bestürzt über den Ablauf der Dinge". In der tz kommentierte das Aufsichtsratmitglied die Geschehnisse folgendermaßen: "Dilettantisch? Das lasse ich jetzt mal so im Raum stehen..." © Sampics
Peter Lutz: In der Kanzlei von Aufsichtsratschef Peter Lutz in der Brienner Straße fand am Mittwoch, 11. Februar, eine viereinhalbstündige Aufsichtsratssitzung statt, an deren Ende... © Sampics
Manfred Stoffers: Manfred Stoffers als neuer Geschäftsführer präsentiert wurde. Der 55-Jährige war früher Geschäftsführer des ehemaligen Löwen-Hauptsponsors Festina und soll an der Grünwalder Straße die Weichen für eine bessere Zukunft stellen. Sein Aufgabengebiet beschreibt Stoffers folgendermaßen: „Ich bin für K & K zuständig. Für Klinkenputzen bei Sponsoren und auf den Knien rutschen vor unserer Kundschaft, den Fans.“ © dpa
Karsten Wettberg: Aufsichtsratmitglied Karsten Wettberg war derjenige, der stolz bekanntgab, dass bei den Löwen weiter mit Sportdirektor Miki Stevic gearbeitet werden soll. "Das Einzige was zählt: Sportlich bleibt alles so, wie es ist". Ein bisserl erfolgreicher darf's dann aber doch laufen. © Sampics
Miki Stevic: Über den neuen Sportdirektor sagt Geschäftsführer Stoffers: „Stevic ist mehr wert als zwölfsiebenundreißig Mentalcoaches. Er trägt dazu bei, dass die Mannschaft wieder Chilifußball spielt.“ Im "kicker" sagte Stevic, dass das Ziel auch ohne die Millionen weiterhin der Aufstieg sei. © Sampics
Stefan Reuter: Der ehemalige Geschäftsführer wollte das Geschäft mit Schwarzer nicht mitmachen und ging bzw. wurde gegangen. Ob Reuter wohl ahnte, was sich da noch für ein Gewitter über der Grünwalder Straße zusammenbrauen würde? © Sampics
Marco Kurz: Böse gesagt: Für den zuletzt so in die Schusslinie geratenen Trainer kam das Löwen-Chaos um den Schwarzer-Deal gerade zur rechten Zeit. Wer spricht denn derzeit von der sportlichen Krise, aus der sich die Mannschaft durch das starke 2:2 in Mainz freilich selbst schon ein wenig gespielt hat...? © Sampics
Sechzger und Sechzgerl: Welche Meinung die beiden Maskottchen Sechzger und Sechzgerl zu dem ganzen Theater haben, ist nicht bekannt. Fest steht nur eines: Beim Heimspiel am Sonntag gegen Ahlen werden die beiden Löwen wieder gutgelaunt durch die Allianz Arena spazieren. © fishing4

Werden Sie schnell mit der Mannschaft reden?

Stoffers: Wenn es Marco Kurz und Miki Stevic für sinnvoll halten, dann natürlich. Mit Kurz und seinem Assistenten Uwe Wolf habe ich am Donnerstag eine halbe Stunde lang gesprochen. Ich wollte erklären, warum in den letzten zwei Wochen die Wellen noch höher geschlagen sind als üblich. Ich bin nicht da, um Wellen zu glätten, sondern um sie erträglich zu machen.

Zuletzt wurde bei 1860 ja alles andere als mit einer Stimme gesprochen. Wie soll das wieder funktionieren?

Stoffers: Mit einer Stimme, das kann nicht heißen, dass allen das Reden verboten wird. Ich komme aus einer großen westfälischen Familie, habe eine bucklige Verwandtschaft mit 120 Personen, da ist genau das gleiche Theater. Das menschelt so schön. Da gab’s nach außen Geschlossenheit, aber nach innen auch mal Krawall. Es wurde gestritten, aber es herrschte eine Streitkultur.

Braucht man Humor, um bei 1860 arbeiten zu können?

Stoffers: Humor ist keine Anzugsjacke, die man an- und auszieht. Nirgendwo steht geschrieben, dass man sauertöpfisch über Gottes Acker schreiten soll. Wenn ich schon 18 Stunden am Tag mit einer Tätigkeit verbringe, dann will ich Spaß haben und eine Befriedigung daraus ziehen, die sich nicht in Geld ausdrückt.

Apropos. Von wem werden Sie bezahlt? Vom Verein oder von Vermarkter IMG?

Stoffers: Vom Verein. Also ich hoffe jedenfalls, dass ich das Geld bekomme. Aber wie ich den Laden kenne, werden sie’s vergessen. Nein, ein Spaß. Ich bin ja Geschäftsführer.

Sie haben sich bei Ihrer Vorstellung sehr positiv über Miki Stevic geäußert. Warum?

Stoffers: Ich habe Stevic vor langer Zeit zufällig auf einer Veranstaltung getroffen. Der Mann hat einen naturbelassenen Machocharme, Fußballverstand – und Stevic kann in Bildern sprechen. Damit erreicht er Fußballer, er packt sie an den Instinkten. Ich will keinen, der abgehoben wie ein Tagesschausprecher spricht, Stevic finde ich klasse.

Andere stehen Stevic weniger offen gegenüber.

Stoffers: Mir egal. Ich bin überzeugt von ihm. Mir war klar, wenn ich diese Aufgabe übernehme, dann nur mit einem Umfeld, dem ich vertraue. Er sitzt fest im Sattel.

Zum Sonntag: Gegen Ahlen gibt’s für Marco Kurz wieder ein Schicksalsspiel…

Stoffers: Ich will mich zum Sportlichen nicht äußern. Ich sage nur, dass die Kombination Kurz/Stevic eine Chance verdient hat.

Sie haben damals, als Sie als Vertreter von Festina mit 1860 in Berührung gekommen sind, gesagt, dass Sie vom Fußball unbeleckt sind. Dann seien Sie zum Löwen-Fan geworden. Was gefällt Ihnen daran so?

Stoffers: Wenn Sie den organischen Hintergrund eines solchen Klubs kennengelernt haben, all diese Verästelungen, dann merken Sie, dass da was ist, das ein Retortenklub nicht hat. 1860 ist ein Feuchtbiotop. Für mich ist dieses Leben, das 1860 führt, ein faszinierendes Phänomen. Das ist mehr als nur Fußball.

Wie lange läuft eigentlich Ihr Vertrag?

Stoffers: Wir haben keine Laufzeit und ich halte nichts von sozialistischen Fünfjahresplänen.

Wie beurteilen Sie die Geschichte mit dem Investor?

Stoffers: Ich treffe mich nächste Woche mit Herrn Schwarzer. Weil ich mich mit jedem treffe, der Geld hat und guten Willens ist.

Wie war die Reaktion der Fans auf Ihre Einstellung?

Stoffers: Mir hat einer geschrieben, ich sei der Obama von 1860. Daraufhin habe ich geantwortet: Der sieht besser aus und hat weniger Probleme als ich.

Interview: Claudius Mayer

Stevic für Reuter: Die Löwen-Wachablösung in Bildern

Tabula rasa bei den Löwen. Mit Miroslav Stevic als neuem Sportdirektor für den beurlaubten Weltmeister Stefan Reuter und den Millionen einer Berliner Investorengruppe wollte Fußball-Zweitligist TSV 1860 München eigentlich den Aufstieg 2010 erzwingen. © sampics
"Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass wir eine neue sportliche Ausrichtung brauchen", sagte Präsident Rainer Beeck auf einer Pressekonferenz. © sampics
Reuters Zeit bei den Sechzigern war indes abgelaufen. © sampics
“Wir haben mit ihm über ein verändertes Aufgabengebiet gesprochen“, sagte Beeck. © sampics
Reuter stellte sich den Journalisten und teilte mit ... © sampics
... er könne “dieses Angebot aus mehreren Gründen nicht annehmen." © sampics
"Von daher bin ich beurlaubt.“ © sampics
Im warmen Wintermantel ... © sampics
... drehte Reuter noch einmal seine Runden an der Grünwalder Straße. © dpa
Dann ging er zum Auto ... © dpa
...stieg ein ... © sampics
... und brauste davon. © sampics
Der neue starke Mann bei den Münchnern heißt Stevic. © sampics
Der ehemalige Löwen-Spieler wollte eigentlich Millionen mitbringen, die aus der Unternehmensgruppe Schwarzer aus Berlin stammen. © sampics
Doch daraus wurde nichts... © sampics
... nur wenige Tage nach der Verkündung des neuen Investors... © sampics
... machten Verein und Investor einen Rückzieher... © dpa
Begründung: Entgegen den Erwartungen hat die DFL signalisiert, dass die Vereinbarungen zwischen dem TSV München von 1860 und der Unternehmensgruppe Schwarzer auf erhebliche Bedenken stoßen. Der Verein und Herr Schwarzer haben deshalb beschlossen, den Genehmigungsantrag zurückzuziehen und die Investition bis auf weiteres auf Eis zu legen. © sampics
Ein Schock für alle Löwen-Fans... © sampics
... und ein weiteres Kapitel in der Kategorie... © sampics
"Pleiten, Pech und Pannen"... © sampics
Die Zukunft der Löwen ist ungewisser denn je! © dpa

Quelle: tz

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