Als Konietzka Geschichte schrieb

+
Timo Konietzka (l.) in einer Spielszene

Bremen - Um 24. August 1963 sahen nur 30.000 Zuschauer das Tor von Timo Konietzka. Es existieren weder Film- noch Foto-Aufnahmen. Trotzdem ist der Treffer fest im kollektiven deutschen Fußball-Gedächtnis verankert.

Eine deutsche Mark. Und ein paar Groschen. So viel kostete es am 24. August 1963, Geschichte zu erleben. Die rund 30.000 Zuschauer im Bremer Weserstadion hatten ihren hart verdienten Lohn gut investiert. Sie waren dabei, als Dortmunds Timo Konietzka nach nur 58 Sekunden das erste Bundesliga-Tor überhaupt schoss.

Sonst sah das Tor um 17.01 Uhr niemand. Von dem historischen Moment existieren weder Film- noch Foto-Aufnahmen. Trotzdem ist der Treffer fest im kollektiven deutschen Fußball-Gedächtnis verankert. Zum Start der 50. Saison treffen am Freitag (20.30 Uhr/ARD, Sky und Liga total!) Borussia Dortmund und Werder Bremen auf den Tag genau nach 49 Jahren wieder aufeinander, um die Erfolgsgeschichte Bundesliga zu ehren und fortzusetzen.

Mit dem Start der Bundesliga erklärte 1963 die Tageszeitung Die Welt „Die Steinzeit im deutschen Fußball“ für beendet. Zu den 16 Mannschaften, die für das neue Oberhaus ausgewählt worden waren, zählten natürlich auch Meister Dortmund und der Pokalsieger von 1961 aus der Hansestadt.

Ihr Duell schrieb Geschichte, weil Konietzka das „Zuspiel von links“ aus sechs, sieben Metern wuchtig in die Maschen drosch. Sein Freitod am 12. März diesen Jahres in seiner Schweizer Wahlheimat Brunnen im Alter von 73 Jahren durch einen Gift-Cocktail rüttelte die Erinnerungen an den magischen Moment wieder wach.

Meister-Löwe Timo Konietzka: Bilder und Stationen seiner Karriere

Meister-Löwe Timo Konietzka: Bilder und Stationen seiner Karriere

Meister-Löwe Friedhelm "Timo" Konietzka hat sich am 12. März 2012 das Leben genommen. Hier sehen Sie Bilder und Stationen seiner Karriere. © dapd
Geboren wurde Friedhelm "Timo" Konietzka am 2. August 1938 in Lünen. © dapd
Zu seiner aktiven Zeit lief er für Borussia Dortmund (1960-1965), den TSV 1860 (1965-1967) und den FC Winterthur (1967-1971) auf. © dpa
Nach seiner Karriere arbeitete Konietzka als Trainer für den FC Zürich (1971-1978 und 1987-1988), die Young Boys Bern (1978-1980), den KSV Hessen Kassel (1982-1983), Bayer Uerdingen (1983-1984 und 26.11.1990 - 3.6.1991), Borussia Dortmund (1.7.1984 - 24.10-1984), die Grasshoppers Zürich (1985-1986) und den FC Luzern (Dezember 1993 - Juni 1994). © dapd
Sein Name wird für immer in den Geschichtsbüchern der Fußball-Bundesliga stehen, denn Konietzka markierte am 24. August 1963 nach 58 Sekunden das erste Tor der neugegründeten Fußball-Bundesliga. © dapd
Er absoliverte 100 Spiele in der Bundesliga und erzielte 72 Tore.
Für die DFB-Auswahl absolvierte er neun Länderspiele. Ihm gelangen drei Treffer. © dpa
Mit Borussia Dortmund errang er 1963 als Spieler seinen ersten Meistertitel. © dpa
1966 wiederholte er diesen Erfolg mit dem TSV 1860. © sampics
1965 gewann er mit dem BVB den DFB-Pokal.
Als Trainer feierte er seine größten Erfolge in der Schweiz. © dpa
Mit dem FC Zürich sicherte er sich dreimal in Serie von 1974-1976 die Meisterschaft. © sampics
Mit dem Stadtrivalen Grasshoppers Zürich wurde er 1982 Schweizer Meister. © getty
Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit sowjetischen General Timoschenko erhielt er den Spitznamen "Timo" verpasst. © sampics
Seit 1988 war er Schweizer Staatsbürger. © sampics
Als einer der Meisterlöwen wird ihn die Löwen-Fangemeinde immer in guter Erinnerung behalten. © sampics
Mit seiner Ehefrau Claudia war er als Gastronom tätig.

Der spätere Löwe Konietzka selbst hatte „über Jahre versucht, ein Dokument zu finden“, das seinen Treffer zeigt. 1000 Mark Belohnung hatte er sogar ausgesetzt, ohne Erfolg. Nur wer am 24. August 1963 im Stadion gewesen war, durfte in den Jahren danach behaupten, „gesehen“ zu haben, wie Konietzka das Ding gemacht hatte. Bremen siegte übrigens am Ende trotzdem mit 3:2, obwohl Konietzka noch einen weiteren Treffer erzielte.

Thomas Schaaf, seit 1999 Cheftrainer der Bremer und selbst ein Kind der Bundesliga, war gerade einmal zwei Jahre alt, als Konietzka traf. Doch schon ein paar Jahre später war Schaaf selbst regelmäßig im Stadion.

„Ich habe als kleiner Pöcks die Bundesliga im Stadion live verfolgt. Da bin ich das erste Mal mit dem Fußball in Berührung gekommen“, erinnert sich Schaaf. „Was mich seither am meisten beeindruckt: Die Faszination ist geblieben. Der Fußball lebte damals und er lebt heute immer noch. Das begeistert mich.“

Am Freitagabend schließt sich in Dortmund der Kreis. „Das ist ein wunderschöner Rahmen. Ich glaube, es gibt nichts Schöneres“, sagt Schaaf. Die 83.000 Zuschauer werden froh sein, ihre hart verdienten Euro für diesen historischen Abend ausgegeben zu haben. Gesucht wird dann auch der Tor-Erbe von Timo Konietzka. Vielleicht kommt das Zuspiel wieder von links.

sid

Die besten Fußballer der Geschichte

Die besten Fußballer der Geschichte

puskas
Ferenc Puskas blieb 1954 der große Triumph verwehrt: Er scheiterte mit Ungarn im WM-Finale 1954 mit 2:3 an Deutschland. Dennoch galt Puskas als der beste Fußballer seiner Zeit. Seine größten internationalen Erfolge feierte als Spieler von Real Madrid: Europapokalsieger der Landesmeister 1959, 1960 und 1966, Weltpokalsieger 1960, Olympiasieger mit Ungarn 1952 sowie Vize-Weltmeister 1954. © dpa
charlton_links
Sir Bobby Charlton (l.) war das Aushängeschld des englischen Fußballs in den 60er Jahren. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit England 1966, Europapokalsieger der Landesmeister mit Manchester United 1968, Euopas Fußballer des Jahres 1966. © dpa
garrincha
Garrincha verzauberte den Weltfußball in den 60er und 70er Jahren. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 1958 und 1970. © dpa
pele
Pele. Seine größten Erfolge: Weltpokalsieger mit dem FC Santos 1962 und 1963, Weltmeister 1958, 1962 und 1970. Weltfußballer des 20. Jahrhunderts. © dpa
cruyff
Johan Cruyff (l.) gilt als der beste niederländische Fußballer der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: 3x Sieger im Europapokal der Landesmeister mit Ajax Amsterdam (1971, 1972, 1973), Vize-Weltmeister mit den Niederlanden (1974), EM-Dritter mit den Niederlanden (1976), Europas Fußballer des Jahrhunderts (1999), 3 Mal Europas Fußballer des Jahres (1971, 1973, 1974). © dpa
bekcenbauer
Franz Beckenbauer gilt für viele als der beste deutsche Fußballer der Geschichte. Als Spieler feierte der "Kaiser" mit der Nationalmannschaft und vor allem als Spieler des FC Bayern seine größten Erfolge: Weltmeister 1974, Vize-Weltmeister 19666, WM-Dritter 1970, Europameister 1972, Europapokalsieger der Landesmeister mit Bayern München 1974, 1975, 1976, Europapokalsieger der Pokalsieger mit dem FC Bayern 1967, Weltpokalsieger 1976 mit Bayern München usw. © dpa
mueller_6
Gerd Müller, der Prototyp des deutschen Stürmers. Seine größten internationalen Erfolge: Europameister 1972, Weltmeister 1974, Europapokalsieger der Landesmeister mit dem FC Bayern 1974, 1975, 1976, Europapokal der Pokalsieger 1967, Weltpokalsieger 1976, Europäischer Torschützenkönig: 1970, 1972, WM-Torschützenkönig: 1970, EM-Torschützenkönig: 1972. Europas Fußballer des Jahres: 1970. WM-Torschützenkönig: 1970 EM-Torschützenkönig: 1972 © dpa
kempes
Mario Kempes (l.) galt bis zu Diego Armando Maradona als bester Fußballer Argentiniens. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Argentinien 1978, 1978 Südamerikas Fußballer des Jahres, 1980 Europapokalsieger der Pokalsieger mit dem FC Valencia, Torschützenkönig und bester Spieler der Fußballweltmeisterschaft 1978. © dpa
maradona
Diego Armando Maradona gilt für viele als der beste Fußballer der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Argentinien 1986, Vize-Weltmeister 1990, UEFA-Pokalsieger mit dem SSC Neapel 1989, Südamerikas Fußballer des Jahres: 1979, 1980, 1986, 1989, 1990, 1992, Goldener Ball als bester Spieler der Weltmeisterschaft: 1986. © dpa
lothar_9
Lothar Matthäus führte die deutsche Nationalmannschaft 1990 zum WM-Titel in Italien. Seine weiteren internationalen Erfolge: Europameister 1980, Vize-Weltmeister 1982 und 1986, UEFA-Pokalsieger 1991 mit Inter Mailand und 1996 mit dem FC Bayern, Weltfußballer der Jahre 1990 und 1991, Europas Fußballer des Jahres 1990. © dpa
romario_1
Romario. Seine größten Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 1998, Weltfußballer des Jahres: 1994, Bester Spieler der WM: 1994. © dpa
baggio_mitte
Der Italiener Roberto Baggio (m.). Seine größten internationalen Erfolge: WM-Dritter 1990, Vize-Weltmeister 1994, UEFA-Pokal-Sieger mit Juventus Turin 1993, Weltfußballer des Jahres 1993, Europas Fußballer des Jahres 1993. © dpa
vb
Marco van Basten (Niederlande). Seine größten internationalen Erfolge u.a.: Europapokal der Pokalsieger mit Ajax Amsterdam 1987, Europapokal der Landesmeister mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Weltpokalsieger mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Europäischer Supercupsieger mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Goldener Schuh der UEFA als bester Torjäger Europas 1986,Torschützenkönig und bester Spieler der Europameisterschaft 1988... © dpa
maldini
Paolo Maldini gilt als der beste italienische Abwehrspieler der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: WM-Dritter 1990, Vize-Weltmeister 1994, Vize-Europameister 2000, Europapokalsieger der Landesmeister/Champions League mit dem AC Mailand 1989, 1990, 1994, 2003 und 2007, Europäischer Supercup 1989, 1990, 1994, 2003, 2007. Weltpokalsieger 1989 und 1990. © dpa
weah
George Weah gilt als der beste afrikanische Fußballer der Geschichte. Die internationalen Erfolge des Liberianers: Weltfußballer, Europas Fußballer des Jahres und Afrikas Fußballer des Jahres 1995, bester afrikanischer Spieler des 20. Jahrhunderts. © dpa
rivalod
Rivaldo wurde 2002 Weltmeister mit Brasilien, Vize-Weltmeister 1998. Champions-League-Sieger 2003 mit dem AC Mailand, Europäischer Supercup: 1998 mit Barca und 2003 mit dem AC Mailand, Weltfußballer des Jahres 1999 und Europas Fußballer des Jahres 1999. © dpa
ronaldo_10
Ronaldo: Seine größten Erfolge u.a.: Weltmeister 1994 und 2002, FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit Milan 2007, Europapokal der Pokalsieger 1997 mit dem FC Barcelona, UEFA-Cup-Sieger Inter Mailand 1998, Europäischer Supercup: 2002 mit Real Madrid und 2007 mit Milan, Weltpokalsieger mit Real Madrid 2002, Weltfußballer des Jahres: 1996, 1997, 2002, Europas Fußballer des Jahres: 1997, 2002, 1997 Europas Torschützenkönig, 2002 WM-Torschützenkönig. © dpa
zidane_dpa
Zinedine Zidane. Seine größten Erfolge: Weltmeister 1998, Europameister 2000, Champions-League-Sieger mit Real Madrid 2002, Europäischer Supercup mit Juventus 1996 und Real Madrid 2002, Weltpokal 1996 mit Juve und 2002 mit Real, Weltfußballer des Jahres: 1998, 2000, 2003, Europas Fußballer des Jahres: 1998, Weltsportler des Jahres: 1999, Wertvollster Spieler der WM („Goldener Ball“): 2006. © dpa
ronaldinho_5
Ronaldinho. Seine größten Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 2002, UEFA Champions League mit dem FC Barcelona 2006, Weltfußballer des Jahres: 2004, 2005, Europas Fußballer des Jahres: 2004, UEFA Club Football Awards Stürmer des Jahres: 2005, UEFA Club Football Awards Spieler des Jahres: 2006, World Soccer Spieler des Jahres: 2004, 2005. © dpa
messi_4
Lionel Messi (r.) ist gegenwärtig eines der größten Talente im Weltfußball. Seine internationalen Erfolge: Champions-League-Sieger 2006 mit dem FC Barcelona, Olympiasieger 2008 mit Argentinien. © dpa
cronaldo
Cristiano Ronaldo gilt als einer der derzeit besten Fußballer der Welt. Seine größten internationalen Erfolge: Vize-Europameister 2004 mit Portugal, WM-Vierter mit Portugal 2006, Champions-League-Sieger 2008 mit Manchester United. © dpa
xavi_2
Xavi Hernandez. Der kleine Spanier gewann mit Spanien 2008 die Europameisterschaft und 2006 mit dem FC Barcelona die UEFA Champions League. © dpa

Auch interessant:

Meistgelesen

Richard Neudecker zur Talfahrt in der Tabelle: „Es ist kein Kopfproblem“
1860 München
Richard Neudecker zur Talfahrt in der Tabelle: „Es ist kein Kopfproblem“
Richard Neudecker zur Talfahrt in der Tabelle: „Es ist kein Kopfproblem“

Kommentare