Kann Stoffers 1860 retten?

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Sportdirektor Miki Stevic, Präsident Rainer Beeck sowie der neue Geschäftsführer Manfred Stoffers.

München - Wir denken nicht an Rücktritt. Wir werden aus der jetzigen Situation das Beste machen und die Schwierigkeiten gemeinsam lösen. Und zwar schnell!“

Rollende Köpfe waren nach dem (selbst verursachten) Investorendesaster erwartet worden. Doch was die Löwen gestern um 16 Uhr nach einer viereinhalbstündigen Aufsichtsratssitzung in der Kanzlei von Aufsichtsratschef Peter Lutz in der Brienner Straße präsentierten, war das glatte Gegenteil.

Präsidium, Geschäftsführung, Sportdirektor Miki Stevic – alle Akteure bleiben im Amt. Und es kommt sogar noch einer hinzu! Manfred Stoffers (55), ehemaliger Deutschland-Chef von Ex-Trikotsponsor Festina, wird neuer Geschäftsführer beim TSV 1860. Ein PR-Fachmann für die kommunikationsschwachen Löwen. Kann Stoffers 1860 retten? Oder wenigstens das inzwischen komplett ramponierte Image? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Krisen-Löwen.

Wie kam es zur Installation von Stoffers?

Den Kontakt stellte 1860-Vermarkter IMG am Montag her. Stoffers, der nach der Auflösung der Deutschland-Niederlassung bei Festina ausgeschieden war, entschied nach dem „Ausschlussprinzip. Ich habe Gründe gesucht, warum ich es nicht machen soll. Es ist keiner übriggeblieben.“ Auch für Weltmeister Stefan Reuter ist der Ausschluss seit gestern perfekt. Präsident Rainer Beeck bestätigte: „Reuters bis 30. Juni 2009 laufender Vertrag ist gekündigt.“

Was ist Stoffers’ Aufgabe?

Er selbst sagt: „Ich bin für K & K zuständig. Für Klinkenputzen bei Sponsoren und auf den Knien rutschen vor unserer Kundschaft, den Fans.“ Zudem soll Stoffers (geschätzes Jahresgehalt 200 000 Euro) vermeiden, dass es wieder zu Kommunikationsdesastern kommt wie am Montag, als der noch nicht perfekte Investorendeal nach massiven Zweifeln von Geschäftsführer Markus Kern, Aufsichtsrat Christian Ude und Aufsichtsratschef Peter Lutz einstweilen öffentlich „auf Eis“ gelegt wurde. Die entsprechende Pressemitteilung am Montagabend sei „total unnötig“ gewesen, sagte Vizepräsident Michael Hasenstab.

Kommt Investor Nicolai Schwarzer trotzdem noch?

Präsident Rainer Beeck sagt: „Wir sind in engem Kontakt mit Schwarzer und haben positive Signale empfangen. Wir sollen eine Lösung herbeiführen und haben das Vertrauen des Aufsichtsrates.“ In naher Zukunft soll nun das Gespräch mit der DFL gesucht werden, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Auch Stoffers soll dabei mitwirken. Er sagt: „Der Vertrag war eine Frühgeburt und muss jetzt in den Brutkasten.“ Strittige Punkte sind neben der Verbindung Schwarzer/Stevic u.a. die möglicherweise zu weit gesteckten Kompetenzen des Investors in Sachen Spielerkäufe und -verkäufe. „Wir haben bewusst Maximalforderungen in den Vertrag geschrieben, aber es war mit Schwarzer ausgemacht, dass bestimmte Sachen von der DFL gestrichen werden können“, sagt Hasenstab. „Wir haben das Geschäft nicht zu früh öffentlich gemacht. Wir mussten auch das Transferfenster berücksichtigen.“ Stevic habe unbedingt neue Spieler gewollt weil auch die „Abstiegsgefahr“ nicht von der Hand zu weisen sei.

Bleibt Stevic unabhängig vom Ausgang der Investorenstory?

Beeck sagt: „Wir sind überzeugt, dass Stevic der richtige Mann für uns ist. Er hat den nötigen Biss. Bislang hatten wir auf diesem Gebiet wenig Entwicklung.“ Lutz sagt: „Wir vertrauen dem Präsidium, Miroslav Stevic und der Mannschaft.“ Am blumigsten formuliert es Stoffers: „Stevic ist mehr wert als zwölfsiebenundreißig Mentalcoaches. Er trägt dazu bei, dass die Mannschaft wieder Chilifußball spielt.“

Was geschieht mit den von Schwarzer finanzierten Zugängen Rukavina und Gulan? Müssen die Löwen dem Investor Geld zurückerstatten?

Die Spieler bleiben bis Saisonende. „Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt kein Signal, dass Geld zurückfließen soll“, sagt Beeck.

Ludwig Krammer

Quelle: tz

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