1860- und FCB-Fans  vereinen sich gegen Polizeigewalt

München - Beim Amateurspiel zwischen 1860 und dem FC Bayern wurden Fans durch Polizeischläge verletzt. Löwen- und Bayern-Anhänger trommeln jetzt gemeinsam für eine Kennzeichnung von USK-Beamten.

Es ist eine bemerkenswerte Runde, die sich im Feierwerk an der Hansastraße versammelt hat. Löwenfans, Bayernfans, Rechtsanwälte, ein Menschenrechtler und mehrere Stadtpolitiker sitzen gemeinsam auf dem Podium. Es geht um ein Thema, bei dem sich ausnahmsweise alle einig sind: Polizeigewalt im Rahmen von Fußballspielen. Zu häufig passiere es, dass Beamte der Polizei – insbesondere Mitglieder des Unterstützungskommandos (USK) – Fans misshandelten und aufgrund fehlender Identifizierbarkeit ungestraft davonkämen. „Deshalb stellen wir heute die Rivalität zwischen den Vereinen hinten an, um gemeinsam etwas zu erreichen“, sagt Henning Tidelski vom Bayern-Fanclub „Münchner Schickeria“.

Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien

Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein Traum in weiß-blau: Fans des TSV 1860 bei der Eröffnung der Münchner Allianz-Arena. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Auch die Bayern Fans zeigen Flagge: Sie tauchten einen Tag später die Arena in Rot und Weiß. © ap
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Deutschland-Fans tauchen die Kurve des Wiener Ernst-Happel-Stadions beim EM-Finale 2008 in Weiß und Schwarz. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein deutscher Anhänger hat sich im Schweizer Fan-Block verirrt. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Sechzger-Fans im Grünwalder Stadion in Giesing. © sampics
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Deutsche Fans zeigen ihrem Team bei der Europameisterschaft, wo es hingehen soll: zum Finale nach Wien.  © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Kroatische Fußball-Anhänger bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr.  © wikipedia kawu
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Die Anhänger von 1860 sind für ihren Einfallsreichtum bei Fan-Choreographien bekannt.  © sampics
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Noch acht Spiele im alten Tivoli-Stadion. Dann ziehen die Aachener-Kicker um. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Deutsche Fans vor der Begegnung gegen Tschechien im Herbst 2007 in der Münchner WM-Arena. © Florian Weiß
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Kämpfen und Siegen lautet die Devise der Augsburger Zuschauer. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Gigantische Blockfahne, erstellt in Eigenregie: Die Löwen-Fans entrollen vor dem Spiel gegen Kaiserslautern im April 2009 eine 50x20 m großes Transparent. © sampics
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Der FC Bayern und die Meisterschale - ein vertrautes Bild. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
"Der Betze brennt": Fans des 1.FC Kaiserslautern im Fritz-Walter-Stadion. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Die Fans wollen einheitliche Anstoßzeiten in der Bundesliga. Und zwar samstags, um 15.30 Uhr. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Für jeden Fan ein Fähnchen: Gleich spielen die deutschen Adlerträger. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Löwen-Fans machen sich vor dem Derby gegen Nürnberg im Dezember 2008 für eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion stark. © sampics
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
BVB-Anhänger schwören ihrer geliebten Dortmunder Borussia ewige Treue. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Tooor - so steht es auf den Plakaten der Dynamo Dresden Fans geschrieben. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Für immer und ewig: Bochumer Supporter im Ruhrstadion. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Der offizielle Fan-Club der deutschen Nationalmannschaft hat ein eigenes Groß-Transparent. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bayern-Fans sagen: Servus Mehmet Scholl. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein überdimensionales Trikot der französischen "Equipe Tricolore", ausgebreitet auf den Rängen des Stade de France in Paris-St.Denis. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Champions League 2006/2007: Eine Choreographie soll den Spielern des FC Bayern den Weg ins Finale nach Athen weisen. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
WM 2006: Finale oh oh, Finale oh oh oh oh!!! © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Freiburger Zuschauer setzten sich für den Verbleib von Volker Finke an der Dreisam ein. Geholfen hat es nichts: Der Coach musste trotzdem gehen. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Die Bayern-Südkurve feiert die 20. Deutsche Meisterschaft. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bei der WM 2002 schreien fanatische Anhänger von Südkorea ihr Team bis ins Halbfinale. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Eine Choreographie fast ganz ohne Fans: die Tribüne in der HSH Nordbank Arena in Hamburg. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bayern-Fans bedanken sich bei ihrem Kaiser Franz Beckenbauer. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Russische Anhänger bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Sind bekannt für ihre stimmgewaltigen Gesänge: die Fans von Mainz 05. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein Bild aus alten Tagen: Bayern-Anhänger präsentieren in der Südkurve des Olympia-Stadions ein Trikot mit der Nummer 12. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
"Nur gemeinsam sind wir stark" - Freiburger Anhänger demonstrieren Einheit. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Russische Fans vor einem Spiel bei der Europameisterschaft in Innsbruck. Über allen thront auf der Anzeigentafel der Trainer des Teams, Guus Hiddink © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Schalker Legenden sterben nie: Die Fans lassen Ernst Kuzorra hochleben. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
1. FC Union Berlin © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
St-Pauli-Fans im legendären Stadion am Millerntor in Hamburg. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Gehören zu den treuesten Anhänger der Fußball Bundesliga: die Fans vom 1. FC Köln. © wikipedia Sebastian Ritter
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Im spanischen Block feiern begeisterte Zuschauer den Gewinn der Europameisterschaft. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Schalke-Anhänger schwören ihrem Verein Treue bis zum Tod. © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Eintracht-Fans in der Commerzbank Arena in Frankfurt. © wikipedia Dirk Ingo Franke
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein aufwändige Choreographie im Karlsruher Wildparkstadion. © wikipedia firestar
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Sechs Spanierinnen, sechs Buchstaben: E-S-P-A-N-A! © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bayern-Fans feiern 2001 auf dem Münchner Marienplatz den Sieg in der Champions League. © Kurzendörfer
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Die Fans von den Young Boys Bern sorgen in der Schweiz für mächtig Stimmung. © wikipedia amstutzmarco
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Schalke 04 - die Macht im Revier! © dpa
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bayern-Anhänger in der Allianz Arena. © Westermann
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Die Fankurve im Bernabeu-Stadion vor dem Stadtderby Real gegen Atletico Madrid. © wikipedia elemaki
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Forca! Portugisische Fans präsentieren ihre Schals. © wikipedia Fritz Duras
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Köln-Fans im Rhein-Energie-Stadion. © wikipedia Sebastian Ritter
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Ein überdimensionales Kunstwerk: die Choreographie im Magdeburger Stadion. © wikipedia Sven Gebhard
Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien
Bayern-Fans beim Derby gegen 1860 im Oktober 2001. © Bodmer
In vereinter Mission: Günter Krause, Leiter des Fanprojekts München, Löwen-Fan Herbert Schröger, Bayern-Fan Simon Müller und der Fürther Jörg Strauß (v.l.n.r.).

Die Forderungen der Fangruppen entsprechen denen einer aktuellen Kampagne von Amnesty International: Polizeibeamte sollen erstens durch eine Ziffernfolge auf der Uniform klar gekennzeichnet sein und zweitens von einer unabhängigen Untersuchungsgruppe kontrolliert werden. Bisher liegt die Bearbeitung entsprechender Anzeigen gegen Polizisten bei der Polizei selbst – „es gibt keine institutionelle Unabhängigkeit“, kritisiert Rechtsanwalt Marco Noli.
Der Jurist vertritt unter anderem zehn Mandanten, die im Dezember 2007 beim Besuch eines Amateur-Spiels zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern im Grünwalder Stadion durch Polizeischläge verletzt wurden (wir berichteten). Herbert Schröger, Mitglied bei „Löwenfans gegen Rechts“, war bei dem Spiel dabei. Als sich die Türen nach Ende der Blocksperre öffneten, sei plötzlich eine Gruppe von USK-Beamten auf die Fans zugestürmt und habe „ein wildes Geknüppel“ begonnen. Es sei dabei keine Rücksicht auf Geschlecht oder Alter genommen worden. „Ich gehe seit 35 Jahren zum Fußball, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schröger. „Und ich möchte das auch nie wieder erleben.“

„Aus dem Nichts kamen sie angerannt und haben wild in die Menge geprügelt.“

Ähnliches berichtet Jörg Strauß von der Spielvereinigung Fürth . Er war am 10. Februar beim Pokalspiel gegen den FC Bayern zu Gast. Am Stadion sei es im Streit um eine mitgebrachte Trommel zu einem Handgemenge gekommen. Die Reaktion des USK war für Strauß völlig unverhältnismäßig: „Aus dem Nichts kamen sie angerannt und haben wild in die Menge geprügelt.“ Strauß steht abseits – dennoch verbringt er den Rest des Spiels mit weiteren, „zufällig anwesenden“ Fans auf der Stadionwache. „Ich kam mir vor wie ein Bauernopfer.“ Wer die Geschehnisse filmen oder fotografieren wollte, sei gezwungen worden, die Aufnahmen zu löschen, zahlreiche Fans hätten gebrochene Arme, Rippen und Gehirnerschütterungen davongetragen.

In beiden Fällen versuchten die Opfer, den Namen oder die Dienstnummer der betreffenden Polizisten zu erfahren – ohne Erfolg. So hat eine Klage gegen Polizisten wenig Erfolg, weiß Marco Noli. Bis heute gebe es keine Ergebnisse zu den Untersuchungen beider Spiele. „Kein einziger Beamter wurde vernommen, die Verfahren laufen gegen Unbekannt.“

Um das künftig durch eine individuelle Kennzeichnung, etwa mit einer Nummer, zu ändern, müsste das Innenministerium zustimmen. Die Chancen dafür stehen schlecht: „Wir sind klar gegen die Kennzeichnungspflicht“, sagt Sprecher Holger Plank. Seine Argumente bringt auch die CSU im Landtag immer wieder vor, die Partei lehnt entsprechende Anträge seit Jahren ab: Eine namentliche Kennzeichnung berge die Gefahr der Verfolgung Einzelner durch radikale Gruppen. Eine numerische Kennzeichnung mache nur bundeseinheitlich Sinn – und dafür gebe es keine Mehrheit.

Alexander Bosch von Amnesty hält dagegen: Im Ausland und auch in Berlin gelte die Pflicht ohne Probleme. Das sieht auch die FDP so, doch sie wird nicht gegen ihren Koalitionspartner stimmen. Das wissen die Fans – und sind sich nochmals einig: Ihre einzige Chance ist die Öffentlichkeit.

Ann-Kathrin Gerke

Alles zum Amateur-Fußball lesen Sie auf www.fussball-vorort.de!

Auch interessant:

Meistgelesen

1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
Pongracic-Wechsel fix: Neuer Geldregen für 1860 - Gorenzel: „nach oben orientieren“
Pongracic-Wechsel fix: Neuer Geldregen für 1860 - Gorenzel: „nach oben orientieren“
Sascha Mölders ist auf Abschiedstournee - 1860 hat aber andere Pläne
Sascha Mölders ist auf Abschiedstournee - 1860 hat aber andere Pläne
Dennis Dressel: Neuer Junior-Chef beim TSV 1860 
Dennis Dressel: Neuer Junior-Chef beim TSV 1860 

Kommentare